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30.07.2014

17:06 Uhr

Sanktionen gegen Russland

Aufstand der Oligarchen?

VonJörg Hackhausen, Jan Mallien

Der Westen zeigt Russland die Zähne: Die harten Sanktionen zielen auf „ Kumpane und Oligarchen“ im Umfeld Putins. Ihnen drohen Milliarden-Verluste. Werden sie Putin stoppen?

Sanktionen gegen Russland

Gabriel: Frieden wichtiger als Wirtschaftspolitik

Sanktionen gegen Russland: Gabriel: Frieden wichtiger als Wirtschaftspolitik

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Beim Geld hört die Freundschaft auf – das Sprichwort gibt es so ähnlich auch in der russischen Sprache („družba družboj, a denežki vroz'“). Es umschreibt ziemlich genau die Strategie, die der Westen im Konflikt mit Russland verfolgt. Sanktionen zielen auf das Vermögen der schwerreichen russischen Oligarchen ab – in der Hoffnung, dass diese aufbegehren und dem Kreml ihre Gefolgschaft verweigern.

„Vor allem müssen wir die Oligarchen treffen”, sagte der deutsche Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel an diesem Mittwoch in einem Interview. Auf ihren Schultern stehe die russische Politik. „Wir müssen ihre Konten in den europäischen Hauptstädten einfrieren und ihre Einreiseerlaubnisse widerrufen.“ Die Strafmaßnahmen wirkten sich zwar auf die europäische Wirtschaft aus. Aber Europa dürfe nicht aus Angst vor Einbußen tatenlos Bürgerkrieg und Tod von Unschuldigen zusehen.

Russlands Oligarchen und ihre Verluste

Alexei Kusmitschow

Alexei Wiktorowitsch Kusmitschow gründete 1999 gemeinsam mit den russischen Studienfreunden German Chan und Mikhail Fridman das russische Unternehmen Alfa Group. Kuzmichov besitzt bedeutende Aktienanteile an dem russischen Unternehmen Alfa Group. Bloomberg beziffert sein Vermögen auf 8 Milliarden US-Dollar (minus 630,3 Millionen).

Quelle: Bloomberg

Michail Prochorow

Michail Dmitrijewitsch Prochorow ist Unternehmer, ehemaliger Generaldirektor der russischen Unternehmen Norilsk Nickel und OJSC Polyus Gold sowie Politiker. Bloomberg taxiert sein Vermögen auf 12,1 Milliarden Dollar (minus 709,3 Millionen).

Quelle: Bloomberg

Michail Fridman

Michail Maratowitsch Fridman ist zusammen mit Pjotr Aven der Hauptgründer der Alfa Group, eines der größten privaten Industrie- und Finanzkonzerne in Russland. Er ist Aufsichtsratsvorsitzender der Alfa Group und in leitenden Positionen verschiedener Tochterunternehmen der „Alfa Group“, zum Beispiel als Vorsitzender des Direktorenrates der „Alfa-Bank“ – und mit 36 Prozent der Anteile deren größter Aktionär -, Vorsitzender des Direktorenrates der Öltochter „TNK-BP“, Mitglied des Direktorenrates von VimpelCom und des Aufsichtsrates der X5 Retail Group N.V. Er nennt 15,1 Milliarden US-Dollar sein Eigen (minus 984,2 Millionen US-Dollar).

Quelle: Bloomberg

Wagit Alekperow

Wagit Jussufowitsch Alekperow ist aserbaidschanischer Herkunft. Er ist Gründer, größter Aktionär und Chef des Mineralölkonzerns Lukoil. Alekperow war Vize-Ölminister der UdSSR, als er sein Ölimperium im Jahr 1991 gründete. Geschätztes Vermögen: 11,4 Milliarden Dollar (minus 1 Mrd.).

