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08.09.2014

11:30 Uhr

Sanktionen während Ukrainekrise

Das bedeutet ein russisches Flugverbot

Mit einem Flugverbot über dem russischen Luftraum würden die europäischen Airlines auf einem der wenigen rentablen Gebiete getroffen. Der Sibirien-Transit ist vor allem für Asienflüge relevant – so leiden auch andere.

Lufthansa hätte durch russische Überflugverbote wie andere europäische Airlines mit direkten Verbindungen in den asiatischen Raum mit erheblichen Mehrkosten zu rechnen. Reuters

Lufthansa hätte durch russische Überflugverbote wie andere europäische Airlines mit direkten Verbindungen in den asiatischen Raum mit erheblichen Mehrkosten zu rechnen.

Frankfurt/ MainDer kürzeste und schnellste Weg von A nach B ist die Geschäftsgrundlage des Luftverkehrs und daher auch viel Geld wert. Die Nationalstaaten lassen sich Flüge durch ihren Luftraum über die Streckengebühren bezahlen. Der Unterschied: Während in Deutschland die Deutsche Flugsicherung (DFS) ihre Kosten über die Gebühren wieder reinholen muss, leitet Russland einen großen Teil seiner Überflugeinnahmen an die staatliche Fluggesellschaft Aeroflot weiter. Rund 200 Millionen Euro soll die Gesellschaft auf diesem Weg im vergangenen Jahr eingenommen haben, was ziemlich genau ihrem Netto-Gewinn entsprach.

Die Routen über die Weiten Sibiriens sind vor allem für Flüge zwischen Europa und dem nördlichen Asien mit den Topzielen China, Japan und Korea interessant. Eine Sperre träfe daher die Anbieter in diesen Ländern sowie die großen europäischen Fluggesellschaften Air France, British Airways und Lufthansa. Ob sie gleich in die Pleite fliegen würden, wie Russlands Regierungschef Dmitri Medwedew hofft, scheint fraglich. Aber sie würden in einem ihrer wenigen lukrativen Märkte getroffen. Lufthansa und Co. haben im Norden noch attraktive Direktverbindungen anzubieten, während weiter südlich die Konkurrenz über die Drehkreuze in den arabischen Emiraten immer härter wird.

Putin spricht...

über Krieg und Frieden

„Russland hat keine Absicht, Krieg gegen das ukrainische Volk zu führen.“
am 4.3. in einer Pressekonferenz

„Wenn ich will, kann ich in zwei Wochen Kiew einnehmen.“
am 01.09. in einem Telefonat mit EU-Kommissionspräsident José Manuel Barroso, das dieser öffentlich machte. Die russische Seite erklärte im Anschluss, das Zitat sei aus dem Zusammenhang gerissen worden.

über Rüstung

„Die Militarisierung des Weltraums und die US-Stützpunkte in Europa und Alaska, direkt an unserer Grenze, nötigen uns zu einer Reaktion.“
am 10.09. in einer Pressekonferenz

über die Zukunft der Ostukraine

„Russland behält sich das Recht vor, alle vorhandenen Mittel zu nutzen, sollte es in östlichen Regionen der Ukraine zu Willkür kommen.“
am 4. 3. in einer Pressekonferenz

„Diese Gebiete (im Süden und Osten der Ukraine) waren als Neurussland historisch ein Teil des Russischen Reiches. Erst in den 1920er Jahren wurden die Territorien von den Bolschewiken der Ukraine gegeben. Gott weiß warum.“
am 17. 4. im russischen Staatsfernsehen

„Es müssen umgehend substanzielle inhaltliche Verhandlungen anfangen - nicht zu technischen Fragen, sondern zu Fragen der politischen Organisation der Gesellschaft und der Staatlichkeit im Südosten der Ukraine.“
am 31. 8. vor dem Treffen der Ukraine-Kontaktgruppe

über die Führung der Ukraine

„In der Ukraine gibt es bislang keine legitime Macht, mehrere Staatsorgane werden von radikalen Elementen kontrolliert.“
am 18. 3. in der Rede an die Nation

„Sind sie da jetzt völlig verrückt geworden? Panzer, Schützenpanzerwagen und Kanonen! (...) Sind sie total bekloppt? Mehrfachraketenwerfer, Kampfjets im Tiefflug! (...) Sind sie dort jetzt völlig bescheuert geworden, oder was?
am 17. 4. im russischen Staatsfernsehen

über den Westen

„In der Ukraine überschritten die westlichen Partner die rote Linie, verhielten sich grob, verantwortungslos und unprofessionell.“
am 18.3. in der Rede an die Nation

