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25.03.2014

06:47 Uhr

Sanktionen in der Krim-Krise

Der Vollzeit-Oligarch

VonPatrick Schwarz

Wer sind die reichen Russen, über die der Westen in der Krim-Krise Sanktionen verhängt? Der Oligarch Gennadi Timtschenko steht weit oben auf der Strafliste – selbst in der Freizeit versucht er seine Macht auszuweiten.

Gennadi Timtschenko hat gut lachen: Der Oligarch ist mit einem Vermögen von 12,9 Milliarden Dollar der sechstreichste Russe. Imago

Gennadi Timtschenko hat gut lachen: Der Oligarch ist mit einem Vermögen von 12,9 Milliarden Dollar der sechstreichste Russe.

DüsseldorfGennadi Timtschenko schätzt nicht die große Bühne. „Die Massenmedien geben meiner Person zu viel Aufmerksamkeit“, sagte er in einem seiner spärlichen Interviews der „Neue Zürcher Zeitung“. Dabei hatte die Presse in den vergangenen Tagen viel über ihn zu berichten: Als der russische Milliardär erfuhr, dass die USA seinen Name im Zuge der Krim-Krise auf der Sanktionsliste platzieren wird, verkaufte er seine Anteile am milliardenschweren Ölhändler Gunvor mit Sitz in Genf.

Gennadi Nikolajewitsch Timtschenko ist nur ein Name auf der Liste der Amerikaner, dessen Vermögen nun eingefroren wird. Sowohl der Westen als auch Russland haben einflussreiche Persönlichkeiten im Lager des politischen Gegners mit Sanktionen belegt. Auf den „schwarzen Listen“ stehen neben Amtsträgern und Beratern der Präsidenten Barack Obama und Wladimir Putin auch zahlreiche Wirtschaftsgrößen.

Zu ihnen zählt Timtschenko. Er ist ein Super-Oligarch, an dem beim Ölhandel oft kein Weg vorbeiführt. Der auch in fast jedem anderen Wirtschaftsbereich Russlands mitmischt und dem beste Kontakte zur Politik nachgesagt werden.

Sanktionen gegen Moskau: Der Drei-Stufen-Plan der EU

Erste Stufe

Gespräche über Visa-Erleichterungen und ein Wirtschaftsabkommen mit Russland werden am 6. März auf Eis gelegt.

Zweite Stufe

Die zweite Sanktionsrunde betrifft Einreiseverbote für russische und ukrainische Verantwortliche in EU-Staaten sowie das Einfrieren ihrer Auslandskonten in der EU. Die EU-Außenminister beschließen dies am 17. März, nachdem das umstrittene Referendum über eine Abspaltung der Krim trotz der Proteste des Westens abgehalten wurde.

Betroffen sind 21 Russen und Ukrainer, die für das Referendum verantwortlich gemacht werden, unter ihnen der Krim-Regierungschef Sergej Aksjonow und der Befehlshaber der russischen Schwarzmeerflotte, Alexander Witko.

Die Sanktionen sind zunächst auf sechs Monate beschränkt, können aber verlängert werden. Auf dem EU-Gipfel am Donnerstag und Freitag in Brüssel geht es nach Angaben von Diplomaten um eine Ausweitung der Stufe zwei, also eine Ausdehnung der Sanktionsliste auf weitere Verantwortliche.

Dritte Stufe

Die dritte Stufe beschreibt Folgen „in einer Reihe von Wirtschaftsbereichen“, also Wirtschaftssanktionen. Diese sollen verhängt werden, sollte Russland weitere Schritte „zur Destabilisierung der Lage in der Ukraine“ unternehmen, also etwa über die Krim hinaus im Osten des Landes militärisch eingreifen.

Angesichts der damit verbundenen weitreichenden Auswirkungen auf die Wirtschaft in der EU könnte der Gipfel die EU-Kommission beauftragen, diese zu analysieren und abzuwägen.

Den russischen Präsidenten Wladimir Putin kennt der 61-Jährige schon seit einem Vierteljahrhundert. Timtschenko wuchs in Armenien, Ostdeutschland und in Odessa am Schwarzen Meer auf, absolvierte bis 1977 ein Ingenieurstudium in St. Petersburg und begann seine Karriere bei einer staatlichen Raffinerie.

Als er in der Zeit um die Wende Verhandlungen über den Bau eines Erdölterminals in St. Petersburg führen sollte, macht er zum ersten Mal Bekanntschaft mit Putin – dem damaligen stellvertretenden Bürgermeister. Später wird ein von Timtschenko gegründeter Judoclub zum Treffpunkt der russischen Milliardäre. Der Ehrenpräsident des Vereins heißt heute: Wladimir Putin.

Dass er von der Freundschaft zum russischen Oberhaupt jemals geschäftlich profitiert hat, bestreitet Timtschenko vehement. „Zwischen meinem Erfolg und der Bekanntschaft zu Putin gab, gibt und wird es keinen Zusammenhang geben“, sagte er in dem Interview mit der NZZ. Den britischen „Economist“, der das Gegenteil behauptete, verklagte der Rohstoffexperte 2009 wegen Verleumdung.

Kommentare (3)

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Account gelöscht!

25.03.2014, 09:30 Uhr

Der Oligarch Gennadi Timtschenko steht weit oben auf der Strafliste – selbst in der Freizeit versucht er seine Macht auszuweiten.
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Ah ja, selbst in der "Freizeit"!
Weiß denn der HB-Schreiberling nicht, dass es ab bestimmten Positionen gar keinen Unterschied mehr gibt zwischen Freizeit und Arbeitszeit? Dass die beiden Bereiche nicht mehr klar abzugrenzen sind? Und dazu muss man nicht einmal ein Oligarch sein!
Da fragt man sich schon, in welcher Wundertütenwelt so mancher Schreiberling sein Leben fristet.

Account gelöscht!

25.03.2014, 09:39 Uhr

Zitat : Der Vollzeit-Oligarch

- wann kommen denn unseren Oligarchen mal in die Öffentlichkeit : z.B. Gebrüder Albrecht, Dieter Schwarz, Familie Brenninkmeijer , etc.

Oder sind nur die Russen-Oligarchen verrufen, unsre dagegen heilig ?

Account gelöscht!

25.03.2014, 11:14 Uhr

Die ukrainischen Oligarchen sind sicher um längen besser oder...????!

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