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17.12.2014

20:23 Uhr

Sanktionen des Westens

Warum wir die Russland-Krise fürchten müssen

Mit seinen Wirtschaftssanktionen wollte der Westen Russland hart treffen. Nun steht das Land vor dem wirtschaftlichen Kollaps. Die Bürger sind geschockt. Doch auch Deutschland hat viel zu verlieren.

Rubelverfall

Kaufpanik in Russland: Menschen fürchten um Erspartes

Rubelverfall: Kaufpanik in Russland: Menschen fürchten um Erspartes

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Berlin/DüsseldorfDie Bilanz des schwarzen Dienstags für Russland ist verheerend. Um zeitweise 20 Prozent brach die russische Währung ein. Die Bürger reagierten schockiert auf den Absturz: „Die Lage im Land ist völlig instabil, das macht große Angst“, sagte eine Bankkundin, die in Moskau vor ihrem Kreditinstitut Schlange stehen musste. Innerhalb weniger Stunden haben Regierung und Zentralbank so viel Vertrauen verspielt, dass manche einen wirtschaftlichen Kollaps Russlands nur noch für eine Frage der Zeit halten.

Auf den ersten Blick scheint ein solcher wirtschaftlicher Kollaps dem Westen durchaus in die Hände zu spielen. Am selben Tag, als der Rubel eingebrochen ist, verkündete das Weiße Haus, US-Präsident Obama wolle neue Sanktionen gegen Russland verhängen und die Ukraine militärisch unterstützen will. Obama werde trotz Bedenken einen bereits vom Kongress gebilligten Gesetzesentwurf unterschreiben, kündigte das Weiße Haus an.

Fragen und Antworten zu Sanktionen gegen Russland

Auf welche Sanktionen müssen sich Unternehmen einstellen?

Die EU diskutiert bislang über eine mögliche Einschränkung für Rüstungsausfuhren sowie für Exporte von Hochtechnologie für den Energiebereich. Offen ist, was damit genau gemeint ist. Außerdem sollen Möglichkeiten geprüft werden, den Zugang Russlands zu den EU-Finanzmärkten zu erschweren.

Was wären die Folgen?

Eingriffe in die Finanzierung würden die russische Wirtschaft querbeet treffen. „Die Abhängigkeit Russlands von externen ausländischen Finanzierungen hat in den letzten Jahres stark zugenommen“, schreiben die Volkswirte der Hypovereinsbank (HVB). Sollte die EU dem Beispiel der USA mit einem Verbot für die Finanzierung erster russischer Unternehmen folgen, werde dies zwangsläufig sehr schnell wirken - denn bislang hätten russische Firmen Finanzierungen in Dollar zumindest teilweise durch Finanzierungen in Euro ersetzen können.

Und wie sieht es mit Handelsbeschränkungen aus?

Von Handelsverboten beispielsweise bei Rüstung und Maschinen wären natürlich die Hersteller selbst betroffen. Schon jetzt berichten Maschinenbauer über Einbrüche, obwohl es noch gar keine konkreten Schritte gibt. „Die Russen würden uns die Maschinen ja gern abnehmen, aber es ist nicht sicher, ob sie zum Zeitpunkt der Fertigstellung überhaupt noch nach Russland ausgeführt werden können“, sagt der Präsident Branchenverbandes VDMA, Reinhold Festge. Einzelne Firmen berichten, russische Kunden sähen sich schon jetzt nach Alternativen zum Beispiel in Asien um. Die mittelständische Wirtschaft fürchtet, dass ein Embargo bei uns vor allem auf Klein- und Mittelbetriebe in den Branchen Maschinen- und Fahrzeugbau, Elektronische Erzeugnisse, Pharma und Nahrungsmittel zurückschlagen würde.

Wie wichtig ist denn Russland insgesamt als Kunde?

Russland hat zuletzt (2013) Waren für rund 36 Milliarden Euro in Deutschland gekauft. Das entspricht rund 3 Prozent aller Exporte. Damit steht das Land aber nur auf Platz 11 der wichtigsten Kunden, hinter Handelspartnern wie zum Beispiel Belgien, Polen, der Schweiz oder Österreich. Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes führen aber lediglich 10 Prozent aller Exporteure Waren nach Russland aus. „Für etwa 73 Prozent dieser Unternehmen machen die Exporte nach Russland maximal ein Viertel ihrer gesamten Exporte aus.“ Einzelne Firmen oder Branchen könnten also deutlich heftiger getroffen werden als die Gesamtwirtschaft.

Dann droht also kein handfester Konjunktureinbruch?

