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15.09.2014

18:49 Uhr

Sanktionen gegen Russland

BGA-Chef fordert „Folterinstrumente“

Anton Börner, Präsident des Handelsverbandes BGA, fordert schärfere Sanktionen gegen Russland. Das Jahr 2014 habe eine Zeitenwende eingeläutet. Er fürchtet eine „jahrzehntelange Auseinandersetzung mit Russland.“

BGA-Präsident Anton Börner fordert deutlich schärfere Wirtschaftssanktionen gegen Russland. dpa

BGA-Präsident Anton Börner fordert deutlich schärfere Wirtschaftssanktionen gegen Russland.

BerlinAus der deutschen Wirtschaft kommen Forderungen nach noch einschneidenderen wirtschaftlichen Sanktionen gegen Russland. Der Präsident des Handelsverbandes BGA, Anton Börner, sagte dem Online-Dienst der „Welt“ vom Montag: „Die EU sollte ihre Wirtschaftssanktionen weiter verschärfen, und zwar deutlich.“

Im Bereich der Finanzmärkte gäbe es „einige Folterinstrumente“, die Russland noch massiver treffen könnten. Börner sieht mit dem Konflikt um die Ukraine „eine jahrzehntelange Auseinandersetzung mit Russland und weitere Krisen“ heraufziehen. „Das Jahr 2014 hat eine Zeitenwende eingeläutet“, sagte er in Anspielungen auf die Krisen in der Welt. „Wir werden alle Opfer bringen müssen.“

Wen die Russland-Sanktionen treffen

Ukraine

Das politisch wie wirtschaftlich größte Problem bei Russland-Sanktionen ist, dass auch die Ukraine unter den Folgen leiden wird. In einer Umfragen des Ostausschusses der deutschen Wirtschaft nannten im Juni 21 Prozent der befragten Unternehmen die Ukraine als das Land, das nach Russland (37 Prozent) und Deutschland (33 Prozent) am stärksten unter Sanktionen zu leiden haben wird. Der Grund ist zum einen die enge wirtschaftliche Verflechtung der ehemaligen Sowjetrepublik mit Russland, die jeden Konjunktureinbruch dort auch für das Nachbarland zum Problem macht. Zum anderen bestraft Russland den Westkurs der Ukraine wie auch den Moldawiens mit Gegensanktionen wie einem Embargo gegen Milch und Fleisch. Bei einer Eskalation könnte auch der Gashahn zugedreht werden.

Balkan

„Auch die ganze Balkan-Region wird unter einem neuen Wirtschaftskrieg leiden“, meint der Balkan-Experte Duan Reljic von der Stiftung Wissenschaft und Politik (SWP). Verantwortlich macht er hierfür die traditionell engen Beziehungen von Ländern wie Serbien mit Russland, vor allem aber das starke Interesse der ganzen Region an russischem Gas. Interessiert ist man auch am Bau der von Russland vorangetriebenen South-Stream-Pipeline durch die Region, die die EU-Kommission nun im Zuge der Abkühlung der EU-Russland-Beziehungen rechtlich überprüfen lässt. „Fast jedes Land der Region hat sich Hoffnung auf einen dreistelligen Millionenbetrag an Durchleitungsgebühren pro Jahr gemacht - die drohen nun wegzufallen“, meint Reljic. Finanzexperten weisen zudem darauf hin, dass öffentliche EU-Banken auch mit Töchtern russischer Institute in der Region keine Geschäfte mehr machen können, wenn deren Chefs auf einer Sanktionsliste der USA und der EU stehen - die ständig ausgeweitet werden.

EU-Mitglieder Bulgarien und Zypern

Innerhalb der EU gelten die Länder als anfällig, die teilweise zu 100 Prozent von russischem Gas abhängig sind und einen Lieferboykott befürchten müssen. Besonders betroffen sind zudem die stark nach Russland ausgerichteten EU-Staaten Zypern und Bulgarien. Am Finanzplatz Zypern etwa ist so viel russisches Geld angelegt, dass der Inselstaat von einem Abzug des Kapitals in Folge von EU-Finanzsanktionen stark getroffen werden könnte.

