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27.05.2014

12:48 Uhr

Russland stellt Ukraine Ultimatum

Was der Gas-Streit für Deutschland bedeutet

Die Ukraine kontert die Milliarden-Forderungen aus Moskau. Der Regierungschef bezichtigt Russland, das Gas der Krim gestohlen zu haben. Die deutsche Versorgung bleibt gesichert – sofern Gazprom nicht alle Hähne zudreht.

Will endlich Geld sehen: Gazprom-Chef Alexej Millner droht der Ukraine damit, die Gaslieferungen einzustellen. Reuters

Will endlich Geld sehen: Gazprom-Chef Alexej Millner droht der Ukraine damit, die Gaslieferungen einzustellen.

BerlinEU-Energiekommissar Günther Oettingers Vermittlungsversuche sind vorerst gescheitert: Im Gas-Streit zwischen Russland und der Ukraine sind die Positionen weiter verhärtet. Der ukrainische Regierungschef Arseni Jazenjuk warf Russland am Dienstag in Kiew eine „unkonstruktive Haltung“ vor und drohte mit einer Klage beim Internationalen Schiedsgerichtshof.

Außerdem fordert er vom russischen Staatskonzern Gazprom 2,2 Milliarden Kubikmeter Erdgas im Wert von rund einer Milliarde Dollar zurück. Soviel schulde die russische Seite der Ukraine wegen der Annexion der Krim, sagte Jazenjuk. Russland habe das Gas der Krim gestohlen. Ein Gazprom-Sprecher erklärte, er habe keine Ahnung, wovon Jazenjuk spreche.

Der Chef des russischen Staatskonzerns Gazprom, Alexej Miller, hatte zuvor betont, dass die Ukraine bis Ende dieser Woche zunächst zwei Milliarden US-Dollar ihrer Schulden begleichen müsse, um eine Eskalation abzuwenden.

Das sind die größten Energieversorger der Welt

Platz 10

Die Rangliste der größten Energieunternehmen der Welt eröffnet Kansai Electric Power. Der japanische Versorger kam 2011 auf einen Umsatz von 33,3 Milliarden Dollar.

Platz 9

Mit 39,3 Milliarden Dollar Umsatz liegt der südkoreanische Versorger Korea Electric Power (Kepco) auf dem neunten Rang.

Platz 8

Iberdrola landet auf dem achten Platz. Der spanische Versorger erwirtschaftete 2011 Erlöse in Höhe von 41 Milliarden Dollar.

Platz 7

Der britische Versorger SSE (Scottish and Southern Energy) landet auf Rang sieben der Rangliste. Umsatz 2011: 45,4 Milliarden Dollar.

Platz 6

Der erste deutsche Energiekonzern findet sich auf Platz sechs wieder. RWE erwirtschaftete im Jahr 2011 Erlöse von 63,7 Milliarden Dollar.

Platz 5

64,6 Milliarden Dollar erwirtschaftete Tokyo Electric Power im Jahr 2011. Besser bekannt ist das Unternehmen unter der Abkürzung Tepco. Nach der Katastrophe am Atomkraftwerk von Fukushima ist Tepco inzwischen mehrheitlich im Besitz des japanischen Staates.

Platz 4

Électricité de France (EDF) schrammt knapp am Treppchen vorbei. Die Franzosen kommen mit einem Umsatz 2011 von 84,6 Milliarden Dollar auf Platz vier.

Platz 3

Der größte italienische Energiekonzern ist weltweit die Nummer drei. Enel machte 2011 einen Umsatz von 103,2 Milliarden Dollar.

Platz 2

Der französische Versorger GDF Suez findet sich auf Rang zwei der Rangliste. Im Jahr 2011 erwirtschaftete GDF Suez Erlöse in Höhe von 117,5 Milliarden Dollar.

Platz 1

Der deutsche Branchenprimus ist auch weltweit die Nummer eins. Eon kam im Jahr 2011 auf einen Umsatz von 157,3 Milliarden Dollar - das reicht für die Spitzenposition.

Macht Moskau tatsächlich ernst und dreht der Ukraine den Gashahn zu? Und was würde ein Stopp russischer Gaslieferungen durch die Ukraine für Deutschland bedeuten? Diese Frage hat das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) im Auftrag der europäischen Grünen untersucht. Die Antwort der DIW-Experten: Die Erdgasversorgung in Europa ist trotz der Ukraine-Krise gesichert.

