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01.12.2015

06:48 Uhr

Russland und die Türkei

Putin wirft Ankara Ölgeschäfte mit den IS-Terroristen vor

Nach dem Abschuss eines russischen Kampfjets halten die Spannungen zwischen Russland und der Türkei an: Präsident Putin kündigt Wirtschaftssanktionen gegen die Türkei an und macht neue Vorwürfe. Ankara reagiert prompt.

Vorwurf gegen Türkei

Putin: „Kampfjet-Abschuss soll Ölgeschäfte mit IS schützen“

Vorwurf gegen Türkei: Putin: „Kampfjet-Abschuss soll Ölgeschäfte mit IS schützen“

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Istanbul, ParisIm Streit über den Abschuss eines russischen Kampfflugzeuges durch die Türkei hat Präsident Wladimir Putin den Tonfall abermals verschärft und der Türkei bewusste Schützenhilfe für die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) vorgeworfen. Mit dem Abschuss eines russischen Bombers habe Ankara den Ölhandel des IS sichern wollen, sagte Putin nach einem Bericht der französischen Nachrichtenagentur AFP am Rande der internationalen Klimakonferenz im Pariser Vorort Le Bourget.

„Wir haben jeden Grund zu glauben, dass die Entscheidung zum Abschuss unseres Flugzeug von dem Willen bestimmt war, die Öl-Lieferrouten zum türkischen Territorium zu sichern“, sagte Putin demnach. Die Türkei habe den Jet abgeschossen, weil es diese Ölquelle habe erhalten wollen. Es handele sich um einen "Riesenfehler".

Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan hat russische Vorwürfe, wonach sein Land mit dem IS Ölgeschäfte macht, bereits zurückgewiesen. Dies sei Verleumdung. Die Türkei kaufe Öl nur von bekannten Anbietern, hatte Erdogan bereits in der vergangenen Woche erklärt.

Russland-Türkei-Krise

Zum Kampfjet-Abschuss: „Das war absoluter Irrsinn“

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Auf die angekündigten russischen Wirtschaftssanktionen plane er keine rasche Reaktion „Lasst uns geduldig und nicht emotional vorgehen“, sagte Erdogan am Montag am Rande des Weltklimagipfels in Paris. Die Türkei setze sich dafür ein, dass die Beziehungen zur Regierung in Moskau nicht komplett abrissen, fügte er hinzu und bezeichnete Russland als einen strategischen Partner.

Das Land ist Hauptenergielieferant der Türkei. Erdogans Äußerungen vor Journalisten wurden vom türkischen Fernsehen übertragen. Die Regierung in Moskau plant ökonomische Strafmaßnahmen. Vor allem soll die Einfuhr landwirtschaftlicher Produkte aus der Türkei verboten werden.

Sanktionen gegen die Türkei

Strafe für Abschuss

Der russische Präsident Wladimir Putin hat umfassende Sanktionen gegen die Türkei verhängt. Damit bestraft er die Führung in Ankara für den Abschuss eines russischen Kampfflugzeugs im Syrien-Konflikt. Die Strafmaßnahmen betreffen vor allem Handel und Tourismus.

Import

Die Einfuhr bestimmter Waren aus der Türkei nach Russland wird vorübergehend verboten oder eingeschränkt. Die genaue Liste muss die Regierung noch ausarbeiten.

Unternehmen

Türkische Unternehmen müssen bestimmte Tätigkeiten in Russland einstellen oder begrenzen. Welche Tätigkeiten betroffen sind, muss die Regierung zunächst definieren.

Arbeitnehmer

Russische Unternehmen dürfen von 2016 an vorübergehend keine türkischen Arbeiter mehr einstellen. Die Regierung muss festlegen, welche russischen Arbeitgeber betroffen sind.

Reisen

Russische Reiseveranstalter müssen ihr Urlaubsangebot für die Türkei aus dem Programm nehmen. Zudem sollen sämtliche Charterflüge zwischen Russland und der Türkei eingestellt werden.

Warenverkehr

Der trotz des Importverbots weiter bestehende Warenverkehr aus der Türkei nach Russland soll stärker kontrolliert werden. Das betrifft Lastwagen an den Grenzübergängen sowie Schiffe in den Häfen des Schwarzen und des Asowschen Meeres.

Die Türkei hatte sich zuvor mehrfach über eine Verletzung ihres Luftraums durch russische Kampfflugzeuge beklagt, die im Nachbarland Syrien Luftangriffe fliegen. Russland bestreitet, den türkischen Luftraum verletzt zu haben. Die Türkei lehnt eine Entschuldigung für den Abschuss bislang ab. Wegen des Konflikts kommt es am Rande des Klimagipfels wohl auch nicht zu einem Treffen Erdogans mit seinem russischen Kollegen Wladimir Putin.

Von

rtr

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