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20.11.2014

19:30 Uhr

Russland

Putin will „Volksaufstand“ verhindern

Wladimir Putin will einen Volksaufstand wie in Russlands Nachbarländern mit allen Mitteln verhindern. Die Äußerungen Putins könnten ein Indiz dafür sein, dass sich die russische Bevölkerung gegen ihn stellt.

Wladimir Putin hat den Ton gegenüber dem Westen verschärft. dpa

Wladimir Putin hat den Ton gegenüber dem Westen verschärft.

MoskauDer russische Präsident Wladimir Putin will nach eigenen Worten einen Volksaufstand in Russland nach dem Muster von Umbrüchen in ehemaligen Sowjetrepubliken mit allen Mitteln verhindern. „Wir sehen, zu welchen tragischen Konsequenzen die Welle sogenannter bunter Revolutionen geführt hat“, sagte Putin am Donnerstag bei Beratungen mit seinem Sicherheitsrat. In der Ukraine hatte es 2004/2005 die Orange Revolution gegeben, die einen Umbruch in Russlands Nachbarland einläutete. Nach ähnlichem Muster gab es zuvor schon in Georgien einen Volksaufstand. Putin sagte, für Russland sei dies eine Lehre und eine Warnung. „Wir sollten alles Notwendige tun, damit so etwas nie in Russland passiert.“

Dafür müsse Extremismus unterbunden werden, betonte der Präsident. „Extremismus wird in der modernen Welt als ein geopolitisches Mittel benutzt, um die Einflusssphären zu verschieben.“ Vor allem im Internet versuchten „Extremisten-Organisationen, Anhänger zu rekrutieren“. Dies gelte es zu verhindern. Einzelheiten nannte er dazu nicht, kündigte aber zugleich eine härtere Hand im Kampf gegen illegale Einwanderung an. Diese sei Ursache vieler Probleme.

Putin spricht...

über Krieg und Frieden

„Russland hat keine Absicht, Krieg gegen das ukrainische Volk zu führen.“
am 4.3. in einer Pressekonferenz

„Wenn ich will, kann ich in zwei Wochen Kiew einnehmen.“
am 01.09. in einem Telefonat mit EU-Kommissionspräsident José Manuel Barroso, das dieser öffentlich machte. Die russische Seite erklärte im Anschluss, das Zitat sei aus dem Zusammenhang gerissen worden.

über Rüstung

„Die Militarisierung des Weltraums und die US-Stützpunkte in Europa und Alaska, direkt an unserer Grenze, nötigen uns zu einer Reaktion.“
am 10.09. in einer Pressekonferenz

über die Zukunft der Ostukraine

„Russland behält sich das Recht vor, alle vorhandenen Mittel zu nutzen, sollte es in östlichen Regionen der Ukraine zu Willkür kommen.“
am 4. 3. in einer Pressekonferenz

„Diese Gebiete (im Süden und Osten der Ukraine) waren als Neurussland historisch ein Teil des Russischen Reiches. Erst in den 1920er Jahren wurden die Territorien von den Bolschewiken der Ukraine gegeben. Gott weiß warum.“
am 17. 4. im russischen Staatsfernsehen

„Es müssen umgehend substanzielle inhaltliche Verhandlungen anfangen - nicht zu technischen Fragen, sondern zu Fragen der politischen Organisation der Gesellschaft und der Staatlichkeit im Südosten der Ukraine.“
am 31. 8. vor dem Treffen der Ukraine-Kontaktgruppe

über die Führung der Ukraine

„In der Ukraine gibt es bislang keine legitime Macht, mehrere Staatsorgane werden von radikalen Elementen kontrolliert.“
am 18. 3. in der Rede an die Nation

„Sind sie da jetzt völlig verrückt geworden? Panzer, Schützenpanzerwagen und Kanonen! (...) Sind sie total bekloppt? Mehrfachraketenwerfer, Kampfjets im Tiefflug! (...) Sind sie dort jetzt völlig bescheuert geworden, oder was?
am 17. 4. im russischen Staatsfernsehen

über den Westen

„In der Ukraine überschritten die westlichen Partner die rote Linie, verhielten sich grob, verantwortungslos und unprofessionell.“
am 18.3. in der Rede an die Nation

