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10.12.2013

06:24 Uhr

Sarkozy und Holland

Bis dass der Tod uns verbindet

VonThomas Hanke

Die Widersacher vereint: Nicolas Sarkozy darf Francois Hollande nach Südafrika zur Trauerfeier für Mandela begleiten. Das bringt den Ex-Präsident zurück unter die Großen. Allzu nahe kommen sich beide dennoch nicht.

Zwei, die sich nicht leiden können: Nicolas Sarkozy und Francois Hollande in Paris. dpa

Zwei, die sich nicht leiden können: Nicolas Sarkozy und Francois Hollande in Paris.

ParisEr hat es geschafft: Sarko ist zurück im Rampenlicht, tummelt sich auf dem Parkett der großen Entscheider dieser Welt: in der Präsidentenklasse. Bei der Trauerfeier für Nelson Mandela wird er gemeinsam mit Francois Hollande Frankreich vertreten. Kleiner Wermutstropfen: Das Comeback ist nur für einen Tag. Und Sarko hat lediglich die Rolle des Ex. Aber das schmälert den Glanz nur ein wenig. Beim Empfang wird er dabei sein. Auf den Bildern wird man ihn sehen. Angela kommt zwar nicht, aber Barack, es wird ein wenig sein wie früher. Und schließlich trägt er ja kein Schild um den Hals: „Begleitperson, gehöre nicht mehr dazu“.

Der Anruf aus dem Elysée kam am vergangenen Samstag. Völlig überraschend meldete sich Pierre-René Lemas in Sarkozys Büro und teilte mit, der Präsident würde den Ex gerne einladen, mit ihm nach Südafrika zu fliegen. Was in anderen Ländern selbstverständlich wäre, ist für Frankreich eine kleine Sensation. Denn das Verhältnis der beiden ist zerrüttet.

Woran Frankreich krankt

Wettbewerbsfähigkeit

In Frankreich sticht die ungünstige Entwicklung der Wettbewerbsfähigkeit hervor. Auch deshalb ist der Weltmarktanteil des Exportsektors des Landes deutlich gesunken; die Leistungsbilanz hat sich seit Beginn der Währungsunion kontinuierlich verschlechtert– von einem Überschuss von 2,6 Prozent des Bruttoinlandsprodukts zu einem Defizit von zuletzt etwa 2 Prozent. Im Durchschnitt der zurückliegenden drei Jahre hat Frankreich damit das höchste Leistungsbilanzdefizit aller Kernländer aufgewiesen. Im „Global Competitiveness Report 2012-2013“ belegt Frankreich damit nur Rang 21 von insgesamt 144 Ländern. Im Jahr 2010 wurde es mit Rang 15 noch deutlich besser bewertet.

Quelle: Frühjahrsgutachten der führenden deutschen Wirtschaftsforschungsinstitute; Commerzbank

Lohnstückkosten

Die Lohnstückkosten sind seit 1999 um 30 Prozent gestiegen. Die Lage heute: Während eine Arbeitsstunde deutsche Arbeitgeber 30,40 Euro kostet, fallen westlich des Rheins 34,20 Euro an. Typisch für den Niedergang sind die Autobauer. „Hier verdichten sich die Probleme Frankreichs“, sagt Commerzbank-Chefökonom Jörg Krämer. Das Land produziere 40 Prozent weniger Kraftfahrzeuge als 2005, Deutschland dagegen 15 Prozent mehr.

Arbeitslosigkeit

Die wirtschaftliche Entwicklung lässt kaum eine deutliche Reduzierung der Arbeitslosigkeit und der öffentlichen Verschuldung erwarten. Die Arbeitslosigkeit dürfte auf einem hohen Niveau jenseits von 10 Prozent verharren.

Staatsverschuldung

Noch wird die Schuldentragfähigkeit von den Anlegern nicht in Frage gestellt. Die öffentliche Verschuldung Frankreichs hat sich aber seit der Großen Rezession deutlich erhöht. Zwischen 2008 und 2012 stieg die Schuldenstandsquote um rund 25 Prozentpunkte auf über 90 Prozent. Im Jahr 2012 lag die Defizitquote weiterhin deutlich oberhalb von 3 Prozent, und auch für das Jahr 2013 wird eine diesen Wert überschreitende Quote erwartet. Damit steigt die öffentliche Verschuldung weiter.

Private Verschuldung

Die private Verschuldung ist in Frankreich weniger stark gestiegen und liegt auf einem deutlich geringeren Niveau als z. B. in Irland, Spanien und Portugal. Dennoch ist Frankreich das einzige der ausgewählten Länder, in dem die private Verschuldung auch seit 2009 noch merklich zunimmt.

Verlust von Weltmarktanteilen

Große Probleme bestehen im externen Sektor. Der überdurchschnittlich starke Verlust von Weltmarktanteilen ist in Kombination mit trendmäßig steigenden Leistungsbilanzdefiziten besorgniserregend. Dies dürfte nicht allein auf Veränderungen der preislichen Wettbewerbsfähigkeit zurückzuführen sein; diese hatte sich zwischen 2000 und 2008 permanent verschlechtert, verbesserte sich seitdem aber. Insbesondere Frankreichs Exportwirtschaft ist es nicht gelungen, vom ökonomischen Aufschwung der Schwellenländer zu profitieren, sondern sie hängt nach wie vor von den Märkten im Euroraum ab.

Bei der Amtsübergabe im Mai 2012 hatte Hollande seinen Vorgänger nicht einmal bis zum Auto begleitet und auf der Treppe verabschiedet, wie einen x-beliebigen Besucher, der sich aus dem Staube machen muss. Die Konservativen schäumten vor Wut und sprachen von beispielloser Stillosigkeit. Bis der Hintergrund heraus kam: Bei einem Gespräch unter vier Augen hatte Sarkozy seinem Nachfolger eröffnet, dass er alle Post vernichtet habe, die bereits für ihn eingetroffen sei.

Später machte Hollande auch in der Öffentlichkeit Witze über seinen Vorgänger. Bei einem Ausstellungsbesuch fragte er ein Kind, das ihn begeistert begrüßte, welche Politiker es denn noch kenne. „Nicolas Sarkozy“ sagte das Mädchen, und Hollande antwortete wie aus der Pistole geschossen: „Nun meine Kleine, den wirst Du wohl nicht mehr wiedersehen.“

Kommentare (1)

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Ofelas

10.12.2013, 07:43 Uhr

" Das bringt den Ex-Präsident zurück unter die Großen."


in wahrsten Sinne des Wortes

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