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11.10.2016

08:21 Uhr

Russlands Einsatz in Syrien

Hollande droht Putin mit Kriegsverbrechen-Klage

VonThomas Hanke

Eben noch blockierte Russland Frankreichs Resolution für einen Waffenstillstand in Aleppo, schon plant Putin einen repräsentativen Termin in Paris. Am Montag kam es noch dicker – und Hollande sagte das böse Wort mit K.

Früher Händeschütteln, heute Eiszeit: Der russische Präsident Wladimir Putin (r.) hat es sich mit dem französischen Präsidenten Francois Hollande verscherzt. dpa

Hollande und Putin

Früher Händeschütteln, heute Eiszeit: Der russische Präsident Wladimir Putin (r.) hat es sich mit dem französischen Präsidenten Francois Hollande verscherzt.

ParisVor einem Jahr stand Frankreich noch kurz davor, Russland zwei hochmoderne Kriegsschiffe zu liefern. Doch heute geht nichts mehr in den Beziehungen zwischen den beiden Ländern, zumindest nicht zwischen den Staatschefs François Hollande und Wladimir Putin.

Hollande und sein Außenminister Jean-Marc Ayrault sind nicht länger bereit, dem brutalen Bombardement der russischen Luftwaffe in Aleppo tatenlos zuzusehen, wo Putins Piloten die Vernichtungsstrategie des verbündeten Diktators Baschar al-Assad unterstützen. Nachdem Russland am Wochenende mit seinem Veto im Uno-Sicherheitsrat eine französische Resolution für einen Waffenstillstand zu Fall gebracht hat, ist Hollande der Geduldsfaden gerissen.

Wer kämpft gegen wen in Syrien?

Regime

Anhänger von Präsident Baschar al-Assad kontrollieren weiter die meisten großen Städte wie Damaskus, Homs, Teile Aleppos sowie den Küstenstreifen am Mittelmeer. Syriens Armee hat allerdings viele Soldaten verloren und wird vor allem durch russische Kampfjets, iranische Kämpfer und die Schiitenmiliz Hisbollah unterstützt. Auch Verbände aus Afghanistan und dem Irak sollen aufseiten des Regimes kämpfen.

Islamischer Staat (IS)

Die Terrormiliz hat in den vergangenen Monaten große Teile ihres Gebietes verloren, herrscht aber immer noch in vielen Städten entlang des Euphrats und in Zentralsyrien.

Rebellen

Unzählige Rebellengruppen kämpfen in Syrien - von moderaten Gruppen, die vom Westen unterstützt werden, bis zu radikalen Islamisten, wie der früheren Nusra-Front. Immer wieder gehen die verschiedenen Truppen zeitweise Zweckbündnisse ein.

Kurden

Kurdische Streitkräfte beherrschen mittlerweile den größten Teil der Grenze zur Türkei. Sie sind ein wichtiger Partner des Westens im Kampf gegen den IS. Sie kämpfen teilweise mit Rebellen zusammen, kooperieren aber auch mit dem Regime in Damaskus.

Die USA und der Westen

Washington führt den Kampf gegen den IS an der Spitze einer internationalen Koalition. Kampfjets fliegen täglich Angriffe. Beteiligt sind unter anderem Frankreich und Großbritannien. Deutschland stellt unter anderem sechs Tornados für Aufklärungsflüge.

Russland

Seit einem Jahr fliegt Russlands Luftwaffe Angriffe in Syrien und steht an der Seite von Machthaber Assad. Russland bekämpft offiziell den IS, greift aber den Angaben zufolge immer wieder auch moderate Rebellengruppen an, die Seite an Seite mit Dschihadisten kämpfen.

Iran

Teheran ist der treueste Unterstützer des Assad-Regimes. Nach Angaben Teherans sind Mitglieder der iranischen Revolutionsgarden als militärische Berater der syrischen Armee im Einsatz.

