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28.02.2012

11:36 Uhr

Russland-Wahl

Putins Gegner und Freunde formieren sich

Künstler und Kulturschaffende in Russland sind vor der Präsidentenwahl gespalten: Stars wie Opernsängerin Netrebko oder Dirigent Gergijew werben für Putin. Aber längst nicht alle geben für ihn ihre Popularität her.

Putin-Gegner: Die russische Kulturelite ist stark gespalten. Reuters

Putin-Gegner: Die russische Kulturelite ist stark gespalten.

MoskauNoch nie haben Russlands Künstler und Kulturschaffende so sehr im politischen Rampenlicht gestanden wie vor dieser Präsidentenwahl am 4. März. Wladimir Putin gerät als Kremlkandidat unter Druck eines Teils der Intelligenz, die auch die jüngsten Proteste gegen ihn mit organisiert. Dagegen mobilisiert das Machtlager um Putin nicht ohne Erfolg kulturelle Schwergewichte als Unterstützer. Opernstar Anna Netrebko, der Dirigent Waleri Gergijew und Oscar-Preisträger Nikita Michalkow („Die Sonne, die uns täuscht“) werben als Vertrauenspersonen für Putin, der seit zwölf Jahren an der Macht ist und nach Meinung einiger abtreten sollte.

Erst Regierungschef, dann zwei Amtszeiten als Präsident, nun wieder Premier und demnächst erneut Kremlherr - dies sei doch genug, befand etwa Friedensnobelpreisträger Michail Gorbatschow nicht nur einmal in diesem Wahlkampf. Putin habe alle demokratischen Institute in Russland zerstört und noch schlimmere Machtstrukturen geschaffen als die Kommunisten in der Sowjetunion. Doch bei großen Teilen der russischen Elite prallen diese mahnenden Worte Gorbatschows ab. Hunderte haben sich auf einer Putin-Liste zu dem 59-Jährigen bekannt, darunter Netrebko bei Nummer 318, wie die Wahlleitung mitteilt.

„Das Wichtigste ist Putins Sieg, weil jede andere Variante eine Katastrophe für das Land bedeutet“, sagt etwa Regisseur Michalkow. Er nennt wie die meisten Befürworter keine greifbaren Gründe, warum der Ex-Geheimdienstchef trotz der jüngsten Massenproteste sowie scharfer Dauerkritik von Menschenrechtlern das Land weiter führen sollte. Der Filmemacher mahnt nur, dass sich die Emotionen in der Gesellschaft legen müssten, damit der Dialog beginnen könne.

Dabei beklagen einige dieser Prominenten inzwischen, sie würden wegen ihrer Wahlkampfhilfe für Putin nun selbst angefeindet, beschimpft und boykottiert von ihren Anhängern. Freundschaften und bisweilen sogar Familienbande zerbrechen wegen des politischen Bekenntnisdrucks, wie Medien berichten. Einige Künstler deuten Druck an, dass ihnen nichts anderes übrig bleibe, als mit der Staatsmacht zusammenzuarbeiten, wenn sie nicht bei ihrer Arbeit oder ihren Projekten behindert werden wollten.

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