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03.12.2016

15:52 Uhr

Säbelrasseln in Asien beginnt

Trump provoziert China mit Taiwan-Telefonat

Das hat lange kein US-Präsident mehr gemacht: Donald Trump telefoniert mit Taiwans Staatschefin und und stellt so die Diplomatie auf den Kopf. Pekings Reaktion lässt nicht lange auf sich warten.

US Regierung

Trump will „Mad Dog“ Mattis als Verteidigungsminister

US Regierung: Trump will „Mad Dog“ Mattis als Verteidigungsminister

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WashingtonDonald Trump hat mit einer jahrzehntelangen diplomatischen Tradition gebrochen und damit den Unmut Chinas auf sich gezogen. Der Republikaner telefonierte am Freitag mit Taiwans Präsidentin Tsai Ing-wen - als erster neugewählter US-Präsident seit 1979. China betrachtet Taiwan als abtrünnige Provinz und nicht als souveränen Staat.

Die Reaktion aus Peking kam prompt. Man habe die Berichte zur Kenntnis genommen und seine Position bei den US-Behörden ernsthaft deutlich gemacht, erklärte das chinesische Außenministerium am Samstag. Es müsse unterstrichen werden, dass es nur ein China gebe und Taiwan ein untrennbarer Teil des chinesischen Territoriums sei.

Was Trump sich leisten konnte, ohne zu stürzen

Sexistische Aussagen

Trump fällt seit Jahren mit frauenverachtenden Sprüchen auf wie „dicke Schweine“ oder „Schlampen“. Eine Miss Universe verunglimpfte er als „Miss Piggy“, die ordentlich Gewicht zugelegt habe. Nach kritischen Fragen der Fox-News-Moderatorin Megyn Kelly deutete Trump an, sie habe Menstruationsprobleme gehabt.

Der Video-Skandal

In einem Video aus dem Jahr 2005 ist zu hören, wie Trump vulgär über Frauen herzieht. Nur wenige Monate nach seiner Hochzeit mit Ehefrau Melania brüstet er sich mit sexuellen Übergriffen.

Verbal-Angriff auf Familie eines toten Soldaten

Trumps Hetze gegen andere Ethnien scheint kaum Grenzen zu kennen. Ende Juli legte er sich mit den pakistanstämmigen Eltern eines gefallenen muslimischen US-Soldaten an.

Unklarheiten um Steuererklärung

Seit Monaten weigert sich Trump, seine Steuererklärung zu veröffentlichen, obwohl das bei Präsidentschaftskandidaten überparteilicher Usus ist. Auch Hillary Clinton legte ihre Daten offen. Die „New York Times“ berichtete, dass der Geschäftsmann Trump 1995 einen Verlust von 916 Millionen US-Dollar (824 Mio. Euro) ausgewiesen habe. Steuerexperten kamen daraufhin zu dem Schluss, dass Trump auf diese Weise über zwei Jahrzehnte keine Steuern abführen musste.

Drohungen mit Waffengewalt

Mit einer zweideutigen Aussage, die sich als Aufruf zur Gewalt gegen seine Rivalin Hillary Clinton verstehen lässt, löste Trump einen Sturm der Entrüstung aus. Bei einem Wahlkampfauftritt deutete er an, dass nur Waffenfreunde Clinton aufhalten könnten.

Was Trump sich noch leistete

Trump verwechselt 9/11 mit 7/11 - Trump macht Anspielung auf die Größe seines Penis - Trump behauptet seit längerem, US-Präsident Barack Obama sei nicht in den USA zur Welt gekommen, sondern in Kenia.

Der Nationale Sicherheitsrat der US-Regierung pflichtete umgehend bei, dass sich an der Linie des Weißen Hauses nichts geändert habe. Man bleibe der „Ein-China“-Politik verpflichtet, erklärte der Sprecher Ned Price.

Washington hatte Ende der 70er Jahre die diplomatischen Beziehungen zu Taiwan abgebrochen und Beziehungen zur Volksrepublik China aufgenommen. Damals verpflichteten sich die USA aber, die Verteidigungsfähigkeit Taiwans zu sichern und zu verhindern, dass seine Zukunft anders als mit friedlichen Mitteln bestimmt wird. Heute pflegen beide Seiten stabile, aber inoffizielle Beziehungen - vor allem auf wirtschaftlicher und militärischer Ebene.

Der höchst ungewöhnliche Kontakt machte schon am Freitagabend sofort Schlagzeilen. Trumps Team erklärte zunächst, Taiwans Präsidentin Tsai Ing-wen habe dem Republikaner zum Wahlsieg gratuliert und mit ihm „über die engen wirtschaftlichen, politischen und sicherheitspolitischen Bindungen zwischen Taiwan und den USA gesprochen“.

Wie so oft nutzte Trump den Kurznachrichtendienst Twitter, um seine Sicht der Dinge zu erläutern. „Die Präsidentin Taiwans hat heute MICH ANGERUFEN, um mir zur gewonnenen Präsidentschaft zu gratulieren. Dankeschön!“, schrieb er. Und kurz darauf: „Interessant, wie die USA Taiwan Militärausrüstung im Milliardenwert verkaufen, ich aber keinen Glückwunschanruf annehmen soll.“

In den Tagen nach seinem überraschenden Wahlsieg am 8. November hatte der 70-Jährige mit zahlreichen Staats- und Regierungschefs aus aller Welt telefoniert - und dabei schon mehrmals für Aufsehen gesorgt.

Einem taiwanesischen Medienbericht zufolge erkannte sein Team die Brisanz vorab durchaus. Trump habe dem von seinem „Taiwan-freundlichen Wahlkampfteam“ arrangierten Gespräch dennoch zugestimmt, schrieb die Zeitung „Taipei Times“. Seine Berater hätten ihn zuvor über Taiwan und Probleme in der Region informiert. Auch Trumps Beraterin Kellyanne Conway sagte dem Sender CNN, er sei sich der Implikationen des Gesprächs vollauf bewusst gewesen.

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