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01.08.2014

20:22 Uhr

Sanktionen

Griechen fürchten Putins Rache

VonGerd Höhler

Wladimir Putin gilt als Freund der Griechen. Doch nun wird die Freundschaft auf eine harte Probe gestellt. Wenn der Kremlchef als Antwort auf die EU-Sanktionen seinerseits Strafmaßnahmen verhängt, könnte Athen leiden.

Wladimir Putin, eigentlich ein Freund der Griechen, könnte Athen nun die Freundschaft kündigen. Reuters

Wladimir Putin, eigentlich ein Freund der Griechen, könnte Athen nun die Freundschaft kündigen.

AthenKremlchef Wladimir Putin ist ein Freund der Griechen. Gern lässt sich der russische Präsident als Gast reicher Freunde auf einer Jacht durch die Ägäis schippern, und fast jedes Jahr besucht er den Heiligen Berg Athos, die griechische Mönchsrepublik. Die guten Beziehungen beider Völker haben eine lange Tradition: Anfang des 19. Jahrhunderts standen die Russen den Griechen im Befreiungskampf gegen die Osmanen bei.

Aber jetzt wird die Freundschaft auf eine harte Probe gestellt. Die Griechen fürchten Putins Rache. Wenn er als Antwort auf die EU-Sanktionen seinerseits Strafmaßnahmen verhängt, könnte Griechenland darunter besonders leiden. Russland ist für die griechische Landwirtschaft ein wichtiger Exportmarkt, Herkunftsland vieler Touristen, der größte Erdgaslieferant und ein umworbener Investor. Auch die griechischen Zyprer fürchten negative Folgen für ihre Wirtschaft.

Die größte Sorge in Griechenland und Zypern ist, dass die Spannungen wegen des Konflikts in der Ukraine russische Touristen abschrecken könnten. Griechenland begrüßte im vergangenen Jahr 1,35 Millionen Gäste aus Russland, ein Anstieg von 46 Prozent gegenüber 2012. In diesem Jahr erwartete man eigentlich 1,5 Millionen Gäste aus Russland, so anfängliche Prognosen. In den ersten fünf Monaten stieg die Zahl tatsächlich von 105.000 auf 164.000 an.

Doch inzwischen gehen die Besucherzahlen zurück. Der Verband der griechischen Touristikunternehmen (Sete) rechnet jetzt nur noch mit 1,1 Millionen russischen Urlaubern. Das dürfte Einnahmeausfälle von 300 Millionen Euro verursachen. Zum Ukraine-Konflikt und der Debatte um Sanktionen kommt auch der schwache Rubel. Überdies musste nach der Pleite des Reiseveranstalters Neva jetzt ein weiteres russisches Touristikunternehmen, Windrose World, das Handtuch werfen.

Das sind die Sanktionen des Westens gegen Russland

Banken

Die EU erschwert den Zugang zu den EU-Finanzmärkten für russische Banken. Gilt für alle Banken mit einem staatlichen Anteil von mindestens 50 Prozent. Sie können auf den EU-Kapitalmärkten keine neuen Wertpapiere oder Aktien von russischen Unternehmen mehr verkaufen.

In den USA fallen drei weitere Banken im russischen Staatsbesitz unter die Strafmaßnahmen, damit sind es nun fünf von sechs: Die Bank von Moskau, die Russische Landwirtschaftsbank und die VTB Bank kamen hinzu. Ihnen wird der Zugang zu mittel- und langfristiger Dollarfinanzierung für Russland erschwert. Sie dürfen aber weiter in den USA operieren.

Waffen

Die EU verbietet künftige Rüstungslieferungen. Betroffen sind alle Güter, die auf einer entsprechenden Liste der EU stehen. Gilt nicht für bereits unterzeichnete Verträge, also auch nicht für die Lieferung von zwei französischen Hubschrauberträgern im Wert von 1,2 Milliarden Euro an Russland.

In den USA wurde die United Shipbuilding Corporation (größtes russisches Schiffsbau-Unternehmen) zu den bislang acht auf der Sanktionsliste stehenden Firmen im Verteidigungssektor ergänzt. Die Unternehmen dürfen nicht mehr das US-Finanzsystem nutzen oder mit amerikanischen Bürgern Geschäfte machen.