Zentralasien

Mit sehr gemischten Gefühlen schauen die Länder in Zentralasien auf die Entwicklung in der Ukraine. „Die kasachischen Banken würden wegen der engen Beziehungen sofort in Schieflage geraten, wenn ihre russischen Partner wackeln“, meint Beate Eschment, Redakteurin bei den Zentralasien-Analysen in Berlin. „In der Hauptstadt Astana ist man derzeit zudem ausgesprochen nervös, weil die Ukraine zeigt, was passieren kann, wenn man sich russischen Wünschen widersetzt.“ Eschment verweist darauf, dass auch im Norden der öl- und gasreichen ehemaligen sowjetischen Republik viele Russen leben und Russland nach wie vor Militärbasen in dem Land unterhält. Seit 2010 ist Kasachstan Mitglied in der Zollunion mit Russland. Anfang 2015 soll das bereits unterzeichnete Abkommen für eine eurasische Union in Kraft treten, das beide Länder noch enger aneinander schweißt - für gute wie schlechte Zeiten.

Allerdings hält man in der deutschen Wirtschaft durchaus auch einen umgekehrten Effekt für möglich: Als Mitglied der Zollunion könnte das Land sogar von harten Sanktionen gegen Russland profitieren - weil dann Geschäfte für den russischen Markt über Kasachstan abgewickelt werden müssten.

Afghanistan

Russlands Präsident Wladimir Putin sagte am Wochenende drohend, die EU demonstriere mit Sanktionen, dass sie offenbar kein Interesse mehr an einer Sicherheitspartnerschaft mit Russland habe. Diese beinhaltet aber etwa die Versorgung der Nato-Soldaten in Afghanistan über den russischen Luftraum und die russische Eisenbahn. Auch der geplante schrittweise Abzug der Truppen läuft über Russland und nicht das wesentlich gefährlichere Pakistan. Das könnte sich ändern - mit unklaren Auswirkungen auf das ohnehin instabile Krisenland Afghanistan.

China

China, darin sind sich alle Experten einig, gehört dagegen zu den Gewinnern einer Eskalation zwischen dem Westen und Russland. Die deutsche Industrie warnt, dass ihnen nun chinesische Konkurrenten in Russland die Aufträge wegschnappen. Und Russlands mühsame Suche nach neuen Partnern beschert China günstige Preise für die kommenden Gaslieferungen vom Nachbarn. „China profitiert von der Isolation Russlands und kann gegen ein geschwächtes Russland die eigenen Interessen besser durchsetzen“, meint der China-Experte des Mercators Institutes for China Studies (Merics), Moritz Rudolph.

Börner setzte sich mit seinen Äußerungen im Widerspruch zum Vorsitzenden des Ost-Ausschusses der Deutschen Wirtschaft (OA), Eckhard Cordes. Der hatte am Wochenende kritisiert, die neuen Sanktionen der EU gegen Russland würden sicher nicht zur Entspannung beitragen. Die Europäer schadeten sich vielmehr letztlich damit selbst. Vermutlich befinde man sich am Beginn einer gefährlichen Sanktionsspirale.

Die EU hatte vergangene Woche neue Strafmaßnahmen in Kraft gesetzt, die sich vor allem gegen den Energie-, Rüstungs- und Finanzsektor richten. Mit Kontensperrungen und Einreiseverboten nahm die EU zudem weitere russische Politiker ins Visier.

Von

rtr

Kommentare (7)

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Herr walter danielis

15.09.2014, 19:25 Uhr

Wer bezahlt den diesen Herrn Börner?

Account gelöscht!

