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11.06.2016

17:35 Uhr

Russlands Rüstung

Erfolgsmodell Krieg

VonAndré Ballin

Krise hin, Sanktionen her: Der russischen Rüstungsindustrie geht es blendend – der Sektor steuert sogar neue Rekorde an. Das liegt auch an den Krisen in der arabischen Welt. Nun setzt Wladimir Putin auf Libyen.

Im Syrien-Konflikt konnte Russland seine Waffen zur Schau stellen – mit Erfolg. Reuters

Su-25-Jets

Im Syrien-Konflikt konnte Russland seine Waffen zur Schau stellen – mit Erfolg.

MoskauLuftangriffe als Werbekampagne: Als Wladimir Putin im vergangenen Herbst den Beginn der Luftschläge in Syrien anordnete, zielte der Kreml weniger auf die offiziell ins Visier genommenen Terroristen des Islamischen Staats (IS) als vielmehr auf Rückkehr in die Arena der Weltpolitik – mit Hilfe der Machtdemonstration.

Ein riskanter, aber im Rückblick erfolgreicher Schachzug. Denn Russland gelang es, seinen eigenen Verbündeten Baschar al-Assad in Syrien zu stützen, sich selbst aus der vom Westen erklärten Isolation zu lösen – und nebenbei auch noch Reklame für die eigene Rüstungsindustrie zu betreiben. Ein erfolgreicher Clou.

Die Akteure im Syrien-Konflikt

Das Regime

Seit fast fünf Jahren tobt in Syrien ein auch von außen befeuerter Bürgerkrieg. Die Krise ist auch deshalb schwer zu lösen, weil es zahlreiche Akteure mit eigenen Interessen gibt. Zum Beispiel das Regime. Anhänger von Präsident Baschar al-Assad kontrollieren weiter die meisten großen Städte wie Damaskus, Homs, Teile Aleppos sowie den Küstenstreifen. Syriens Armee hat im langen Krieg sehr gelitten, konnte aber zuletzt dank massiver russischer und iranischer Hilfe Geländegewinne erzielen. Machthaber Assad lehnt einen Rücktritt ab.

Islamischer Staat

Die Terrormiliz IS ist die stärkste Kraft in Syrien neben der Regierung. Sie beherrscht im Norden und Osten riesige Gebiete. Allerdings mussten die Extremisten in den vergangenen Monaten mehrere Niederlagen einstecken.

Rebellen

Sie sind vor allem im Nordwesten und Süden Syriens stark. Ihr Spektrum reicht von moderaten Gruppen, die vom Westen unterstützt werden, bis zu radikalen Islamisten. Zu diesen gehören die Gruppen Ahrar al-Scham und Dschaisch al-Islam. Teilweise kooperieren sie mit der Al-Nusra-Front, Ableger des Terrornetzwerks Al-Kaida.

Die Opposition

Sie ist zersplittert. Das wichtigste Oppositionsbündnis ist die Syrische Nationale Koalition in Istanbul. In Damaskus sitzen zudem Oppositionsparteien, die vom Regime geduldet werden. Bei einer Konferenz in Riad einigten sich verschiedenen Gruppen auf die Bildung eines Hohen Komitees für Verhandlungen, dem aber einige prominente Vertreter der Opposition nicht angehören.

Die Kurden

Kurdische Streitkräfte kontrollieren mittlerweile den größten Teil der Grenze zur Türkei. Sie sind ein wichtiger Partner des Westens im Kampf gegen den IS. Sie kämpfen teilweise mit Rebellen zusammen, kooperieren aber auch mit dem Regime. Führende Kraft ist die Kurden-Partei PYD, Ableger der verbotenen Arbeiterpartei PKK.

Die USA und der Westen

Washington führt den Kampf gegen den IS an der Spitze einer internationalen Koalition. Kampfjets fliegen täglich Angriffe. Beteiligt sind unter anderem Frankreich und Großbritannien. Deutschland stellt sechs Tornados für Aufklärungsflüge über Syrien, ein Flugzeug zur Luftbetankung sowie die Fregatte „Augsburg“, die im Persischen Golf einen Flugzeugträger schützt. Washington unterstützt moderate Regimegegner.

Russland

Seit September fliegt auch Russlands Luftwaffe Angriffe in Syrien. Sie richten sich gegen den IS ebenso wie gegen Rebellen, die mit der Terrormiliz verfeindet sind. Moskau ist einer der wichtigsten Unterstützer des syrischen Regimes.

Iran

Teheran ist der treueste Unterstützer des Assad-Regimes. Iraner kämpfen an der Seite der syrischen Soldaten. Auch die von Teheran finanzierte Schiitenmiliz Hisbollah ist in Syrien im Einsatz.

Saudi-Arabien und die Türkei

Riad und Ankara sind wichtige Unterstützer von Rebellen. Sie fordern, dass Assad abtritt. Saudi-Arabien geht es darum, den iranischen Einfluss zurückzudrängen. Der Iran ist der saudische Erzrivale im Nahen Osten. Zuletzt eskalierte der Konflikt zwischen den beiden Regionalmächten. (Quelle: dpa)

Umgerechnet eine halbe Milliarde Euro soll der Einsatz gekostet haben. Allein der im Dezember mit Algerien geschlossene Kaufvertrag über zwölf Su-32-Bomber bringt diese Summe vollends wieder herein. Die Verhandlungen waren zuvor acht Jahre lang eher träge betrieben worden, ehe sie durch den syrischen „Anschauungsunterricht“ an Fahrt gewannen. Algier ist nicht der einzige Interessent. Experten rechnen mit Folgeaufträgen von bis zu sechs Milliarden Euro für die russische Waffenindustrie.

Und so steuert der russische Rüstungssektor neue Rekorde an: Auf 48 Milliarden Dollar sei das Auftragsvolumen des Exportmonopolisten „Rosoboronexport“ angewachsen, verkündete der Chef der staatlichen Industrie- und Rüstungsholding „RosTech“ Sergej Tschemesow, ein enger Vertrauter Putins noch aus gemeinsamen DDR-Agententagen. „Es gab noch kein Jahr, in dem die Umsätze gefallen sind, im Gegenteil: Sie sind immer gewachsen“, sagte er und zeigte er sich zufrieden mit der Entwicklung.

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