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09.01.2007

18:34 Uhr

Russland sucht Alternativen für Ölexport

Putin will Ölversorgung Europas sicherstellen

Nach der heftigen Kritik an Russlands Verhalten im Pipelinestreit hat Präsident Wladimir Putin dem Westen am Dienstag zugesichert, alles zur Sicherung der Öllieferungen nach Westeuropa zu tun. In Berlin erneuerten EU-Kommission und Bundesregierung ihre Kritik und warnten vor einem anhaltenden Vertrauensverlust.

HB MOSKAU/BERLIN. Auch wenn es keine unmittelbare Gefährdung der europäischen Energieversorgung gebe, könne das Verhalten beider Länder nicht hingenommen werden, sagte Kommissionspräsident Jose Manuel Barroso.

Trotz der Zusicherung an Westeuropa zeigte sich Putin Weißrussland gegenüber in dem Streit unnachgiebig.In Moskau wies er hochrangige Regierungsvertreter an, mit russischen Unternehmen über eine Drosselung der Ölförderung zu beraten. Er unterstrich damit seine Entschlossenheit, Weißrussland zum Einlenken zu zwingen.

Energieminister Viktor Christenko kündigte zudem an, Russland werde mittelfristig nach alternativen Exportmöglichkeiten für sein Öl suchen. So solle der Hafen Primorsk an der Ostsee ausgebaut und seine Verladekapazität um etwa die Hälfte auf 2,2 Mill. Barrel pro Tag erhöht werden. Daneben solle der Bau einer Fernleitung nach China beschleunigt werden.

Am Montag hatte Russland die Ölleitung „Druschba“ durch Weißrussland geschlossen und damit auch die Versorgung mehrerer europäischer Länder, darunter Deutschland, beschnitten. Durch die Leitung fließt rund ein Fünftel des in Deutschland benötigten Erdöls. Der russische Leitungsbetreiber Transneft begründete den Lieferstopp damit, dass Weißrussland illegal Öl abgezapft habe. Die Regierung in Minsk bestreitet das.

Vermittlungsbemühungen zwischen beiden Ländern blieben am Dienstag zunächst erfolglos. Der weißrussische Vize-Ministerpräsident Andrej Kabjakow sei in die russische Hauptstadt gereist, um mit Vertretern des russischen Wirtschaftsministeriums zu sprechen, sagte ein Regierungssprecher. Später sagte der stellvertretende Wirtschaftsminister Weißrusslands, die russische Seite habe erklärt, sie sei noch nicht zu Verhandlungen bereit.

Bundeskanzlerin Angela Merkel und Barroso kritisierten in Berlin, dass Russland die Pipeline ohne vorherige Konsultationen schloss. „Das zerstört immer wieder Vertrauen, und darauf kann sich keine wirklich vertrauensvolle Zusammenarbeit ungestört aufbauen“, sagte Merkel. Den Regierungen in Moskau und Minsk werde deutlich gemacht, dass Konsultationen das Mindeste seien, was erwartet werde, wenn es zwischen Liefer- und Transitland Schwierigkeiten gebe. „Das muss Normalität werden“, forderte Merkel, die in der übernächsten Woche zu Gesprächen mit Putin nach Moskau reist.

Der Internationalen Energieagentur (IEA) zufolge besteht keine akute Gefahr, dass die Versorgung in den an die „Druschba“-Leitung angeschlossen Ländern zum Erliegen kommt. Die Raffinerien hätten ausreichend Öl für mehrere Tage auf Lager, teilte die Behörde am Dienstag mit. Sollte Russland die Leitung längerfristig schließen, könnten die Raffinerien außerdem auf andere Versorgungswege zurückgreifen. Einige hätten schon damit begonnen, Alternativen zu organisieren. Die Behörde forderte aber auch eine schnelle und klare Lösung des Konflikts.

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