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02.01.2007

13:56 Uhr

Saddams Exekution

Ein hoher Preis für das Ende einer Diktatur

VonMarkus Ziener

Es fiel der amerikanischen Regierung sichtlich schwer, die richtigen Worte zum Hinrichtungstod Saddam Husseins zu finden. Eher nüchtern kommentierte das Weiße Haus den schnellen Tod des Ex-Diktators. Als Saddam Ende 2003 in einem Erdloch aufgespürt worden war, klang der Triumph über die Festnahme aus Washington noch ganz anders.

WASHINGTON. Jetzt schränkte die Regierung bereits in ihrer ersten Stellungnahme ein, dass der Tod Saddams nicht das Ende der Gewalt in Irak bedeuten werde. Eben diese Hoffnung hatten die USA und ihre Verbündete an die Gefangennahme des langjährigen Herrschers vor drei Jahren noch verknüpft.

Der gewachsene Realitätssinn, der seither bei der US-Regierung eingekehrt ist, wurde teuer bezahlt. Mit knapp 3000 toten US-Soldaten und vielen Milliarden Dollar. Es ist die Einsicht, dass die komplizierte ethnische Zusammensetzung der irakischen Bevölkerung die zentrale Schwierigkeit darstellt – und nicht vor allem die Tatsache, dass der Irak von einem brutalen Diktator regiert wurde. Genau darin liegt das Problem bei der Beurteilung von Saddam Hussein. Denn vor dem Hintergrund der Entwicklung im Irak seit der Invasion im März 2003 leuchtet Saddams Stern heute heller als dies je jemand vermutet hätte. Der Diktator aus Tikrit hatte mit brachialer Gewalt zusammengehalten, was seit seinem Sturz auseinander drängt. Die Verbrechen Saddams wirken vor dieser Kulisse kleiner als sie sind. Und sie geben jenen an den Stammtischen Argumente, die schon immer glaubten, dass ein multiethnisches Land nur autoritär regiert werden könne.

Saddams Hinrichtung ist deshalb auch kein „Meilenstein“, wie das Weiße Haus jetzt immerhin noch sagt. Es setzt bestenfalls einen Schlusspunkt unter eine Ära, die seit 2003 längst von anderen Entwicklungen im Irak überlagert worden ist. Mehr noch: Saddams Exekution kommt zu früh. Mehrere Gerichtsverfahren waren gegen Saddam anhängig, abgeschlossen aber war nur die erste Klage. Der Diktator wurde für die Tötung von 148 Schiiten in Dudschail schuldig gesprochen. Doch schon das zweite Verfahren, bei dem es um die Massentötung von bis zu 50 000 Kurden in der Anfal-Kampagne ging, wurde durch die Exekution ihres Hauptschuldigen beraubt.

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