Saudi-Arabien und die Türkei

Riad und Ankara sind wichtige Unterstützer von Rebellen. Sie fordern den Sturz Assads. Saudi-Arabien geht es darum, den iranischen Einfluss zurückzudrängen. Der Iran ist der saudische Erzrivale im Nahen Osten. Die Türkei will eine größere Selbstbestimmung der Kurden in Nordsyrien verhindern.

In einem TV-Interview formulierte Hollande Anfang der Woche eine Drohung, die im Verhältnis zwischen West und Ost noch niemand erwähnt hat: Putin und Assad könnten vor den Internationalen Strafgerichtshof zitiert werden, um sich dort wegen Kriegsverbrechen zu verantworten.

Der russische Staatschef auf einer Anklagebank, die bislang für afrikanische Diktatoren wie Laurent Gbagbo aus der Elfenbeinküste oder den Timbuktu-Vandalen Ahmad al-Faqi al-Mahdi reserviert war? Auch wenn die Drohung nicht wahrzumachen ist, schon weil Russland den Gerichtshof nicht anerkannt hat: Die bloße Erwähnung ist eine ungeheure Demütigung für Putin.

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Dabei hatte jener auf einen glamourösen Auftritt in Paris gehofft. Putin wollte – will vielleicht immer noch – zu einer quasi-privaten Visite in die französische Hauptstadt kommen, um dort eine russisch-orthodoxe Kathedrale und ein Kulturzentrum einzuweihen.

Hollandes Vorgänger Nicolas Sarkozy hatte 2007 dem Oberhaupt der russisch-orthodoxen Kirche Alexis II. zugesagt, dessen großen Wunsch nach dem Neubau einer Kathedrale in Paris zu unterstützen. Drei Jahre später kauften die Russen ein Grundstück von 6400 Quadratmetern, in unmittelbarer Nähe zur Seine und nur wenige hundert Meter vom Eiffelturm entfernt – prestigeträchtiger geht es kaum in Paris. Alexis Nachfolger Kirill, Putins enger Verbündeter, setzte den Bauplan um. Seit ein paar Monaten strahlen die vergoldeten Zwiebeltürme bereits in der Sonne.

Kommentare (14)

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Herr Vinci Queri

11.10.2016, 08:46 Uhr

>> Hollande und sein Außenminister Jean-Marc Ayrault sind nicht länger bereit, dem brutalen Bombardement der russischen Luftwaffe in Aleppo tatenlos zuzusehen >>

Sie waren aber bereit, Lybien zusammenzubomben und fliegen auch weiterhin Bombardements im Irak zusammen mit ihrer Koalition der Willigen ( Kriegstreiber ).

Das ganze Geschrei und Gejaule um die Bombardements ist eine Heuchelei ohne gleichen : diesen Französischen Yankee-Vasallen interessiert doch das Leben der Zivilisten in Syrien keine Bohne :

ihnen geht's alleine und ausschliesslich um die ca. 5.000 westlichen, vorneweg amerikanischen Berater, die in Ostaleppo eingeschlossen sind und denen eine Vernichtung droht !


Herr Vinci Queri

11.10.2016, 08:57 Uhr

>> Er habe noch nicht entschieden, ob er Putin empfange, sagte er im TV-Interview am Montag. >>

Was für ein heuchlerischer Wichtigtuer : er empfängt Putin nicht..............?

Das wäre das Ende der Französischen Diplomatie in Russland und auch das Ende der Wirtschaftsbeziehungen zwischen diesen Ländern.

Le Pen läßt grüßen, verehrter Herr Lou de Clown !

Herr Vinci Queri

11.10.2016, 09:14 Uhr

Seit Kriegsanfang in Syrien sind ca. 300.000 Menschen umgekommen.....davon ca. 85.000 Zivilisten !

Die Verluste der Syrischen Armee betragen ca. 50.000 Soldaten.

Rest sind Verluste der Al Nusra ( Al Quaida ), des IS, ( auch jeweils an die 50.000 gefallener ), sonstigen Gruppierungen.

Angaben der Israelis !

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