15.09.2014, 20:09 Uhr

“Anton Börner, Präsident des Handelsverbandes BGA, fordert schärfere Sanktionen gegen Russland.“
Der Herr ist eine totale Fehlbesetzung! Aus dem Artikel erfährt man leider nichts über die Beweggründe die diesen Herrn reiten.
Die Sanktionen der EU gegen Russland schaden vor allem dem Westen selbst. Denn Russland hat in China einen neuen starken Partner gefunden. Die Chinesen sind nicht nur ein großer Abnehmer für russische Rohstoffe, sondern auch ein finanzstarker Investor, der massiv in die russische Wirtschaft, auch Landwirtschaft, investiert. Der bilaterale Handel soll nur noch in Rubel und Yuan abgewickelt werden und die Zusammenarbeit zwischen den Banken der beiden Länder wird voran getrieben. Ein neues Abkommen wird russischen Banken das Eröffnen von Konten bei chinesischen Banken ermöglichen und man trifft Vorkehrungen dafür, dass russische Unternehmen Kredite von chinesischen Firmen erhalten können. Die immer stärkere Zusammenarbeit zwischen Russland und China wird die Sanktionen des Westens wirkungslos machen. Denn die russischen Firmen können ihren Finanzbedarf einfach in China decken. Die Isolation Russlands durch den Westen misslingt auf breiter Front. So erhält der russische Eisenbahnsektor z. B. massive Investitionen aus China. Chinesische Investoren, allen voran die Chinesische Entwicklungsbank, wollen 400 Milliarden Rubel (8,3 Milliarden Euro) in den Bau einer Hochgeschwindigkeitsbahn von Moskau nach Kazan investieren. Der staatliche chinesische Ölkonzern CNPC soll bis zu 10 Prozent Anteile an Russlands Vankor-Ölfeldern für rund 1 Milliarde Dollar erhalten, diese Ölfelder sind der größte Produktionsstandort des russischen Mineralölunternehmens Rosneft. Je mehr wirtschaftliche Verflechtungen zwischen Russland und China entstehen um so mehr werden sich die Sanktionen auf die EU negativ auswirken, denn das einmal zerstörte Vertrauen repariert so leicht keiner mehr.

Fortsetzung

Account gelöscht!

15.09.2014, 20:10 Uhr

Fortsetzung

Die Verdrängung des Dollar passt in Chinas ambitionierte Pläne, den Yuan zur globalen Reservewährung zu machen. Das Land hält knapp ein Drittel seiner ausländischen Währungsreserven im Umfang von insgesamt 4 Billionen Dollar in US-Staatsanleihen. Peking will dieses Risiko einschränken, das ihm jedoch auch enorme Macht gegenüber den USA verleiht.

US-Schuldenbilanz, über eine Billion = 1000 Milliarden = 1.000.000 Millionen Dollar neue Schulden in einem Jahr.
Zum Ende des vergangenen Haushaltsjahres – also Ende September 2013 betrug der gesamte Schuldenstand 16,738 Billionen Dollar. Zum aktuellen Zeitpunkt liegen die offiziellen Schulden der USA bei 17,742 Billionen Dollar. Alle behaupten mit der amerikanischen Wirtschaft geht es aufwärts. Wie lang kann es sich die Welt noch leisten mit grünem Klopapier für werthaltige Waren bezahlt zu werden?!
Wie viele Schulden wird Russland, aufgrund aggressiver Sanktionen, wohl in diesem Jahr machen müssen?! Russland hatte vorher seit 1998 / 99 sogar rasant Schulden abgebaut und wird es früher oder später wieder tun.
Anfang 2014 betrugen die Schulden von Russland umgerechnet 538 Milliarden Euro (ca. 696 Mrd. Dollar), das entspricht pro russischem Bürger 3753 Euro (ca. 4855 Dollar). Am Ende des Jahres werden es wohl maximal 50 Mrd. Euro (ca. 65 Mrd. Dollar) mehr sein.

Jetzt mal an alle Vollpfostlogiker und US-Erotiker aus dem Westen, wer nähert sich schneller seinem fiskalischen bzw. systemischen Ende?!!
Zahlen und Fakten bitte und kein dummes herum Gesülze bitte!

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