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03.09.2014

15:54 Uhr

Sanktionen gegen Russland

EU erwägt offenbar Boykott der Fußball-WM

Von den bisherigen EU-Sanktionen zeigt sich Russland kaum beeindruckt. Nun erwägt die Staatengemeinschaft offenbar, die Strafen auf weitere Bereiche wie den Sport auszudehnen. Die WM 2018 rückt da in den Fokus.

So dürften sie 2018 nicht zusammensitzen, wenn die EU mit Sanktionen im Sportbereich Ernst macht: Russlands Präsident Putin, Fifa-Präsident Blatter und Kanzlerin Merkel bei der WM in Brasilien. dpa

So dürften sie 2018 nicht zusammensitzen, wenn die EU mit Sanktionen im Sportbereich Ernst macht: Russlands Präsident Putin, Fifa-Präsident Blatter und Kanzlerin Merkel bei der WM in Brasilien.

Brüssel/ BerlinBei der Suche nach möglichen neuen Strafmaßnahmen gegen Russland im Ukraine-Konflikt schließt die Europäische Kommission offenbar langfristig auch einen Boykott der Fußball-Weltmeisterschaft 2018 in Russland nicht aus. Wie am Mittwoch von einem EU-Vertreter in Brüssel zu erfahren war, nennt ein internes Arbeitspapier als Sanktionsmöglichkeit unter anderem den Ausschluss Russlands von sportlichen Großveranstaltungen und den Boykott der Fußball-WM. Bei diesem Vorschlag handele es sich aber eher um eine Idee „für später, nicht für jetzt“, sagte der EU-Vertreter.

Die Europäische Union will bis Freitag über mögliche neue Sanktionen gegen Russland entscheiden. Am Mittwoch sollte die EU-Kommission ein mögliches Maßnahmenpaket vorlegen, das die EU-Staaten diskutieren wollten. Ein möglicher Ausschluss Russlands von „kulturellen, wirtschaftlichen oder sportlichen Großereignissen“ könnte von den sieben führenden Industriestaaten (G-7) koordiniert werden, zitierte die „Financial Times“ aus dem Arbeitspapier.

Wen die Russland-Sanktionen treffen

Ukraine

Das politisch wie wirtschaftlich größte Problem bei Russland-Sanktionen ist, dass auch die Ukraine unter den Folgen leiden wird. In einer Umfragen des Ostausschusses der deutschen Wirtschaft nannten im Juni 21 Prozent der befragten Unternehmen die Ukraine als das Land, das nach Russland (37 Prozent) und Deutschland (33 Prozent) am stärksten unter Sanktionen zu leiden haben wird. Der Grund ist zum einen die enge wirtschaftliche Verflechtung der ehemaligen Sowjetrepublik mit Russland, die jeden Konjunktureinbruch dort auch für das Nachbarland zum Problem macht. Zum anderen bestraft Russland den Westkurs der Ukraine wie auch den Moldawiens mit Gegensanktionen wie einem Embargo gegen Milch und Fleisch. Bei einer Eskalation könnte auch der Gashahn zugedreht werden.

Balkan

„Auch die ganze Balkan-Region wird unter einem neuen Wirtschaftskrieg leiden“, meint der Balkan-Experte Duan Reljic von der Stiftung Wissenschaft und Politik (SWP). Verantwortlich macht er hierfür die traditionell engen Beziehungen von Ländern wie Serbien mit Russland, vor allem aber das starke Interesse der ganzen Region an russischem Gas. Interessiert ist man auch am Bau der von Russland vorangetriebenen South-Stream-Pipeline durch die Region, die die EU-Kommission nun im Zuge der Abkühlung der EU-Russland-Beziehungen rechtlich überprüfen lässt. „Fast jedes Land der Region hat sich Hoffnung auf einen dreistelligen Millionenbetrag an Durchleitungsgebühren pro Jahr gemacht - die drohen nun wegzufallen“, meint Reljic. Finanzexperten weisen zudem darauf hin, dass öffentliche EU-Banken auch mit Töchtern russischer Institute in der Region keine Geschäfte mehr machen können, wenn deren Chefs auf einer Sanktionsliste der USA und der EU stehen - die ständig ausgeweitet werden.