„Die Vereinigten Staaten dürfen in Jugoslawien, Irak, Afghanistan und Libyen agieren, aber Russland soll es verwehrt sein, seine Interessen zu verteidigen.“
am 18.3. in der Rede an die Nation

über Russen im Ausland

„Nach dem Zerfall der Sowjetunion wurden die Russen zu einem der größten geteilten Völker der Welt. Millionen von Menschen gingen in einem Land ins Bett und erwachten in einem ganz anderen und wurden zur nationalen Minderheit.“
am 18.3. in der Rede an die Nation

„Ich glaube daran, dass die Europäer, vor allem aber die Deutschen, mich verstehen werden (...). Unser Land hatte das starke Bestreben der Deutschen nach Wiedervereinigung unterstützt. Ich bin sicher, dass sie das nicht vergessen haben und rechne damit, dass Bürger Deutschlands das Bestreben der russischen Welt, ihre Einheit wiederherzustellen, (...) ebenfalls unterstützen werden.“
am 18.3. in der Rede an die Nation

Auf mehr als 20.000 Euro pro Flug hat die russische Luftfahrtbehörde die Kosten beziffert, die Lufthansa & Co. dank der kurzen Routen derzeit noch am Sprit einsparen. Die Lufthansa mag das nicht bestätigen, nennt nur die Zahl von rund 180 Überflügen in der Woche. Die Alternativrouten etwa über den persischen Golf würden nicht nur deutlich länger dauern, sondern auch sofort zusätzliche Millionenkosten verursachen.

Doch auch die Russen haben einiges zu verlieren. Zunächst gehen die Überfluggebühren verloren und zudem könnte Europa seinerseits mit einem Überflugverbot für russische Maschinen kontern. Deren Wege nach Nordamerika würden sich damit ebenfalls deutlich verlängern.

Eine Luftraumsperre müsste wie andere wichtige Ereignisse auch der internationalen Luftfahrt bekanntgemacht werden. In Europa führt Eurocontrol in Brüssel eine Datenbank, in der sämtliche Fliegerinformationen (Notice to Airmen) gesammelt und aktuell gehalten werden. Die Einrichtung überprüft auch den für jeden Flug notwendigen und vorher einzureichenden Flugplan, lehnt also im Fall einer Sperre eine Route über Russland ab.

„Die großen Fluggesellschaften koordinieren ihre Flüge alle selbst und greifen auf die selben Daten zu wie wir“, berichtet Albert Schmitz vom Aeronautical Information Service Center (AIS-C) der DFS in Frankfurt. Die rund 60 AIS-Berater erstellen die Flugpläne für Privatflieger und kleinere Anbieter. Nur etwa 10 Prozent ihrer jährlich rund 140.000 Flugpläne verlassen Europa, ganz wenige gehen nach Westrussland.

Von

dpa

Kommentare (7)

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Herr Günther Schemutat

08.09.2014, 12:54 Uhr

Die Russen können :

Die Überflugrechte sperren für westliche Airlines
Den Containerzug von Hamburg nach China stoppen
Die Gaszufuhr im Winter drosseln und die Ukrainer verantwortlich machen.

Die Versorgung der ISS einstellen.

Die Taliban mit modernen Waffen versorgen.

Die Kurden mit modernen Waffen ausrüsten und im Kampf um einen eigenen Staat fördern.

...und..und..und.

Der Westen kann_

Den Zugang zum Mittelmees schliessen für Russen.

Überflugrechte weltweit aussprechen

Den Kaiser.Wilhelm Kanal für Russsen speeren.

und..und..und..


Aber alles wird zum Krieg führen ausgelöst von unfähugen Politikern und Millionen Menschen werden geopfert!



Drittes Auge

08.09.2014, 13:21 Uhr

Es tut gut einfach mal sachliche Information ohne das allgegenwärtige emotionalisierende, ideologisch gefärbte Info-Phasing zu lesen.

Weiter so Handelsblatt!

Frau Helga Trauen

08.09.2014, 13:32 Uhr

Wichtig zu wissen ist, dass bei einer Sperrung des russischen Luftraums für westliche Carrier die Flüge wieder über Alaska gehen müssen. Die Amis würden dann die Routengebühren einsacken. Honi soit qui mal y pense...

Die Europäer mit ihren Politkommissaren an der Spitze der EUSSR verstehen sich glänzend auf Geopolitik. Meinen ausdrücklichen Glückwunsch. Aber nur deshalb, weil die EU so schneller kollabieren wird!

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