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12.10.2017

11:40 Uhr

Russland und USA

Der Kampf um die Arktis

VonMoritz Koch, Torsten Riecke

Manche sprechen vom neuen Kalten Krieg, nur mit anderem Schauplatz: der Arktis. Der Wettlauf um die Erschließung des hohen Nordens hat längst begonnen und heizt die Rivalität zwischen den USA und Russland weiter an.

Bei der Militarisierung der Arktis ist Putin den Amerikanern allerdings um einiges voraus. dpa

Der hohe Norden

Bei der Militarisierung der Arktis ist Putin den Amerikanern allerdings um einiges voraus.

BerlinDer Festredner sah eine „neue Ära der Kooperation“ heranziehen. Er sei sich sicher, sagte er, dass Unternehmen, die in die Förderung von Öl und Gas in Russland investierten, „für viele Jahrzehnte erhebliches Wachstum“ bevorstünden. Der Festredner war der russische Präsident Wladimir Putin, der Ehrengast saß zu seiner Linken: Exxon-Chef Rex Tillerson. Putin verlieh dem texanischen Ölmanager 2013 die Freundschaftsmedaille, die höchste Auszeichnung, die Russland Ausländern gewährt.

Tillerson ist inzwischen zum Außenminister der USA, und im Weißen Haus regiert mit Donald Trump ein Mann, den der Kreml im Wahlkampf nach Kräften unterstützt hat. Und doch ist vom Geist der Kooperation nichts mehr zu spüren. Er ist einem Klima der Konfrontation gewichen. Die Rede ist von einem neuen Kalten Krieg.

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Deutsche und Russen können seit tausend Jahren nicht voneinander lassen. Beide beschritten Sonderwege, begegneten sich oft als Feinde. Auch jetzt steckt die Beziehung in der Krise. Höchste Zeit für eine neue Ostpolitik.

Ein früherer deutscher Spitzendiplomat ergreift nun die Initiative, um die Sprachlosigkeit zwischen West und Ost zu überwinden. Ausgerechnet die Arktis dient ihm als Eisbrecher. „In Zeiten eines tiefen Zerwürfnisses zwischen Ost und West ist die Arktis neben der Raumfahrt eines der wenigen Themengebiete, in dem Ost und West gemeinsame Interessen haben und miteinander zusammenarbeiten können“, sagt Wolfgang Ischinger, Vorsitzender der Münchener Sicherheitskonferenz (MSC) und langjähriger Botschafter in den USA und Großbritannien. Dass es anders zu kommen droht, weiß er natürlich. Der Wettlauf um die Erschließung der Arktis hat längst begonnen, der hohe Norden könnte zur neuen Arena konkurrierender Großmächte werden.

Seit es Entdeckern vor etwa 100 Jahren gelang, bis zum Nordpol vorzudringen, verdammen extreme Wetterbedingungen in der Arktis die Staaten zu einer länderübergreifenden Zusammenarbeit. Der Klimawandel verändert auch das. Das dicke Eis im nördlichen Polarkreis schmilzt, die Arktis wird Schauplatz eines Wettbewerbs um Handelsrouten, Rohstoffe und militärische Macht. „Durch das Schmelzen des Polareises ergeben sich neue militärischen Möglichkeiten – vor allem für Russland“, warnt Ischinger in einem Gespräch mit dem Handelsblatt.

Die Arktis habe für Moskau wegen ihrer großen Öl- und Gasvorkommen fast schon existenzielle Bedeutung. Außerdem wolle der russische Präsident Wladimir Putin den nördlichen Polarkreis dazu nutzen, um seine Raketenabwehr gegenüber dem Westen zu verstärken. „Das macht die Arktis zu einem militärischen Aufmarschgebiet“, warnt der Diplomat.

Die MSC hat an diesem Donnerstag in Reykjavik führende Wissenschaftler, Militärkommandeure und Politiker eingeladen, um über die Sicherheit in der Nordpolarregion zu diskutieren. Angesagt hat sich nicht nur der amerikanische Marine-Chef Richard Spencer, sondern auch Schottlands Erste Ministerin Nicola Sturgeon. Sogar China, Südkorea und Singapur haben Beobachter geschickt, weil die Nordwest-Passage durch die Arktis die globalen Handelsrouten nach Norden verschieben könnte. Das zeigt, wie der Klimawandel auch die globale Machtbalance beeinflusst.

Kommentare (4)

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Herr Toni Ebert

12.10.2017, 12:29 Uhr

Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte achten Sie auf unsere Netiquette: „Kommentare sind keine Werbeflächen“ http://www.handelsblatt.com/netiquette

Frau Annette Bollmohr

12.10.2017, 13:59 Uhr

"Der Wettlauf um die Erschließung des hohen Nordens hat längst begonnen und heizt die Rivalität zwischen den USA und Russland weiter an."

Nicht nur die. Und den Schaden daraus haben letztlich alle gleichermaßen. Wir leben nämlich alle in der Atmosphäre desselben Planeten. Und wenn der in einigen Regionen unbewohnbar wird, bleibt den dort lebenden Menschen gar nichts anderes übrig, als in andere umzusiedeln.

Wäre also gut, wenn man folgende Anregung aufgreifen würde:

"„In Zeiten eines tiefen Zerwürfnisses zwischen Ost und West ist die Arktis neben der Raumfahrt eines der wenigen Themengebiete, in dem Ost und West gemeinsame Interessen haben und miteinander zusammenarbeiten können“, sagt Wolfgang Ischinger, Vorsitzender der Münchener Sicherheitskonferenz (MSC) (...). Dass es anders zu kommen droht, weiß er natürlich."


@Herr Toni Ebert, 12.10.2017, 12:29 Uhr

"Betrifft es uns??
Können wir (das Volk) etwas daran ändern?"

Zweimal klares Ja.

Herr Holger Narrog

12.10.2017, 14:01 Uhr

Der Artikel ist Geopolitik mit einem Schuss Ökoreligion gemischt. Schön wären im Artikel Details über die Rohstoffprojekte, oder der Stand der aktuellen Diskussion der Arktisstaaten gewesen.

Der Satz: "Bleibt es dabei, könnte Grönland komplett eisfrei werden und den Meeresspiegel kräftig steigen lassen. Eine Bedrohung für Küstenregionen in Russland und den USA. "

Sachlich gesehen ist die Eisschicht Grönlands bis zu 2000m dick. Wenn sich das Klima aus irgendwelchen Gründen erwärmen würde, würde es viele Jahrhunderte dauern bis das Eis Grönlands abgeschmolzen ist.

Der Klimawandelnobelpreisträger Al Gore hatte 2009 vorhergesagt, dass die Arktis 2013 komplett eisfrei sei... Sachlich gesehen hat sich die "Globaltemperatur" seit der Kleinen Eiszeit (bis 1850) um 0,5 - 0,8 +-0,5°C erwärmt. Dadurch hat sich das arktische Eis etwas zurückgezogen. Eine eisfreie Arktis bedürfte einer wesentlich stärkeren Erwärmung.

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