„Die Vereinigten Staaten dürfen in Jugoslawien, Irak, Afghanistan und Libyen agieren, aber Russland soll es verwehrt sein, seine Interessen zu verteidigen.“
am 18.3. in der Rede an die Nation

über Russen im Ausland

„Nach dem Zerfall der Sowjetunion wurden die Russen zu einem der größten geteilten Völker der Welt. Millionen von Menschen gingen in einem Land ins Bett und erwachten in einem ganz anderen und wurden zur nationalen Minderheit.“
am 18.3. in der Rede an die Nation

„Ich glaube daran, dass die Europäer, vor allem aber die Deutschen, mich verstehen werden (...). Unser Land hatte das starke Bestreben der Deutschen nach Wiedervereinigung unterstützt. Ich bin sicher, dass sie das nicht vergessen haben und rechne damit, dass Bürger Deutschlands das Bestreben der russischen Welt, ihre Einheit wiederherzustellen, (...) ebenfalls unterstützen werden.“
am 18.3. in der Rede an die Nation

Putins Äußerungen deuten auf Befürchtungen hin, dass sich die russische Bevölkerung unter dem Druck der westlichen Sanktionen und eines Wirtschaftsabschwungs gegen ihn stellt. Allerdings hatten die Annexion der ukrainischen Halbinsel Krim, wo die russische Schwarzmeerflotte stationiert ist, und die Berichterstattung ihm zugeneigter Medien seine Popularität in Russland zuletzt noch erhöht. Den Ton gegenüber dem Westen hatte Putin unlängst verschärft. Er warf den USA vor, Russland unterwerfen zu wollen.

Von

rtr

Kommentare (9)

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Account gelöscht!

20.11.2014, 19:57 Uhr

Na , da ist wohl der Wunsch der Vater des Gedankens.

Putin scheint um so fester im Sattel, um so mehr gegen ihn und seine Politik auswärts gekämpft wird.

So scheint sich wegen dieses taktischen Fehlers seiner Gegner nun die Parole durch zu setzen, er würde gestürzt werden können. Wunschdenken eben.

Herr Josef Duffner

20.11.2014, 20:04 Uhr

Wieder so ein Werbeslogan des Westens.
Dies hätte man wohl gerne,
Ich meine soweit wird es in Russland nie kommen.
Die Russen sind aus einem ganz anderen Holz geschnitzt wie die Leute des kapitalistischen Westen.
Und vor allem, Putin ist nicht so dumm, wie man das im Westen gern hätte.

Account gelöscht!

20.11.2014, 20:33 Uhr

Reuters übergibt sich und es kommt etwas total sinnfreies heraus, weil die Wertungen und Schlussfolgerungen nichts mit den realen Tatsachen zu tun haben. Von westlichen Medien anerkannte Umfragen besagen für Putin Zustimmungswerte in Russland von denen westliche Politiker in ihrer Heimat nur träumen können. Keine Ahnung welche Strategie dahintersteckt den westlichen Medienkonsumenten den Kopf so offensichtlich mit Schwachsinn zu-müllen zu wollen. Ich denke mal das Handelsblatt bekam diesen Artikel gesponsert und konnte darum nicht nein sagen. Die eigene Glaubwürdigkeit wird dadurch allerdings beschädigt, also schreibt in Zukunft in die Überschrift “Reuters ist der Meinung oder sagt....“!

Das sich die russische Administration Gedanken macht über die vom Westen angezettelten und finanzierten “bunten Revolutionen“, auch im näheren Umfeld Russlands, ist doch nur verständlich. Daraus aber zu schließen, dass ein Volksaufstand derzeit in Russland wahrscheinlich sein könnte ist völliger Unsinn und zeigt nur das hier der Wunsch der Vater des Gedanken war. Eher gäbe es einen Volksaufstand in der EU als in Russland, so schaut es zur Zeit aus. Das gilt ganz besonders im Falle eines heißen Krieges, dann sollten unsere Politiker, wenn ihnen ihr Leben lieb ist, die Beine in die Hände nehmen und so weit weg rennen wie sie können!!!!!

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