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19.01.2012

14:51 Uhr

Russland

Putin wirft Radiosender „Gequassel“ vor

Putin hält die Berichterstattung eines Radiosenders für „Gequassel“ und findet die Kritik fair. Denn, so Russlands Regierungschef zum Chefredakteur, „wenn ihr Scheiße über mir ausschüttet, bin ich auch nicht beleidigt.“

Russland Regierungschef Wladimir Putin (Mitte) hat Opposition und Medien scharf kritisiert. AFP

Russland Regierungschef Wladimir Putin (Mitte) hat Opposition und Medien scharf kritisiert.

MoskauRusslands Regierungschef Wladimir Putin hatte am Mittwoch Journalisten zu einem Abendessen in sein Landhaus eingeladen - um sie dann mit heftigen Worten zu attackieren: Putin bezeichnete die Berichterstattung des liberalen Radiosenders Moskauer Echo als „Gequassel“ und warf ihm vor, im Streit um die geplante NATO-Raketenabwehr den Interessen der USA zu dienen. Anschließend forderte er den anwesenden Chefredakteur Alexej Wenediktow auf, nicht beleidigt zu sein. „Wenn ihr den ganzen Tag Scheiße über mir ausschüttet, bin ich nicht beleidigt. Aber Sie sind beleidigt, dabei habe ich nur zwei Worte gesagt“, sagte Putin.

In seiner Radiosendung am Donnerstagvormittag erklärte Wenediktow, er sei von dem Angriff überrascht gewesen. Die Kritik an dem Sender sei „völlig unerwartet“ gewesen, sagte der Chefredakteur, spielte zugleich aber die Bedeutung des Angriffs herunter: „Wenn ich ihn kritisiere, warum soll er nicht mich kritisieren?“, fragte er in seiner Sendung.

Bei dem Abendessen am Mittwoch warf Putin zudem der Opposition vor, sich seiner Einladung zu einem Dialog verweigert zu haben. Auch griff er den Autor Boris Akunin an, der am Mittwoch gemeinsam mit anderen bekannten Schauspielern, Schriftstellern und Verlegern die Gründung einer Wähler-Liga bekannt gegeben hatte. Erklärtes Ziel der Organisation ist es, die Transparenz der Präsidentschaftswahl im März sicherzustellen, bei der Putin erneut zum Präsidenten gewählt werden will.

Putin stellte die Motive des Autors Akunin in Frage. „Soweit ich weiß, ist er ethnischer Georgier“, sagte Putin. In dem Konflikt mit Tiflis um Südossetien 2008 hätte er daher das russische Vorgehen nicht akzeptieren können. In einem Gespräch mit der Nachrichtenagentur AFP sagte Akunin am Donnerstag, Putin habe unterstellen wollen, dass er georgischer Agent sei, da sein Vater Georgier war. Akunin dazu: „Doch er weiß das Schlimmste noch nicht - meine Mutter war Jüdin. Vielleicht bin ich auch ein jüdischer Agent?“

Von

afp

Kommentare (1)

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19.01.2012, 16:01 Uhr

Immer wenn Vladimir Putin besonders nervös oder verärgert ist, greift er zur Fäkalsprache. Das hat inzwischen schon Tradition. Ebenfalls Tradition -und das ist gefährlicher- hat leider Putins Verfolgungswahn. In seiner Sicht ist Russland immer Opfer von Verschwörern, vorzugsweise den USA.
Interessant ist in diesem Zusammenhang, dass das russische Staatsfernsehen gestern den neuen US-Botschafter Michael McFaul angegriffen hat. Der ausgewiesene Russlandkenner habe im National Endowment for Democracy mitgearbeitet und damit für die CIA. Dieser bisher beispiellose Angriff auf einen Botschafter hat sogar das US State Department zu einer Reaktion veranlasst, wo es heisst, eines der besonderen Verdienste von Michael McFaul seien gerade dessen Bemühungen um eine Stärkung des Vertrauens zwischen Moskau und Washington.
Die russischen Staatsmedien reagieren offenbar immer mehr so wie die Mullahs im Iran, die in den USA ihren Erzfeind sehen. Das lässt nichts Gutes erwarten.

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