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21.10.2014

11:47 Uhr

Sanktionen gegen Kadyrow-Galopper

Rennpferd von Putin-Statthalter darf nicht starten

VonDésirée Linde

Diskriminierung eines Pferdes: Das wirft Tschetscheniens Herrscher Kadyrow Deutschland vor. Dessen in Köln trainierter Galopper darf wegen der Sanktionen gegen Russland nicht starten. Seine Preisgelder liegen auf Eis.

Bekommt keine Preisgelder mehr aus Deutschland: der tschetschenische Regionalführer Ramsan Kadyrow. ap

Bekommt keine Preisgelder mehr aus Deutschland: der tschetschenische Regionalführer Ramsan Kadyrow.

Moskau/DüsseldorfDeutschland und die Europäische Union diskriminieren ein unschuldiges Rennpferd und machen es zum Sündenbock für Putins Ukraine-Politik. „Bei allen Pferdeherden der Welt“ erfordere das eine Entschuldigung: So sieht es Tschetscheniens Oberhaupt Ramsan Kadyrow, der Statthalter des Kremlchefs in Grosny. Denn sein Galopper Zazou darf nicht mehr starten, Kadyrow die erlaufenen Prämien nicht mehr einstreichen – wegen der von der EU gegen Russland verhängten Sanktionen.

Das Pferd hat für seinen Besitzer bereits hohe Preisgelder erlaufen. Beim Dubai World Cup 2012 lief Zazou auf Platz fünf. Allein das waren 300.000 US-Dollar Prämie. Noch Ende August etwa gewann Zazou ein Rennen in Baden-Baden (5.500 Euro), Anfang Oktober sprintete er beim „Großen Preis der Landeshauptstadt Düsseldorf“ auf den dritten Platz (2.000 Euro).

Insgesamt hat das Pferd, das in Köln trainiert wird, laut Platzierungslisten bereits mehr als 1,3 Millionen Dollar erlaufen. Die EU fror Ende Juli allerdings alle Vermögenswerte Kadyrows ein – und dazu zählt auch das erfolgreiche Rennpferd. Gesperrt ist nicht nur Zazou. Auch Kadyrows Rennpferd Dashing House darf nicht mehr starten.

Die EU-Sanktionen gegen Russland

Rüstungslieferungen

Verbot künftiger Rüstungslieferungen. Betroffen sind alle Güter, die auf einer entsprechenden Liste der EU stehen.

Exportverbot

Exportverbot für bestimmte Hochtechnologiegüter an das Militär, etwa Verschlüsselungssysteme sowie für Hochleistungscomputer.

Ölförderung

Ausfuhrverbote für Spezialtechnik zur Ölförderung. Zielt auf Geräte, die für Ölbohrung und -förderung etwa in der Arktis gebraucht werden. Auch Dienstleistungen für die Förderung von Öl aus der Tiefsee oder aus der Arktis sowie für Schieferöl-Projekte in Russland dürfen nicht mehr erbracht werden.

Zugang zu Kapitalmärkten

Der Zugang russischer Unternehmen zu den EU-Kapitalmärkten wird weiter erschwert. EU-Bürger und -Firmen dürfen fünf großen staatlichen russischen Banken keine Darlehen mehr geben. Anleihen mit einer Laufzeit von mehr als 30 Tagen, die von diesen Banken begeben wurden, dürfen nicht mehr gehandelt werden.

EU-Finanzmärkte

Drei große russische Rüstungsunternehmen und drei Energieunternehmen dürfen ihre Schulden nicht mehr über die EU-Finanzmärkte finanzieren. Auch die Vermittlung solcher Finanzierungen ist EU-Unternehmen verboten.

Dual Use Goods

Güter und Technologie, die sowohl für zivile als auch militärische Zwecke genutzt werden könnten (Dual Use Goods), dürfen an neun Unternehmen nicht mehr geliefert werden.

Unternehmen auf der schwarzen Liste

Eine schwarze Liste verbietet 23 Unternehmen oder Organisationen, Geschäfte mit der EU zu machen. Ihr Vermögen in der EU wird eingefroren. Dies sind vor allem Firmen, die von der Annexion der Krim durch Russland profitierten.

Einreiseverbote

Die Liste jener Personen, die nicht mehr in die EU reisen dürfen und deren in der EU befindliches Vermögen eingefroren wird, wird um 24 Namen erweitert. Insgesamt erhöht sich die Zahl der von Kontensperren und Visaverboten betroffenen Personen damit auf 119. Bei den 24 Personen handelt es sich um solche, die zur politischen Führung im Donbass und in der Regierung der annektierten Krim gehören sowie „um russische Entscheidungsträger und Oligarchen“.

Der russische Provinzfürst hat nun reagiert: Zazou habe sein Preisgeld „mit ehrlicher Arbeit und schnellen Hufen“ verdient, sei aber zum Sündenbock gemacht worden, nur weil sein Besitzer auf der Sanktionsliste stehe, schrieb Kadyrow ironisch auf Instagram, wie das deutschsprachige Portal RIA Novosti berichtet.

„Zazou möchte nur eins: friedlich leben, Hafer fressen, rennen und Menschen Freude bereiten“, so Kadyrow weiter. Die Freiheitsbeschränkung für das sieben Jahre alte Galopprennpferd sei eine Schande für Deutschland und müsse aufgehoben werden. „Wir sind uns dessen sicher, dass sie sich bei Zazou, und allen Pferdeherden der Welt entschuldigen und den Pferden wegen immateriellem Schaden und Diskriminierung Millionenentschädigungen zahlen werden“.

Kommentare (6)

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Herr Norbert Wolter

21.10.2014, 12:03 Uhr

"Der Pferd hat für seinen Besitzer bereits hohe Preisgelder erlaufen."

Der oder das Pferd? Der oder das Pferdebesitzer? Der oder das Galopper des Jahres? Der oder das Deckhengst? Der, die oder das Duden?

Herr Josef Schmidt

21.10.2014, 12:06 Uhr

Sei nicht so streng mit den Praktikanten.

Herr Edmund Stoiber

21.10.2014, 12:13 Uhr

Warum beschwerte er sich?

In Deutschland ist bereits seit Jahrzehnten die Vernuft eingekerkert um den Preis der Zügellosigkeit für alle Schwachmaten dieser Welt!

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