EU-Mitglieder Bulgarien und Zypern

Innerhalb der EU gelten die Länder als anfällig, die teilweise zu 100 Prozent von russischem Gas abhängig sind und einen Lieferboykott befürchten müssen. Besonders betroffen sind zudem die stark nach Russland ausgerichteten EU-Staaten Zypern und Bulgarien. Am Finanzplatz Zypern etwa ist so viel russisches Geld angelegt, dass der Inselstaat von einem Abzug des Kapitals in Folge von EU-Finanzsanktionen stark getroffen werden könnte.

Zentralasien

Mit sehr gemischten Gefühlen schauen die Länder in Zentralasien auf die Entwicklung in der Ukraine. „Die kasachischen Banken würden wegen der engen Beziehungen sofort in Schieflage geraten, wenn ihre russischen Partner wackeln“, meint Beate Eschment, Redakteurin bei den Zentralasien-Analysen in Berlin. „In der Hauptstadt Astana ist man derzeit zudem ausgesprochen nervös, weil die Ukraine zeigt, was passieren kann, wenn man sich russischen Wünschen widersetzt.“ Eschment verweist darauf, dass auch im Norden der öl- und gasreichen ehemaligen sowjetischen Republik viele Russen leben und Russland nach wie vor Militärbasen in dem Land unterhält. Seit 2010 ist Kasachstan Mitglied in der Zollunion mit Russland. Anfang 2015 soll das bereits unterzeichnete Abkommen für eine eurasische Union in Kraft treten, das beide Länder noch enger aneinander schweißt - für gute wie schlechte Zeiten.

Allerdings hält man in der deutschen Wirtschaft durchaus auch einen umgekehrten Effekt für möglich: Als Mitglied der Zollunion könnte das Land sogar von harten Sanktionen gegen Russland profitieren - weil dann Geschäfte für den russischen Markt über Kasachstan abgewickelt werden müssten.

Afghanistan

Russlands Präsident Wladimir Putin sagte am Wochenende drohend, die EU demonstriere mit Sanktionen, dass sie offenbar kein Interesse mehr an einer Sicherheitspartnerschaft mit Russland habe. Diese beinhaltet aber etwa die Versorgung der Nato-Soldaten in Afghanistan über den russischen Luftraum und die russische Eisenbahn. Auch der geplante schrittweise Abzug der Truppen läuft über Russland und nicht das wesentlich gefährlichere Pakistan. Das könnte sich ändern - mit unklaren Auswirkungen auf das ohnehin instabile Krisenland Afghanistan.

China

China, darin sind sich alle Experten einig, gehört dagegen zu den Gewinnern einer Eskalation zwischen dem Westen und Russland. Die deutsche Industrie warnt, dass ihnen nun chinesische Konkurrenten in Russland die Aufträge wegschnappen. Und Russlands mühsame Suche nach neuen Partnern beschert China günstige Preise für die kommenden Gaslieferungen vom Nachbarn. „China profitiert von der Isolation Russlands und kann gegen ein geschwächtes Russland die eigenen Interessen besser durchsetzen“, meint der China-Experte des Mercators Institutes for China Studies (Merics), Moritz Rudolph.

In Berlin sagte Regierungssprecher Steffen Seibert am Mittwoch, die Fußball-WM in vier Jahren sei „nichts, was wir jetzt schon besprechen müssen“. Sanktionen gegen Russland seien aber notwendig. Die Idee, die Fußball-WM in Russland zu boykottieren, hatten in den vergangenen Wochen schon mehrere deutsche und britische Politiker geäußert.

