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28.05.2016

16:59 Uhr

Russlands Militär

Putins Waffenspiele in Syrien

Seit acht Monaten ist Russland im Syrien-Krieg voll dabei. Mit Jagdbombern am Himmel und Artillerie am Boden. Auf der Seite von Präsident Assad. Putin demonstriert Macht – und Waffen. Doch mit welchem Ziel?

Russlands Strategie hat sich offenbar verändert: Putin setzt weniger Kampfflugzeuge, dafür mehr Hubschrauber ein. dpa

Helikopter über Latakia

Russlands Strategie hat sich offenbar verändert: Putin setzt weniger Kampfflugzeuge, dafür mehr Hubschrauber ein.

LatakiaWenn russische Kampfjets vom Stützpunkt Hamaimim in Syrien abheben, dröhnt die Erde. Das Mittelmeer ist in Sichtweite, Kampfhubschrauber sichern das Umfeld der Luftwaffenbasis. Eine Gruppe Journalisten, die Anfang Mai von den Russen zum Truppenbesuch eingeladen ist, steht dicht neben der Betonpiste. Ohrstöpsel? Halten die Gastgeber für unnötig. Hauptsache die Besucher filmen, was die Militärs vorführen wollen. Donnert ein grauer Bomber Suchoi Su-24 zum Start, halten sich viele Reporter die Ohren zu. 140 Dezibel, das ist Lärm über der Schmerzgrenze, ein Angriff auf den ganzen Körper. Die Offiziere in den fleischfarbenen russischen Wüstenuniformen lachen.

Und wo über Syrien werfen die Jets ihre Bomben ab? Das erfahren die beim Militär „eingebetteten“ Journalisten nicht genau. Greifen die Flieger Stellungen der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) in dem vom Bürgerkrieg zerstörten Land an? Oder ganz andere Gegner des syrischen Machthabers Baschar al-Assad? Machen ihre Bomben womöglich auch Krankenhäuser oder weitere zivile Ziele zu unbrauchbaren Ruinen?

Bei heiklen Fragen hat Generalmajor Igor Konaschenkow vom Verteidigungsministerium in Moskau seinen Einsatz: Der Sprecher nennt als Ziel die IS-Hochburgen Al-Rakka und Dair as-Saur im Osten. Das kann an diesem Maitag stimmen. Muss es aber nicht. Militärisch ist die Lage um die Großstadt Aleppo im Nordwesten brenzliger. Auch dort sind Luftangriffe beobachtet worden.

Wer in Syrien und im Irak gegen den IS kämpft

Das Anti-IS-Bündnis

Im September 2014 gab US-Präsident Barack Obama die Gründung eines Bündnisses bekannt mit dem Ziel, den IS „endgültig zu zerstören“. Mehr als 60 Staaten und internationale Organisationen beteiligen sich am Kampf gegen die Terrormiliz sowohl in Syrien als auch im benachbarten Irak. Neben Ländern der Europäischen Union (EU) wie Deutschland, Italien, Frankreich, Großbritannien und den Niederlanden gehören der Koalition auch Australien sowie mehrere arabische Länder an.

Luftangriffe

Nur wenige Staaten fliegen neben den USA Luftangriffe gegen die Terrormiliz. Im Irak sind daran zum Beispiel Frankreich, Australien und Großbritannien beteiligt. In Syrien sind es neben Frankreich auch arabische Staaten wie Saudi-Arabien, Bahrain, Katar und Jordanien. Die Türkei, Syriens Nachbar im Norden, hatte 2015 nach langem Zögern die Nutzung seiner Luftwaffenbasis Incirlik für Luftschläge – auch der USA – gegen den IS erlaubt.

Bundeswehr

Die Bundeswehr unterstützt den Kampf gegen den IS unter anderem mit „Tornado“-Aufklärungsjets. Die Maschinen bombardieren die IS-Stellungen aber nicht selbst. Teil des deutschen Beitrags sind auch ein Tankflugzeug und zeitweise eine Fregatte. Diese sicherte zusammen mit Kriegsschiffen aus Frankreich, Belgien und Großbritannien den französischen Flugzeugträger „Charles de Gaulle“ im Persischen Golf. Die „Augsburg“ war seit Dezember 2015 dafür rund vier Monate unterwegs. Vom einzigen Flugzeugträger der französischen Marine starteten Jagdbomber zu ihren Einsätzen.

Training und Waffen

Im Norden Syriens unterstützen US-Spezialkräfte zudem kurdische Kämpfer. Das US-Militär und seine Verbündeten bilden im Irak außerdem das irakische Militär sowie kurdische Peschmerga-Kämpfer aus. Auch rund 130 Bundeswehrsoldaten schulen im Nordirak Peschmerga-Einheiten. Darüberhinaus beliefert Deutschland die irakischen Kurden mit Waffen.

Russland

Moskau ist nicht Teil des von den USA gegründeten Bündnisses. Russische Truppen greifen seit September 2015 unabhängig davon Ziele in Syrien an. Allerdings nicht nur Stellungen des IS. Russische Attacken richten sich auch gegen Rebellen, die mit der Terrormiliz verfeindet sind. So starten die Jets vom russischen Luftwaffenstützpunkt Hamaimim nahe Latakia im Nordwesten Syriens. Zudem wurden Marschflugkörper von Kriegsschiffen im Mittelmeer abgefeuert.

Syrien – das deutet fünf Jahre Krieg. Bis zu 400.000 Tote. Und Millionen Menschen, die vertrieben wurden. Männer, Frauen und Kinder, die zerbombte Städte und Dörfer verlassen haben. Ein Teil der Flüchtlinge hat es bis nach Europa, bis zu uns, geschafft. Syrien, das bedeutet auch Nachbarmächte mit eigenen Interessen: Türkei, Iran, Saudi-Arabien. Und Baschar al-Assad (50) – ein Diktator, der nicht gehen will. Vor acht Monaten, im September 2015, hat Russland überraschend in das Morden eingegriffen.

Präsident Wladimir Putin schickte Luft- und Bodentruppen. Nicht gegen Assad, dessen Regime wenig Skrupel zeigt, Giftgas und für Menschen besonders verheerende Fassbomben einzusetzen. Sondern für den weithin geächteten, fast schon geschlagenen Machthaber. „Durch Russlands Eingreifen wurde Assads Niederlage abgewendet“, sagt Hans-Joachim Schmidt, Sicherheitsexperte von der Hessischen Stiftung Friedens- und Konfliktforschung (HSFK) in Frankfurt.

Andere Mächte, auch die USA, haben in Syrien gezögert. Präsident Barack Obama wollte nicht in den Sumpf und die schwer kalkulierbare Interessenlage hineingezogen werden. Russland jedoch kommt, so wirkt es, mit einem Plan. Den setzt sein Militär unerbittlich um, auch wenn der Rest der Welt die Hilfe für Assad verurteilt. Russland führt diesen Krieg, wie es regiert wird: grob und oft zynisch.

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