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02.01.2007

12:15 Uhr

Saddam-Hinrichtung

Bis zuletzt beschimpft und verhöhnt

Das sorgsam komponierte Bild einer vermeintlich „sauberen“ und rechtsstaatlichen Hinrichtung des irakischen Ex-Diktators Saddam Hussein bekommt durch ein inoffiziell gedrehtes Handy-Video hässliche Risse. Die Aufnahmen zeigen, wie sich Saddams Henker und Bewacher in den letzten Minuten seines Lebens aufspielen.

Saddam Hussein wenige Augenblicke vor seiner Hinrichtung. Dieses Bild verbreitete das irakische Fernsehen. Foto: dpa

Saddam Hussein wenige Augenblicke vor seiner Hinrichtung. Dieses Bild verbreitete das irakische Fernsehen. Foto: dpa

HB BAGDAD. Auf dem Video, das nach dem Tod Saddams am Galgen am Sonnabend an die Öffentlichkeit gelangte, ist zu hören, wie der ehemalige Diktator bis zum letzten Moment beschimpft und verhöhnt wird. Die Männer skandierten den Namen von Moktada al-Sadr, eines der radikalsten Milizanführers unter den Schiiten, und riefen dem Sunniten Saddam zu: „Fahr zur Hölle!“

Sami al-Askari, ein enger Berater des irakischen Ministerpräsidenteb Nuri al-Maliki, versuchte die Bedeutung der Aufnahmen herunterzuspielen. „Ein paar Wächter haben Slogans gerufen, die nicht angemessen waren.“ Askari kritisierte vor allem, dass die Aufnahmen dem Ruf des Sadr-Lagers schade. „Das hätte nicht passieren dürfen“, sagte er. Sadr wird von den USA für einen Großteil der religiösen Gewalt zwischen Sunniten und Schiiten verantwortlich gemacht, er gilt aber als eine wichtige Stütze Malikis in der Regierung.

Die Regierung leitete Ermittlungen ein, wer das Video mit einem Mobiltelefon hergestellt hat. Die Ermittlungen richteten sich gegen Sicherheitskräfte, die bei der Hinrichtung anwesend gewesen seien, sagte Berater al-Askari. „Bevor wir den Raum betraten, gab es die Absprache, dass niemand ein Mobiltelefon dabei hat“, sagte er.

Unter den irakischen Sunniten löste das Video heftige Reaktionen aus. Augenzeugen zufolge brach in einem Gefängnis nahe der nordirakischen Stadt Mossul ein Aufstand aus, als Besucher von den Beschimpfungen Saddams während der Hinrichtung berichteten. In dem Gefängnis sitzen mehrheitlich sunnitische Gefangene ein. Angaben der Provinzregierung zufolge wurden bei dem Aufstand sieben Wächter und drei Gefangene verletzt. Ein Besucher berichtete, es sei geschossen worden und ein Insasse sei getötet worden.

Die britische Regierung kritisierte die Veröffentlichung des Videos. Der stellvertretende Premierminister John Prescott nannte es „völlig inakzeptabel“, dass die Aufnahmen verbreitet worden seien. Niemand könne dies befürworten, unabhängig davon, wie man zur Todesstrafe stehe.

Die Vollstreckung des Todesurteils am Sonnabend zum Auftakt eines der größten islamischen Feste hatte die Position von al-Maliki innerhalb des schiitischen Lagers gestärkt, unter Sunniten aber Wut und Rachegefühle ausgelöst. Maliki hatte US-Regierungsvertretern zufolge gegen deutlichen Widerstand der USA auf eine schnelle Hinrichtung des ehemaligen Machthabers gedrängt. „Die Amerikaner wollten die Hinrichtung um 15 Tage aufschieben. Aber der Ministerpräsident war sehr hartnäckig“, sagte ein Regierungsvertreter.

Der Gewalt zwischen Sunniten und Schiiten fielen im Dezember den offiziellen Statistiken zufolge 1930 Zivilisten zum Opfer. Das ist mehr als das Dreifache der Zahl der Todesopfer zu Beginn des Jahres im Januar, als sich die meiste Gewalt noch gegen die US-geführten Truppen im Land richtete. Insgesamt sind nach den am späten Montagabend veröffentlichten Zahlen des Innenministeriums im vergangenen Jahr 12 320 Zivilisten getötet worden, zudem 1 231 Polizisten und 602 irakische Soldaten.

Die Zahlen dürften untertrieben sein. Uno-Statistiken zufolge kommen derzeit täglich 120 Zivilisten um. Allein für Oktober hatten die Vereinten Nationen (Uno) auf der Basis von Daten des Gesundheitsministeriums und des Bagdader Leichenschauhauses rund 3 700 tote Zivilisten errechnet.

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