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02.01.2012

11:10 Uhr

Säbelrasseln am Golf

Iran testet Marschflugkörper nahe der Straße von Hormus

Der Iran heizt den Konflikt mit den USA weiter an. Nach eigenen Angaben hat das iranische Militär einen Tarnkappen-Marschflugkörper erfolgreich getestet. Weitere Raketentests sollen folgen.

Iran testet Langstreckenrakete

Video: Iran testet Langstreckenrakete

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TeheranDer Iran hat vor dem Hintergrund steigender Spannungen mit den USA seine modernste Schiffsabwehrwaffe getestet. Der Tarnkappen-Marschflugkörper des Typs „Qader“ habe sein Ziel wie geplant erreicht, sagte der Militärsprecher Admiral Mahmud Moussavi der Nachrichtenagentur Irna am Montag.

Zum Abschluss der Seemanöver sollen noch der Marschflugkörper „Noor“ und die ballistische Rakete „Nassr“ erprobt werden. Die „Qader“ hat eine Reichweite von 200 Kilometern und kann sehr niedrig fliegen. Sie wird von Schiffen und Einrichtungen an Land abgefeuert. Moussavi sagte iranischen Medien zufolge, die Reichweite sei zu einer „Langstreckenrakete“ erweitert worden. Von Langstreckenraketen spricht man aber erst ab einer
Reichweite von 3500 Kilometern.

Teheran hatte in den vergangenen Tagen mit einer Blockade der Straße von Hormus für den Fall gedroht, dass seine Ölausfuhren durch Sanktionen blockiert würden. Die USA haben ein Gesetz beschlossen, das Sanktionen gegen die iranische Zentralbank vorsieht, über die der Ölhandel abgewickelt wird. Ziel ist es, Teheran zur Aufgabe der Urananreicherung zu bewegen. Durch die Meerenge von Hormus werden rund 40 Prozent der weltweiten Seetransporte von Rohöl abgewickelt. Die USA wollen den Seeweg mit Hilfe ihre Flotte offenhalten.

Bereits am Sonntag hatte der Iran von einem Meilenstein für sein umstrittenes Atomprogramm gesprochen: Erstmals sei es iranischen Wissenschaftlern gelungen, einen eigenen Kernbrennstab zu fertigen. Der jetzt im Iran gefertigte Brennstab sei in einem Forschungsreaktor in Teheran eingesetzt worden, erklärte die iranische Atomenergiebehörde nach einem Bericht der Nachrichtenagentur Irna. Der kleine Leichtwasserreaktor war noch zu Zeiten des 1979 gestürzten Schahs mit US-Hilfe gebaut worden. Er soll Material für medizinische Zwecke etwa zur Krebsbehandlung produzieren und benötige angereichertes Uran.

Erneut signalisierte der Iran Gesprächsbereitschaft über sein umstrittenes Atomprogramm, von dem einige befürchten, dass unter dem Deckmantel der zivilen Nutzung eine Atombombe entwickelt wird. Die USA verschärften ihre Sanktionen gegen den Staat in Vorderasien und rüsteten ihre Verbündeten am Golf weiter auf.

Die Europäische Union kündigte ihre Entscheidung über eine Ausweitung der Sanktionen für spätestens den 30. Januar an. Spätestens beim Treffen der EU-Außenminister werde ein Beschluss fallen, teilte der EU-Sprecher Michael Mann mit. Grundlage für die möglichen Sanktionen sind vermehrte Hinweise darauf, dass der Iran nach Atomwaffen strebt. Die Islamische Republik weist dies zurück.

Der iranische Präsident Mahmud Ahmadinedschad hat auf die möglichen Sanktionen der USA eine entschlossene Reaktion seines Landes angekündigt. Der Iran werde „dem Druck seiner Feinde“ entgegentreten, hieß es. „Wir müssen das Volk und die Nation gegen Verschwörungen der Feinde verteidigen“, erklärte Ahmadinedschad in einer Mitteilung an die Notenbank, die auf der Internetseite der Präsidentschaft veröffentlicht wurde. Derzeit habe die iranische Wirtschaft im Übrigen „keine Probleme“.

Die anvisierten neuen US-Sanktionen richten sich gegen alle ausländischen Unternehmen und Banken, die mit der iranischen Zentralbank Geschäfte machen. Ziel ist es, Teheran mit Druck zur Aufgabe der Urananreicherung zu bewegen. Obama ist selbst gegen die Maßnahmen, weil er eine starke Verteuerung des Erdöls und negative Folgen für die US-Wirtschaft befürchtet. Er kann von den Sanktionen absehen, wenn sie aus seiner Sicht US-Sicherheitsinteressen zuwiderlaufen.

Von

dpa

Kommentare (3)

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Fat_Bob_ger

02.01.2012, 13:34 Uhr

Besonders ärgerlich ist, dass der Viehtreiber A. den Konflikt wegen der atomaren Aufrüstung instrumentalisiert, um selbst an der Macht zu bleiben. Noch ein Test und noch ein Test. Die Amis sollten mal testen, ob sie eine Testrakete abschießen können. Das wäre dann auch ein sehr schöner Versuch und Demonstation der eigenen Technik.

Am besten wäre es gewesen, wenn der Viehtreiber von den Iranern aus dem Amt geworfen worden wäre. Jetzt, mit Fortschreiten der Anreicherung, läuft die Zeit für die USA und die arab. Nachbarn ab und sie können womöglich das Probem nicht aussitzen.

Der Viehtreiber wiederum, weiß das und versucht ein hohes Provokationslevel zu halten, was ihm innenpolitisch zugute kommt. Auch Obama (=Zauderer) und Israel könnten in eine innenpolitische Falle tappen und in einen Konflikt vom pol. Gegner hineingetrieben werden. Nur wenn der Republikaner Romney gewählt wird, kann man mit einer pol. Lähmung der USA bis Mitte 2013 rechnen. Wenn der Machtapparat des Iranes dann aber immer noch auf seine atomare Aufrüstung besteht, dann wird es wirklich explosiv. Die Daumenschrauben werden dann angezogen und ein Ausweg wird immer schwieriger (=unmöglich).

Account gelöscht!

02.01.2012, 13:37 Uhr

Ich würde zukünftig gern auch in dieser Tiefe und ungeachtet der Häufigkeit über israelische und US-amerikanische Waffentests informiert werden.
Vielen Dank!

kleinerMann

02.01.2012, 19:31 Uhr

Ich habe einen sehr guten Artikel im Internet gefunden:

http://denkbonus.wordpress.com/2012/01/02/knallt-es-oder-knallt-es-nicht/

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