Eher nicht. Sollte die ohnehin aktuell schwächelnde russische Wirtschaft weiter einbrechen, hätte das zwar auch negative Konsequenzen für Deutschland. Wegen des begrenzten Anteils der Exporte nach Russland wäre das für die deutsche Wirtschaft aber „wohl verschmerzbar“, meinen die HVB-Ökonomen.

Wie könnte Russland auf ein Embargo reagieren?

Auch das ist völlig unklar. Allerdings hätte Moskau genügend Mittel für einen Gegenschlag: Binnen eines Jahrzehnts hat es das Riesenreich von Platz 16 auf Platz 8 der weltweit größten Volkswirtschaften geschafft. Ein Großteil der Wirtschaftsmacht des „Rohstoffgiganten Russland“ beruht auf Erdöl, Erdgas, Kohle sowie Metallen wie Nickel, Aluminium. Und genau hier könnte das Drohpotenzial liegen - theoretisch zumindest: „Nach rationalen Erwägungen würden sich die Russen stärker selbst schaden, wenn sie uns den Gashahn beginnen abzudrehen, weil sie ... von den Einnahmen daraus abhängig sind“, sagte der stellvertretende Hauptgeschäftsführer des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK), Volker Treier, am Donnerstag im Südwestrundfunk.

Das Gesetz sieht Sanktionen gegen den staatlichen Rüstungskonzern Rosoboronexport und andere russische Verteidigungsunternehmen vor, die mit Unruhen in der Ukraine, Moldau, Georgien und Syrien in Verbindung gebracht werden. Außerdem würde Obama auch die Befugnis geben, die Ukraine militärisch zu unterstützen, unter anderem mit Panzerabwehrgeschossen, Radar und Drohnen.

Das zeigt, wie gefährlich der Konflikt mit Russland ist. Eine massive Wirtschaftskrise in Russland könnte die Gefahren allerdings noch verschärfen. Gerade Deutschland hätte dabei viel zu verlieren. Dafür gibt es sechs Gründe.

Kommentare (61)

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Herr Woifi Fischer

17.12.2014, 14:42 Uhr

Sanktionen des Westens Warum wir die Russland-Krise fürchten müssen?

Mit seinen Wirtschaftssanktionen wollte der Westen Russland hart treffen. Nun steht das Land vor dem wirtschaftlichen Kollaps. Die Bürger sind geschockt. Doch auch Deutschland hat viel zu verlieren.
So also sieht die EU Politik und die Politik von Erika für unser Land aus.

Sie haben mit ihrer Sanktion Politik, nur einen großen Scherbenhaufen angerichtet.

Ich hoffe nur, der FDJ-Kanzlerin fällt dieser von ihr mit angerichtetem Scherbenhaufen auf die Füße.
Dies zeigt wider einmal von weitsichtiger Außen und Wirtschaftspolitik haben diese Marionetten keine Ahnung.

Seit Merkel versucht zu regieren, hat sie nur verbrannte Erde hinterlassen.

Herr Hasso aus der Bronx

17.12.2014, 14:44 Uhr

Das ist nicht nur ein Spiel mit dem Feuer; das wird in einer Katastrophe enden wenn es nicht unverzüglich zu einer Verhandlungslösung kommt.
Wem wird denn das in die Enge treiben Russlands schaden: doch zu allererst uns in Deutschland und der EU.Die USA sin doch gewöhnt daran Krisen anzuzetteln und anschliessend verbrannte Erde zu hinterlassen; Beispiele gibt es zuhauf.
Aber wir hier, mit unseren ans aussitzen gewöhnte Politker; wir nehmen ja noch nicht einmal die gerade entstehende Bürgerechtsbewegung ernst: gar nicht auszudenken was daraus und in Kombination mit einer aussenpolitischen Krise hier sehr schnell enstehen kann...

Frau Helga Trauen

17.12.2014, 14:44 Uhr

Diejenigen, die sich so freuen, dass es den Russen - mit tätkräftiger deutscher Unterstützung(!) - wieder dreckig geht, die werden sich noch wundern! Die EU wird kollabieren, das Weltfinanzsystem, die Eurozone... Das wird ein revolutionärer Zustand sein. Davon sprach schon Helmut Schmidt - auch wenn er sich in diesem Zusammenhang nur nebulös äußerte. Schmidt sagte auch, dass sich Deutschland in einer "prekären" Situation befände. Klar: mit NSA, CIA und Rammstein haben die Deutschen nichts zu melden... gar nichts! Und wenn dann noch deutsche Politiker wie Erika und Larve von US-Thinktanks gehirngewaschen werden, weil sie eine Stasi-Vergangenheit verschweigen, dann zeigt es die ganze Verkommenheit des sogenannten Westens...

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