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21.10.2015

17:58 Uhr

Russlands Syrien-Einsatz

Ohne Widerrede

Widerstand gegen den Militäreinsatz in Syrien ist in Russland kaum zu spüren. Die kremltreuen Medien stützen Putins Darstellung vom Präventivschlag gegen gefährliche Terroristen, die auch ins eigene Land gelangen könnten.

Kämpfe in Syrien

Amateuraufnahmen zeigen Bombardierungen in Tabliseh

Kämpfe in Syrien: Amateuraufnahmen zeigen Bombardierungen in Tabliseh

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KubinkaDas kleine Kubinka 60 Kilometer außerhalb von Moskau lebt vom Krieg, von der Stärke des russischen Militärs. Viele der Einwohner des Städtchens mit seinem Luftwaffenstützpunkt 60 Kilometer außerhalb von Moskau arbeiten in einer Fabrik, in der jene russische Kampfjets aufgerüstet werden, die auch in Syrien zum Einsatz kommen. Den Kurs von Präsident Wladimir Putin im Bürgerkriegsland zweifelt in Kubinka kaum einer an.

„Wir haben eine helfende Hand gereicht und so soll es sein“, sagt die 70-jährige Tamara Wlassenko. „Diejenigen, die diesen Konflikt starteten, werden den Preis dafür zahlen, so wie es sein soll.“

Wlassenko meint damit nicht den syrischen Präsidenten Baschar al-Assad, den Russland in Syrien unterstützt, sondern die Rebellen, gegen die sich die russischen Luftangriffe richten. Erklärtes Ziel Moskaus sind die Terrormiliz Islamischer Staat und andere extremistische Gruppen, der Westen kritisiert aber, dass auch gemäßigte Assad-Gegner angegriffen würden.

Wer kämpft gegen wen in Syrien?

Bürgerkrieg in Syrien

Seit mehr als vier Jahren tobt in Syrien ein Bürgerkrieg. Dem Regime in Damaskus steht eine Vielzahl von Gegnern gegenüber, die Lage ist unübersichtlich. Längst werden die Rebellen von islamistischen und radikalen Gruppen dominiert.

Regime

Die Armee kontrolliert noch immer die meisten großen Städte wie Damaskus, Homs, Teile Aleppos sowie den Küstenstreifen. Unterstützt werden Assads Anhänger von der libanesischen Schiiten-Miliz Hisbollah sowie von iranischen Kämpfern.

Islamischer Staat (IS)

Die Terrormiliz ist die stärkste Kraft in Syrien. Sie kontrolliert im Norden und Osten riesige Gebiete. Allerdings mussten die Extremisten in diesem Jahr mehrere Niederlagen gegen die syrischen Kurden einstecken.

Dschaisch al-Fatah

Dabei handelt es sich um ein Bündnis verschiedener moderater und radikaler Gruppen, darunter die radikale Al-Nusra-Front, die islamistische Miliz Ahrar al-Scham und Brigaden, die sich als Teil der moderaten Freien Syrien Armee (FSA) sehen. Das Bündnis beherrscht im Nordwesten Syriens die Provinz Idlib.

Al-Nusra-Front

Der Ableger des Terrornetzwerkes Al-Kaida vertritt eine ähnliche Ideologie wie IS, beide Gruppen sind aber miteinander verfeindet. Die Nusra-Front ist vor allem im Nordwesten des Landes stark, kämpft aber auch im Süden.

Ahrar al-Scham

Die islamistische Miliz ist neben der Nusra-Front die wichtigste Kraft des Rebellenbündnisses Dschaisch al-Fatah. Sie gibt sich pragmatischer und weniger radikal als der Al-Kaida-Ableger.

Freie Syrische Armee

Die FSA ist keine Armee im eigentlichen Sinne, es gibt auch keine einheitliche Führung. Mehrere moderate Gruppen rechnen sich ihr jedoch zu. Stark sind diese im Nordwesten, wo sie auch zu dem Rebellenbündnis gehören, sowie im Süden.

Kurdische Volksschutzeinheiten

Mit Hilfe der US-Luftwaffe konnte die YPG den IS aus großen Gebieten im Norden Syriens zurückschlagen. Dort haben die Kurden eine Selbstverwaltung aufgebaut. Sie kooperieren mit dem Regime, aber auch mit dessen Gegnern. Zuletzt kam es jedoch zu Zusammenstößen mit Rebellengruppen in Aleppo.

70 Prozent der Russen stärken Putin laut einer Umfrage des unabhängigen Lewada-Zentrums den Rücken. Mit der fehlgeschlagenen Intervention der Sowjetunion in Afghanistan in den 1980ern will zumindest in Kubinka kaum einer den Syrien-Einsatz vergleichen.

„Ich glaube nicht, dass Syrien für Russland zum neuen Afghanistan wird“, sagt die 43-jährige Tatjana Ochapina, während ihre sieben Monate alte Enkelin auf ihrem Schoß auf und ab hüpft. „Ich habe keine große Angst, dass das meine Enkel oder auch meine Kinder betreffen wird. Ich glaube wirklich an unseren Präsidenten. Er weiß, was er tut.“

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