Technologie

Die EU verbietet den Export von bestimmten Hochtechnologiegütern an das Militär. Gilt beispielsweise für Verschlüsselungssysteme sowie für Hochleistungscomputer.

Energie

Die EU untersagt die Ausfuhr für Spezialtechnik zur Ölförderung. Zielt auf Geräte, die für Ölbohrung und -förderung beispielsweise in der Arktis gebraucht werden.

Auch in den USA gelten für Unternehmen aus der Ölbranche eingeschränkte Importmöglichkeiten für Technik zur Erschließung von Ölquellen in tiefen Gewässern, vor der arktischen Küste oder in Schiefergestein. Die aktuelle Energieproduktion werde damit aber nicht beeinträchtigt.

Zypern zählte im vergangenen Jahr 28 Prozent mehr russische Touristen. Sie stellen nach den Briten die zweitgrößte Nationalität. In diesem Jahr erwartete man einen weiteren Zuwachs von 23 Prozent. Aber auch zyprische Hoteliers berichten bereits von Stornierungen. Für Zypern steht bei einem Handelskrieg mit Russland nicht nur im Tourismus viel auf dem Spiel. Zahlreiche russische Unternehmen unterhalten auf der Insel Dependancen.

Zypern lockt mit Diskretion und günstigen Steuern. Im vergangenen Jahr flossen rund elf Milliarden Dollar aus Russland nach Zypern. Russische Aktionäre kontrollieren seit der Restrukturierung im vergangenen Jahr die Bank of Cyprus, das größte Geldinstitut der Insel. Weitere Sanktionen könnten für Zyperns Wirtschaft „katastrophale Folgen“ haben, warnt Außenminister Ioannis Kassoulides. Der Ukraine-Konflikt werde die Rückkehr Zyperns zum Wachstum verzögern, sagte der Wirtschaftsprofessor Theodore Panayotou der Nachrichtenagentur Bloomberg.

Kommentare (2)

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Herr Horst Hamacher

01.08.2014, 20:57 Uhr

Wenn der Kremlchef als Antwort auf die EU-Sanktionen seinerseits Strafmaßnahmen verhängt, könnte Athen leiden.
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Beitrag von der Redaktion editiert. Bitte bleiben Sie sachlich.

Frau Lana - Kristin Kreukz

08.08.2014, 14:29 Uhr

Es wird ganz bitter für uns, der EU und für Russland.

Gerade Griechenland, das Sorgenkind der EU wird heftig leiden müssen, danach folgt Zypern, die Liste liesse sich sicher beliebig fortsetzen. Ich kann es bald nicht mehr hören, das z.B. Herr Gabriel sich hinstellt und behauptet, die Sanktionen werden uns nicht so hart treffen, wie die Sanktionen der EU. die RU. Für D. werden die Aussagen Gabriels vielleicht, aber auch nur vielleicht stimmen, das wird der weitere Verlauf erst zeigen, doch D. ist nur ein Teil von der EU und mit einer der größten „Zahlmeister“.

Griechenland hätte selbst ohne Sanktionsandrohungen aus RU ein drittes Hilfspaket nötig, auch ist lt. diversen Medien zu entnehmen, das ein weiterer "Hair Cut" erfolgen müsste. Sanktionen, wenn RU diese durchsetzt, werden diese Hilfsmaßnahmen schneller nötig machen als wir ahnen, auch dürfte sich die Hilfstranche mutmasslich wesentlich erhöhen u. nicht "nur" 10 Mio. Euro betragen. Wenn man dann noch hinzurechnet, dass es zu Engpässe in der Energieversorgung kommen könnte, Energie die RU zurzeit liefert, wird es noch düsterer.

Daher empfehle ich der EU dringend mit RU zu reden und die Sanktionen nicht eskalieren zu lassen. Keiner, egal welches Land kann mit Sanktionen etwas gewinnen, nicht eine Sanktion hatte bislang Erfolg gehabt um den "Sanktionierten" in die Knie zu zwingen.
Wer das abstreitet, möge doch Beweise vorlegen bitte, ich lasse mich auch gern vom Gegenteil überzeugen.

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