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11.01.2010

08:53 Uhr

Sanaa

Westerwelle zu Blitzbesuch im Jemen

VonAndreas Rinke

Zum Abschluss seiner Reise durch die Golf-Staaten ist Außenminister Guido Westerwelle am Montag zu einem Blitzbesuch im Jemen eingetroffen. In der Hauptstadt Sanaa stand auch ein Gespräch mit Staatspräsident Ali Abdullah Salih auf dem Programm. Dabei sollte es insbesondere um die internationalen Bemühungen zur Stabilisierung des ärmsten Landes auf der arabischen Halbinsel gehen.

Unterwegs am Golf: Guido Westerwelle. dpa

Unterwegs am Golf: Guido Westerwelle.

SANAA. Westerwelle hatte auf seiner Reise zuvor schon gewarnt, dass der Jemen "Rückzugsgebiet für Terroristen" der El-Kaida-Gruppen wird. Auch der verhinderte Anschlag auf ein US-Passagierflugzeug bei Detroit an Weihnachten 2009 soll dort vorbereitet worden sein. Der FDP-Vorsitzende ist der erste westliche Außenminister, der seither wieder in den Jemen reiste. Die wichtigsten Verbündeten wurden nach Angaben aus dem Auswärtigen Amt vorab informiert. Westerwelle will noch am Montag nach Berlin zurückkehren.

Präsident Salih steht auch wegen der anhaltenden Gefechte mit schiitischen Rebellen im Grenzgebiet zu Saudi-Arabien unter Druck. Eine weitere Destabilisierung könnte negative Auswirkungen auf die gesamte Region und darüber hinaus haben, hieß es vonseiten des Auswärtigen Amts.

Westerwelle hatte sich auf seiner Golfreise kurzfristig entschieden, zum Abschluss seines Besuches in der Region auch in den Jemen zu reisen. Ziel der Reise sei es, sich vor Ort ein Bild der Lage zu machen, hieß es in Delegationskreisen. Während des Aufenthalts ist auch ein Treffen mit Präsident Saleh geplant. Wichtige Partner und Verbündete seien vorab über die Reise unterrichtet worden."

Hintergrund der Spannungen im Jemen ist ein kompliziertes Gemisch verschiedener Konflikte in einem der ärmsten Länder der Welt. Zum einen kämpft die Regierung in Sanaa gegen sogenannte schiitische Houthi-Stammesrebellen im Nordwesten des Landes in einem teils politisch, teils religiös motivierten Konflikt. Zum anderen gibt es auch 20 Jahre nach der Vereinigung beider Landesteile immer noch erhebliche Spannungen zwischen dem Nord und dem Süden des Staates. Vor allem aber sickern über Somalia immer mehr islamistische Kämpfer ein, die zum El-Kaida-Terrornetzwerk gehören. Nach Ansicht westlicher Geheimdienste gibt es im Jemen mittlerweile einige hundert solcher Kämpfer, die in den vergangenen Jahren ihren Einfluss dank der mangelnden Durchschlagkraft der Zentralregierung ausbauen konnten. Im Dezember konnte auf einem Transatlantikflug in letzter Minute verhindert werden, dass sich ein in Jemen ausgebildeter Terrorist an Bord in die Luft sprengte.

Amerikaner und Europäer sind nicht nur zunehmend alarmiert, weil sich Jemen langsam zu einem neuen Ausbildungszentrum für Terroristen entwickelt. So berichtete der amerikanische Sender CBS News, nach Angaben westlicher Geheimdienste seien dort 20 weitere Islamisten für Flugzeugattentate ausgebildet worden. Die Regierungen fürchten aber auch, dass ein eskalierender Konflikt die wirtschaftliche Entwicklung in der gesamten öl- und gasreichen Nahost-Region empfindlich stören könnte. So hatte sich Westerwelle bereits bei seinem Besuch in Saudi-Arabien am Freitag sehr besorgt über die Entwicklung geäußert. US-Außenministerin Hillary Clinton hatte vor wenigen Tagen in einer Rede gewarnt, die Lage im Jemen sei zwar nur schwer zu verbessern - "die Kosten des Nichtstuns aber größer".

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