Quelle: Bloomberg

Gennadi Timtschenko

Gennadi Nikolajewitsch Timtschenko mit Wohnsitz in Genf (Schweiz) ist ein russisch-finnischer Oligarch im Ölhandel und enger Freund von Präsident Wladimir Putin. Bloomberg beziffert sein Vermögen auf 9,1 Mrd. US-Dollar (minus 1,9 Milliarden).

Quelle: Bloomberg

Andrei Melnitschenko

Andrei Igorewitsch Melnitschenko ist Chef von Eurochem, einem Konzern, der in erster Linie Düngemittel produziert. Nach Angaben von Bloomberg beträgt sein persönliches Vermögen 12,7 Mrd. US-Dollar, das ist ein Minus von 1,9 Milliarden.

Quelle: Bloomberg

Leonid Michelson

Leonid Wiktorowitsch Michelson ist CEO und Vorsitzender des russischen Unternehmens Novatek. Er hält bedeutende Aktienanteile an Novatek. Er nennt 15,6 Milliarden US-Dollar sein Eigen, das ist ein Minus von 2,3 Milliarden.

Quelle: Bloomberg

Wladimir Jewtuschenkow

Wladimir Petrowitsch Jewtuschenkow ist Gründer und Mehrheitseigentümer des russischen Mischkonzerns Sistema. Sein Vermögen wird auf 7,7 Milliarden US-Dollar geschätzt – 2,4 Milliarden weniger als zuletzt.

Quelle: Bloomberg

Alischer Usmanov

Alischer Burchanowitsch Usmanov ist Generaldirektor des Gazprom-Tochterunternehmens Gazprominvestholding, Mitbesitzer der Metalloinvest und Eigentümer des russischen Verlagshauses Kommersant, in dem die einflussreiche Wirtschaftszeitung Kommersant erscheint. Usmanow belegt mit einem geschätzten Vermögen von 17,7 Milliarden Dollar auf der Rangliste der reichsten Menschen der Welt auf Platz 35. Zuletzt büßte er 2,5 Milliarden Dollar ein.

Quelle: Bloomberg

Wladimir Lissin

Wladimir Sergejewitsch Lissin ist seit 1998 Vorstandsvorsitzender des russischen Stahlproduzenten Novolipetsk Steel. Er verlor zuletzt 2,8 Milliarden Dollar, erfreut sich aber immer noch an einem Vermögen von 11,8 Milliarden Dollar.

Quelle: Bloomberg

Auch der britische Premier David Cameron erklärte, Ziel von Sanktionen sollten insbesondere „die Kumpane und Oligarchen“ im Umfeld Putins sein. Die Europäische Union fordert von Russland, im Konflikt in der Ostukraine auf prorussische Separatisten einzuwirken und sie nicht mit Waffen oder Kämpfern zu unterstützen. Die Regierung in Moskau hat wiederholt zurückgewiesen, die Rebellen direkt zu unterstützen.

Die sogenannten Oligarchen und Superreiche machen in Russland nicht mehr als zwei Prozent der Bevölkerung aus, kontrollieren aber den größten Teil der Wirtschaft. Sie sind ein wichtiger Machtfaktor für den russischen Präsidenten Wladimir Putin. Bislang halten sich die Oligarchen noch zurück mit öffentlichen Unmutsbekundungen. Doch wird es ihnen nicht gefallen, ihr Vermögen dahinschmelzen zu sehen.

Seit Beginn des Jahres haben die reichsten Männer des Landes nach Daten von Bloomberg umgerechnet mehr als 15 Milliarden Dollar verloren. Das liegt vor allem daran, dass der Wert ihrer Unternehmensbeteiligungen drastisch gesunken ist. Das zeigt: Die Sanktionen wirken; ob sie den erhofften Erfolg bringen, ist indes eine ganz andere Frage.

Allein Alischer Usmanov soll seit Jahresanfang rund 2,5 Milliarden Dollar verloren haben. Usmanov gilt mit einem Vermögen von knapp 18 Milliarden Dollar als reichster Russe. Er besitzt den größten Eisenerz-Produzenten des Landes. Nebenbei ist er am englischen Fußballclub Arsenal London beteiligt und leistet sich den größten Privatjet aller Oligarchen, einen Airbus A340.