Der „Financial Times“ zufolge erwähnen die Autoren des EU-Arbeitspapiers neben Fußball als Sanktionsmöglichkeit auch explizit die Formel 1. Die höchste Klasse des Motorsports gastiert Mitte Oktober erstmals im russischen Sotschi, dem Schauplatz der vergangenen Winterolympiade am Schwarzen Meer. Dort wurde extra eine Rennstrecke errichtet. Im kommenden Jahr sollen in Russland zudem die Schwimm-Weltmeisterschaften stattfinden.

Von

afp

Kommentare (16)

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Herr Theo Gantenbein

03.09.2014, 16:16 Uhr

Olympia Boykott Moskau 1984 reloaded.

Diese Regierung zerstört auf Weisung unserer amerikanischen "Freunde" das gute Verhältnis zu Russland an dem wir über 20 Jahre gearbeitet haben.

Und die Staatsmedien von ARD/ZDF unterstützen die Regierung beim Putin-Bashing.

Ich hoffe, die AfD als Sprachrohr der Vernunft stellt sich gegen diesen unsinnigen Konfrontationskurs. Die Linke tut das erfreulicherweise schon - wenn auch aus anderen Gründen.

Herr C. Falk

03.09.2014, 16:27 Uhr

Unsere "Politiker" im Sanktionsrausch

Wäre ja auch viel zu anstrengend mal darüber nachzudenken, wie die Grundlagen eines vernünftigen Interessensausgleich
zwischen der EU und Russland ausehen könnten.

Diese Politik auf Kindergartenniveau entspricht offensichtlich der mentalen Verfasstheit der Sanktionsritter, die noch nicht einmal ansatzweise die geopolitischen Konsequenzen dieser Politik begreifen.

Das alte und kluge China ist ruhig und lächelt. lol

Herr Klaus Grelle

03.09.2014, 16:34 Uhr

Der Westen ist doch total durchgeknallt - Tatsachen aus den USA:
Den Krieg brauchen die USA. Die USA hatten 1914 gigantische Schulden angehäuft, nach Eintitt in den WK-1 waren die USA zur größten Polit- und Finanz-Macht aufgestiegen, z.B. 1914 stand die Dupont-Aktie auf etwa 20 Dollar, am Ende des Krieges auf über 1.000 Dollar – die gesamte Wirtschaft blühte nach dem Krieg in größte Höhen.
Heute wird in den USA offen diskutiert, dass ein “Großer Krieg” die US-Wirtschafts-Probleme lösen könnte. Prof. Tyler Cowen, WiSo-Wissenschaftler: “Das Fehlen großer Kriege…”, “Frieden in Europa ist lediglich ein “bubble”, eine Blase, die platzen wird”, andere namhafte Leute sprechen offen von der Notwendigkeit vom “Großen Krieg” zur Gesundung der US-Wirtschaft, als da sind: Prof. Paul Krugman (Nobel-Preisträger 2008), der namhafte Prof. Martin Feldstein, Prof. Christopher Sims (Nobelpreisträger 2011) prophezeit Krieg in Europa, auch die Washington Post propagiert sein Jahren Krieg zur Gesundung der US-Wirtschaft.
Und im Rahmen der Treffen bei “Antlantik-Brücke” kommen sie “Alle” zusammen und besprechen Kriege und ihre Auswirkungen, und bei den Treffen beim “U.S. European Command” (USEUCOM) sind natürlich dabei unser General-Inspekteur, seine Unter-Chargen, und natürlich dürfen unsere Obersten Journalisten als Propaganda-Vertreter nicht fehlen.
Ein riesiges Netzwerk also, das über Krieg und Frieden entscheidet – in der Regel für den oder die Krieg(e), weil das einfacher ist als die komplizierte Friedens-Diplomatie..! Handelsblatt, es stände Ihnen gut an, solche Meldungen ihren Lesren auch mal zu vermitteln..!

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