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04.10.2016

14:20 Uhr

Russland und die USA

„Der Pakt mit dem Teufel“

Die Syrien-Diplomatie eskaliert endgültig zum Streit zwischen Russland und den USA. Moskau macht der Obama-Regierung harsche Vorwürfe: Kooperation mit Terroristen. Unter der Auseinandersetzung muss nun Syrien leiden.

Dringliche Worte

UN appelliert an USA und Russland: „Einigt Euch - Syrien steigt in die Hölle hinab“

Dringliche Worte: UN appelliert an USA und Russland: „Einigt Euch - Syrien steigt in die Hölle hinab“

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MoskauNach dem Scheitern der Gespräche zwischen den USA und Russland rückt eine diplomatische Lösung des syrischen Bürgerkrieges in weite Ferne. Die Führung in Moskau macht den USA harsche Vorwürfe: „Die Entscheidung Washingtons zeigt, dass die Regierung von Barack Obama nicht in der Lage ist, die Schlüsselbedingungen für unsere Zusammenarbeit im Interesse einer Beendigung des Syrien-Konflikts zu erfüllen“, teilte das Außenministerium in Moskau in der Nacht zum Dienstag mit. „Oder sie hatte nie die Absicht.“

Zugleich warf Russland den USA vor, absichtlich zu wenig im Kampf gegen Terroristen in Syrien zu tun. Die USA hätten niemals ernsthaften Druck auf die Fatah-al-Scham-Front (früher: Al-Nusra-Front) gemacht, hieß es. „Bei uns festigt sich der Eindruck, dass Washington in seinem Streben nach einem Machtwechsel in Syrien einen 'Pakt mit dem Teufel' eingeht.“

Bisherige Waffenruhen hätten die Terroristen zuletzt gestärkt. Sie hätten sich neu aufgestellt und Waffen erhalten, kritisierte das Ministerium. Russland ist einer der engsten Verbündeten des syrischen Machthabers Baschar al-Assad und unterstützt seine Armee seit einem Jahr mit Luftangriffen.

Wer kämpft gegen wen in Syrien?

Regime

Anhänger von Präsident Baschar al-Assad kontrollieren weiter die meisten großen Städte wie Damaskus, Homs, Teile Aleppos sowie den Küstenstreifen am Mittelmeer. Syriens Armee hat allerdings viele Soldaten verloren und wird vor allem durch russische Kampfjets, iranische Kämpfer und die Schiitenmiliz Hisbollah unterstützt. Auch Verbände aus Afghanistan und dem Irak sollen aufseiten des Regimes kämpfen.

Islamischer Staat (IS)

Die Terrormiliz hat in den vergangenen Monaten große Teile ihres Gebietes verloren, herrscht aber immer noch in vielen Städten entlang des Euphrats und in Zentralsyrien.

Rebellen

Unzählige Rebellengruppen kämpfen in Syrien - von moderaten Gruppen, die vom Westen unterstützt werden, bis zu radikalen Islamisten, wie der früheren Nusra-Front. Immer wieder gehen die verschiedenen Truppen zeitweise Zweckbündnisse ein.

Kurden

Kurdische Streitkräfte beherrschen mittlerweile den größten Teil der Grenze zur Türkei. Sie sind ein wichtiger Partner des Westens im Kampf gegen den IS. Sie kämpfen teilweise mit Rebellen zusammen, kooperieren aber auch mit dem Regime in Damaskus.

Die USA und der Westen

Washington führt den Kampf gegen den IS an der Spitze einer internationalen Koalition. Kampfjets fliegen täglich Angriffe. Beteiligt sind unter anderem Frankreich und Großbritannien. Deutschland stellt unter anderem sechs Tornados für Aufklärungsflüge.

Russland

Seit einem Jahr fliegt Russlands Luftwaffe Angriffe in Syrien und steht an der Seite von Machthaber Assad. Russland bekämpft offiziell den IS, greift aber den Angaben zufolge immer wieder auch moderate Rebellengruppen an, die Seite an Seite mit Dschihadisten kämpfen.

Iran

Teheran ist der treueste Unterstützer des Assad-Regimes. Nach Angaben Teherans sind Mitglieder der iranischen Revolutionsgarden als militärische Berater der syrischen Armee im Einsatz.

Saudi-Arabien und die Türkei

Riad und Ankara sind wichtige Unterstützer von Rebellen. Sie fordern den Sturz Assads. Saudi-Arabien geht es darum, den iranischen Einfluss zurückzudrängen. Der Iran ist der saudische Erzrivale im Nahen Osten. Die Türkei will eine größere Selbstbestimmung der Kurden in Nordsyrien verhindern.

In der Nacht hatten die USA die direkten Gespräche mit Russland über eine Waffenruhe in Syrien vorübergehend auf Eis gelegt. Russland sei seinen Verpflichtungen nicht nachgekommen, begründete das Außenministerium in Washington am Montag den Schritt. Die USA hätten sich diese Entscheidung nicht leicht gemacht. Die Verhandlungen standen bereits auf der Kippe. Erst am Donnerstag hatten die USA Russland mit dem Abbruch der diplomatischen Zusammenarbeit in Syrien gedroht.

Vor rund zwei Wochen war eine Waffenruhe in Syrien gescheitert. Die Kämpfe flammten wieder auf, nachdem die US-geführte Koalition versehentlich Stellungen der syrischen Armee aus der Luft angegriffen hatte und einige Tage später ein Hilfskonvoi bombardiert worden war. Die USA werfen Russland und der syrischen Führung vor, den Angriff auf die unbewaffneten Helfer angeordnet zu haben. Russland weist die Vorwürfe zurück. Nach der Feuerpause leiteten die syrischen Einheiten eine Großoffensive auf Aleppo ein, die von Russland unterstützt wird.

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