Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

08.01.2013

13:14 Uhr

Samaras in Berlin

"Wir wollen Glaubwürdigkeit zurückerlangen"

Griechenlands Ministerpräsident Antonis Samaras sieht sein Land auf einem guten Kurs, will aber am strikten Sparprogramm festhalten. Angela Merkel wird es gerne hören. Trotz der Mühen droht Europa die soziale Spaltung.

Angela Merkel begrüßte Antonis Samaras am Dienstag in Berlin. Reuters

Angela Merkel begrüßte Antonis Samaras am Dienstag in Berlin.

Berlin/BrüsselGriechenlands Ministerpräsident Antonis Samaras weiß, was sich gehört: Auf seiner Deutschlandreise versicherte er, dass seine Regierung zur Umsetzung des Sparkurses weiter große Anstrengungen unternimmt. Vor seinem Gespräch mit Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) in Berlin sagte Samaras, um die Dinge wieder auf den richtigen Weg zu bringen, würden systematische Maßnahmen ergriffen und entsprechende Gesetzentwürfe eingebracht. Dies gehe mit großen Opfern einher. „Wir versuchen, Glaubwürdigkeit zurückzuerlangen“, sagte der konservative Politiker.

Grundsätzlich sieht Samaras Griechenland auf gutem Weg. Es gebe Fortschritte bei der Sanierung der Staatsfinanzen gemacht. „Ich sehe das Glas halbvoll“, sagte Samaras

Schicksalsjahr für Athen: Das verzagte Land

Schicksalsjahr für Athen

Das verzagte Land

"Deutsche bitte aussteigen." Diese Aufforderung kann uns in einem Athener Taxi treffen.

Anschließend wurde der Ministerpräsident von Merkel zu einem Gespräch im Kanzleramt empfangen. Die Kanzlerin sagte, sie wolle sich über die Umsetzung des Reformprogramms unterrichten lassen. Griechenland stehe mit seinen Anstrengungen nicht allein. „Auch wir müssen alles daran setzen, Wirtschaftswachstum und Sicherheit der Arbeitsplätze zu garantieren.“ Samaras sagte, sein Land leide sehr unter der „Geißel der Arbeitslosigkeit, vor allem der Jugendarbeitslosigkeit“.

Das Sparpaket der griechischen Regierung sieht neben Massenentlassungen und Steuererhöhungen vor allem neue Kürzungen bei Renten und Gehältern sowie im Gesundheits- und Sozialwesen vor, außerdem Streichungen bei Kinder- und Weihnachtsgeld. Die Gläubigertroika aus Europäischer Union, Europäischer Zentralbank und Internationalem Währungsfonds macht vom Sparkurs ihre Hilfen für das hochverschuldete Land abhängig. Andernfalls droht Griechenland die Pleite.

Studie: Arbeitslosigkeit in Eurozone steigt 2013 weiter

Studie

Mehr Arbeitslose in der Eurozone in 2013

Auch Deutschland soll von steigenden Arbeitslosenzahlen nicht verschont bleiben.

Wie groß die Unterschiede innerhalb der Europäischen Union derzeit sind, zeigt der Sozialbericht, den die EU-Kommission am Dienstag vorgestellt hat. Danach versinkt der Süden versinkt in Armut und Arbeitslosigkeit, der Norden und besonders Deutschland steigen auf. Der Bericht belegt eine alarmierende Spaltung Europas, die sich in den vergangenen fünf Jahren dramatisch verschärft hat. Von einer „neuen Kluft“ sprach Sozialkommissar Lázsló Andor in Brüssel. Und er sieht düster in die Zukunft: Die Randstaaten „scheinen in der Abwärtsspirale von Leistungsabfall, schnell steigender Arbeitslosigkeit und erodierenden Einkommen gefangen“.

Die Arbeitslosenquote ist auf 11,8 Prozent (November 2012) gestiegen, den höchsten Stand seit fast zwanzig Jahren. Lag die Quote in Nord und Süd vor fünf Jahren noch nahezu gleichauf, klafft sie heute 7,5 Prozentpunkte auseinander. Bei den Langzeitarbeitslosen ging die Quote für alle EU-Länder von 2009 bis 2012 von drei auf 4,6 Prozent hoch. Besonders hart betroffen sind die Slowakei, Spanien, Griechenland, Irland und die drei Baltenstaaten Estland, Litauen und Lettland: Dort ist mehr als jeder siebte der aktiven Bevölkerung dauerhaft ohne Arbeit.

Parallel dazu sind die realen Einkommen der Haushalte in zwei Dritteln der Mitgliedsstaaten gesunken. In Griechenland haben Familien gegenüber 2009 fast ein Fünftel weniger Geld (17 Prozent), in Spanien acht und auf Zypern sieben Prozent weniger. In den Nordländern, in Deutschland, Frankreich und Polen haben die Menschen dagegen trotz Krise mehr in der Tasche. „2012 war für Europa ein weiteres sehr schlechtes Jahr, was die Verschlechterung der sozialen Lage betrifft“, sagte Andor.


Kommentare (21)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

RumpelstilzchenA

08.01.2013, 14:02 Uhr

Samaras beteuert den Sparwillen Griechenlands….. Posse des Tages!

…und sich dicke Taschen!

mereko

08.01.2013, 14:28 Uhr

"Die Kanzlerin sagte, sie wolle sich über die Umsetzung des Reformprogramms unterrichten lassen." Auja, da hat Frau Merkel der griechischen Presse mal wieder was zum Feiern mitgegeben. Die Königin Europas lässt sich vom hellenischen Lakeien also Bericht über seine Bemühungen erstatten. So schafft man unter der griechischen Bevölkerung Sympathie für Deutschland. Feingefühl wie ein 3,5 Tonner. Sie lernt es einfach nicht!

Flughafengeneralunternehmer

08.01.2013, 14:33 Uhr

Der Hochmut der hiesigen Kommentatoren ist nicht angebracht, zumal man in Deutschland noch nicht mal in der Lage ist, den Hauptstadtflughafen fristgerecht (bzw. überhaupt jemals) fertigzustellen. Praktikanten aus der Deutschen Politik, die lernen wollen, wie man ein derartiges Großprojekt erfolgreich ausschreibt, fertigstellt und betreibt sind in der griechischen Hauptstadt herzlich willkommen.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf "Zum Home-Bildschirm"

Auf tippen, dann "Zum Startbildschirm hinzu".

×