Wladimir Lisin, Großaktionär des Stahlkonzerns Novolipetsk, hat es noch schwerer erwischt. Nach den Daten von Bloomberg ist sein Vermögen seit Jahresbeginn um 2,7 Milliarden Dollar geschrumpft. Insgesamt besitzt der Waffenliebhaber und Zigarrenkenner noch rund 12 Milliarden Dollar. Weitere Verlierer sind Wladimir Jewtuschenkow (-2,4 Milliarden Dollar), Leonid Michelson (-2,3 Milliarden Dollar), Andrei Melnitschenko und Genady Timtschenko (jeweils -1,9 Milliarden Dollar).

Kommentare (36)

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Herr Norbert Wolter

30.07.2014, 17:15 Uhr

Ich begrüße die Sanktionen! Aber wenn schon der engere Kreis Putins getroffen werden soll, dann gehört zweifelsohne ein ehemaliger deutscher Bundeskanzler dazu!
Lieber Herr Fleischhauer, bei ihrer Kolumne ist mir richtig einer abgegangen!

http://www.spiegel.de/politik/ausland/fleischhauer-ueber-sanktionen-gegen-schroeder-kolumne-a-983411.html

Herr Thomas Albers

30.07.2014, 17:26 Uhr

"Die Kategorien Putins und seiner Leute seien von Kaliber: "Sieg" oder "Niederlage" - "Verlierer" oder "Gewinner". Bei Geld hört die Freundschaft vielleicht doch nicht immer auf."

Eine unmittelbare Wirtkung der Sanktionen wird nur von wenigen westlichen Politikern ernsthaft erwartet. Ein echtes Umkehren wird erst dann geschehen, wenn die Stimmung in der Bevölkerung dreht. So etwas wird geschehen wenn die Sanktionen auch dort spürbar werden. Russland muss sich auf weitere harte Sanktionen einstellen, so lautet jedenfalls das Kalkül momentan. Kritisch wird es für die Stimmung beispielsweise, wenn Visa und Mastercard mit die Abwicklung von Zahlungen russischen Banken untersagt wird. Der Westen besitzt jedoch noch weitere sehr schmerzhafte Hebel.

Ähnliches gilt für die Oligarchen. Im Moment ist der Leidensdruck noch nicht groß genug, um sich mit dem übermächtigen Putin anzulegen. Erst dann, wenn einzelnen klar wird, dass sie süßen Jahre wohl endgültig vorbei sind, wird man so einen in der Tat mutigen Schritt unternehmen. Dann hört die Freundschaft bei Geld auch in Russland auf.

Herr peter Spirat

30.07.2014, 17:32 Uhr

Eine unmittelbare Wirtkung der Sanktionen wird nur von wenigen westlichen Politikern ernsthaft erwartet.
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Doch sie werden wirken. Unser erzfeind, die USA hat es geschafft, dass sie einen Keil zwischen uns und den Russen treiben und wir, die dt. Wirtschaft werden dadurch massiven schaden nehmen. damit hat der kranke ami es mal wieder geschafft, dass sie uns auf den Boden drücken.

Danke an alle Politiker, die geholfen haben uns diesen Schaden zuzufügen.

Der Amtseid lautet:

„Ich schwöre, dass ich meine Kraft dem Wohle des deutschen Volkes widmen, seinen Nutzen mehren, Schaden von ihm wenden, das Grundgesetz und die Gesetze des Bundes wahren und verteidigen, meine Pflichten gewissenhaft erfüllen und Gerechtigkeit gegen jedermann üben werde. So wahr mir Gott helfe.“

Aber -
Der Amtseid hat jedoch laut Aussage des ehemaligen Bundestagspräsidenten Wolfgang Thierse keinerlei rechtliche Bedeutung, gegen Verletzungen des Amtseides kann nicht juristisch vorgegangen werden.[13]

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