Allerdings nur dann, wenn Russland nicht alle Lieferungen in den Westen einstellt. Dass ein Lieferstopp durch die Ukraine Deutschland nicht nachhaltig schädigen würde, liegt nämlich nicht an den zahlreichen alternativen Gas-Quellen, sondern an der Nord-Stream-Pipeline, die wiederum von Russland gespeist wird. Gleiches gilt für die Jamal-Pipeline, die Gas aus Weißrussland über Polen liefert, teilte das Institut mit. Rund 38 Prozent seines Erdgases erhält Deutschland derzeit aus Russland. Die EU bezieht gut ein Drittel ihres Verbrauchs aus Russland, große Mengen fließen davon über die Ukraine.

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Entsprechend schränken die DIW-Experten ein: Wenn Russland sämtliche Gashähne zudrehen würde, wären in Westeuropa Engpässe und höhere Preise möglich. Stärker wäre dann aber Osteuropa betroffen – vor allem Kroatien, Ungarn und Rumänien. Grund: Diese Länder haben kaum Zugang zu Flüssiggas, das per Tanker geliefert werden könnte, und sind zudem nicht ausreichend in das europäische Pipelinenetz integriert, um genügend Ersatzlieferungen aus Nachbarländern erhalten zu können.

„Europa ist in Sachen Versorgungssicherheit noch nicht ganz so weit, wie es sein sollte“, sagt Claudia Kemfert, Leiterin der Abteilung Energie, Verkehr, Umwelt am DIW Berlin. „Um sich mittelfristig noch besser gegen Lieferausfälle zu wappnen, muss die EU den Kreis ihrer Erdgaslieferanten weiter vergrößern, die bestehende Infrastruktur besser nutzen, für eine steigende Energieeffizienz sorgen und den Ausbau erneuerbarer Energien konsequent vorantreiben.“

Kommentare (4)

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27.05.2014, 13:36 Uhr

Der Gasstreit bedeutet für Deutschland dass es die Gasrechnung der Ukraine bezahlen darf. Über die EU, den IWF oder direkt. Macht aber nix, der deutsche Michel zahlt das gern. Zahlt er nicht gern, machts auch nix, er wird ja nicht gefragt.

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27.05.2014, 14:52 Uhr

Zitat : Ist Fracking die Lösung ?


Fracking ist die groesste Lachnummer !


Die Selbstkosten bei Fracking betragen fuer 1000 Cubikmeter Gas ca. 350 $, bei konventioneller Foerderung sind es 50 $, also bzahlt man beim Fracking etwa den 7 - fachen Preis !

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Account gelöscht!

27.05.2014, 17:47 Uhr

@Furfante

Was ist denn da das Problem? Dann machen unsere Blockparteien eben das nächste Energie-Ende-Gesetz bzgl Fracking-Gas und dann wird der Verbraucher umgelegt - ich meine natürlich, dann wird es wieder auf den Verbraucher umgelegt und die schöne grüne Welt ist wieder in Ordnung.

Fracking in Europa und Deutschland ist ja schließlich auch für den angeblich Öko-grünen Blockparteienflügel kein Problem. Ist ja die Idee ihrer Herren überm Atlantik und deren Energiekonzernen.

PS: in den USA bricht der Frackingboom gerade zusehens zusammen, weil die Förderunternehmen nicht kostendeckend arbeiten können, da die Quellen sich sehr rasch erschöpfen und zudem wohl die Vorkommen massiv überschätzt wurden (war sicher ein Versehen der Finanzindustrie in New York, die aber darauf dann ein Ponzi-System aufgebaut hat). Die US-amerikanischen Hersteller von Förderequipment, die Förderfirmen und vor allem die Wallstreet-Financiers suchen offenbar jetzt anderswo Dumme, die das Schneeballsystem weiterbetreiben (dazu muß es nämlich weiterhin wachsen!!!!) - bevor es daheim kollabiert.

Dabei liegen sie mit der Expansion in EUropa ja schon mal richtig. Da kann man neben dummen Anlegern auch noch Subventionen von dummen Politikern abzocken. Zum Beispiel für diese "umweltfreundliche" Technik!

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