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18.11.2016

18:45 Uhr

Russland

Wie Putin seine Armee stärken will

VonAndré Ballin

Ein neues Gesetz könnte Russlands Beteiligung am Syrien-Krieg verstärken. Bald könnten russische Wehrpflichtige und Reservisten zu Auslandseinsätzen geschickt werden – als Bodentruppe.

Mehr Soldaten: Die Duma hat in erster Lesung einstimmig ein Gesetz verabschiedet, dass eine noch deutlich stärkere Beteiligung Russlands am Syrien-Krieg nach sich ziehen könnte.

Russlands Armee

Mehr Soldaten: Die Duma hat in erster Lesung einstimmig ein Gesetz verabschiedet, dass eine noch deutlich stärkere Beteiligung Russlands am Syrien-Krieg nach sich ziehen könnte.

MoskauSeit Tagen läuft eine neue Luftoffensive der russischen Streitkräfte in Syrien. Das russische Verteidigungsministerium berichtet über die Vernichtung Dutzender An-Nusra-Terroristen in der Provinz Idlib.

Zugleich gibt es Bewegung an der Heimatfront: Dort hat die Duma in erster Lesung einstimmig ein Gesetz verabschiedet, dass eine noch deutlich stärkere Beteiligung Russlands am Syrienkrieg nach sich ziehen könnte. Die vom Verteidigungsministerium forcierte Gesetzesinitiative sieht die Vergabe von Kurzzeitverträgen an Wehrpflichtige und Reservisten für Auslandseinsätze vor.

Die Verträge sollen an den Zeitraum des Einsatzes gebunden sein, allerdings nicht länger als ein Jahr dauern. Begründet wird die Initiative offiziell mit der Sorge um Marinesoldaten, deren Seereisen oft über die Länge des Wehrdienstes hinausgehen und die so die Möglichkeit haben sollen, die Fahrten vernünftig abzuschließen.

Wer kämpft gegen wen in Syrien?

Regime

Anhänger von Präsident Baschar al-Assad kontrollieren weiter die meisten großen Städte wie Damaskus, Homs, Teile Aleppos sowie den Küstenstreifen am Mittelmeer. Syriens Armee hat allerdings viele Soldaten verloren und wird vor allem durch russische Kampfjets, iranische Kämpfer und die Schiitenmiliz Hisbollah unterstützt. Auch Verbände aus Afghanistan und dem Irak sollen aufseiten des Regimes kämpfen.

Islamischer Staat (IS)

Die Terrormiliz hat in den vergangenen Monaten große Teile ihres Gebietes verloren, herrscht aber immer noch in vielen Städten entlang des Euphrats und in Zentralsyrien.

Rebellen

Unzählige Rebellengruppen kämpfen in Syrien - von moderaten Gruppen, die vom Westen unterstützt werden, bis zu radikalen Islamisten, wie der früheren Nusra-Front. Immer wieder gehen die verschiedenen Truppen zeitweise Zweckbündnisse ein.

Kurden

Kurdische Streitkräfte beherrschen mittlerweile den größten Teil der Grenze zur Türkei. Sie sind ein wichtiger Partner des Westens im Kampf gegen den IS. Sie kämpfen teilweise mit Rebellen zusammen, kooperieren aber auch mit dem Regime in Damaskus.

Die USA und der Westen

Washington führt den Kampf gegen den IS an der Spitze einer internationalen Koalition. Kampfjets fliegen täglich Angriffe. Beteiligt sind unter anderem Frankreich und Großbritannien. Deutschland stellt unter anderem sechs Tornados für Aufklärungsflüge.

Russland

Seit einem Jahr fliegt Russlands Luftwaffe Angriffe in Syrien und steht an der Seite von Machthaber Assad. Russland bekämpft offiziell den IS, greift aber den Angaben zufolge immer wieder auch moderate Rebellengruppen an, die Seite an Seite mit Dschihadisten kämpfen.

Iran

Teheran ist der treueste Unterstützer des Assad-Regimes. Nach Angaben Teherans sind Mitglieder der iranischen Revolutionsgarden als militärische Berater der syrischen Armee im Einsatz.

Saudi-Arabien und die Türkei

Riad und Ankara sind wichtige Unterstützer von Rebellen. Sie fordern den Sturz Assads. Saudi-Arabien geht es darum, den iranischen Einfluss zurückzudrängen. Der Iran ist der saudische Erzrivale im Nahen Osten. Die Türkei will eine größere Selbstbestimmung der Kurden in Nordsyrien verhindern.

Doch das Gesetz ist keineswegs auf die Flotte beschränkt. Mehr noch: Ausdrücklich wird das Gesetz auch mit der „Aktivierung internationaler terroristischer und extremistischer Organisationen“ in Verbindung gebracht.

Russlands Führung hat das Eingreifen in Syrien zur Unterstützung von Staatschef Baschar al-Assad als Antiterroreinsatz deklariert, dementsprechend würde das neue Gesetz es ermöglichen, auch Wehrpflichtige in die Region zu entsenden, wenn sie einen entsprechenden Vertrag unterzeichnen.

Die Leiterin des Komitees der Soldatenmütter Valentina Melnikowa äußerte in der Vergangenheit Bedenken, dass mit dem Gesetz die Nötigung zu solchen Vertragsschlüssen zunehmen werde.

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