Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

08.12.2015

20:21 Uhr

Saudi-Arabien und der Terror

Falsche Freunde

VonMartin Gehlen

Saudi-Arabien predigt und exportiert einen radikalen Islam ähnlich dem der Terrormiliz IS. Dabei ist der Westen im Kampf gegen den IS auf Riad angewiesen. Besonders ein Mitglied der saudischen Königsfamilie macht Sorgen.

Der König Saudi-Arabiens (l.) erweist sich inmitten der Probleme mit dem IS als wenig hilfreich. ap

König Salman

Der König Saudi-Arabiens (l.) erweist sich inmitten der Probleme mit dem IS als wenig hilfreich.

KairoOffiziell kämpfen an der Seite des Westens gegen den Terror, inoffiziell fördern sie ihn: Die beiden sunnitischen Regionalmächte Türkei und Saudi-Arabien rücken nach den Attentaten von Paris in den außenpolitischen Fokus Europas. Der Ton wird gereizter, der Unmut wächst. Durch löchrige Grenzen, Dschihadisten-Transfer, Rohölschmuggel und Bombenangriffe auf kurdische Einheiten fördert das Nato-Mitglied Türkei den IS.

Vor allem Riads Salafisten-Mission – die Unterstützung von Salafisten auch in Deutschland – wiederum schuf den Nährboden für eine weltweite Radikalisierung. Nur so ist auch der Zustrom von IS-Rekruten aus mehr als 100 Nationen nach Syrien und Irak erklärbar.

Die Repressionen des saudischen Ölimperiums gegen Menschenrechtler und Blogger empört rund um den Globus. Der im März vom Zaun gebrochene Krieg im Jemen öffnete dem IS erstmals die Tür zur Südspitze der Arabischen Halbinsel. Der Terrorrivale al-Kaida dort ist ebenfalls stärker als je zuvor. Mit der Hafenstadt Mukalla und der Südprovinz Abyan beherrschen seine Kämpfer jetzt ein eigenes Kalifat.

Parteien und Bündnisse bei Parlamentswahl in Ägypten

Wegen der Liebe für Ägypten

Teil der Koalition sind unter anderem liberale Kräfte - die Wafd-Partei sowie die Freie Ägyptische Partei. Sie gilt als das Al-Sisi-Bündnis, auch wenn der Staatspräsident betont, niemanden zu unterstützen. Für die Koalition treten viele bekannte Kandidaten an, unter ihnen Geschäftsleute, ehemalige Minister und Richter.

Nur-Partei

Als einzige zur Wahl stehende islamistische Gruppierung trauen einige Experten der „Partei des Lichts“ zu, viele Sitze im neuen Parlament zu ergattern. Die Salafisten bieten der Regierung statt der Stirn lieber die Zusammenarbeit an. Wohl auch, um nicht das gleiche Schicksal zu erleiden wie die verbotenen Muslimbrüder.

Ägyptische Front

Ihre Mitglieder sind eng verbandelt mit dem Mubarak-Regime, dessen Sturz 2011 einige von ihnen als amerikanisch initiierte Verschwörung betrachten.

Call of Egypt

Das im Dezember 2014 gegründete Bündnis aus 17 Parteien und jungen Bewegungen positioniert sich nach eigener Aussage gegen die Interessen der Geschäftswelt und setzt sich für den Erhalt von Subventionen ein. Sie lehnt die salafistische Nur-Partei ab.

Und so bescheinigte der Bundesnachrichtendienst (BND) dem superreichen Wüstenstaat Saudi-Arabien vergangene Woche eine „impulsive Interventionspolitik“, die die Stabilität der Golfregion gefährde. Vizekanzler Sigmar Gabriel legte am Sonntag nach und warf Saudi-Arabien vor, islamischen Extremismus zu exportieren. Man sei zur Lösung der regionalen Konflikte zwar auf Saudi-Arabien angewiesen, sagte Gabriel der Bildzeitung. „Wir müssen den Saudis aber zugleich klarmachen, dass die Zeit des Wegschauens vorbei ist.“

Umstritten ist vor allem der junge Vizekronprinz Mohammed bin Salman, der Lieblingssohn des Königs. Als Verteidigungsminister spielt er eine zentrale Rolle bei der neuen forschen Linie. In politischen Kreisen in Riad, aber auch in Teilen der Königsfamilie ist wenig Gutes zu hören über den Aufsteiger, der als einziger der Führungsriege nicht im Ausland studierte.

Anti-Terror-Kampf: Gabriel warnt Saudis vor Finanzierung von Islamismus

Anti-Terror-Kampf

Gabriel warnt Saudis vor Finanzierung von Islamismus

Der BND wird für eine kritische Analyse zur Rolle Saudi-Arabiens in der Krisenregion von der Regierung abgewatscht. Doch nun nimmt der Vizekanzler das Golfkönigreich ins Visier – und warnt vor Islamismus-Export.

Er gilt als hyperehrgeizig, skrupellos, impulsiv und arrogant. Zusammen mit Innenminister und Kronprinz Mohammed bin Nayef steuert der 30-Jährige die Geschicke des Landes, während dem fragilen und kränkelnden 79-jährigen König Salman die Zügel offenbar entgleiten.

Kronprinz Nayef gilt als „Terroristenfresser“ und Verfechter eines harten Kurses im Inneren – gegen Extremisten, Bürgerrechtler, Kritiker des Königshauses und schiitischen Aktivisten gleichermaßen. Ungeachtet internationaler Kritik ließ er in diesem Jahr die Hinrichtungen auf öffentlichen Plätzen verdoppeln, ihre Zahl kletterte so hoch wie seit zwanzig Jahren nicht mehr. Parallel dazu streuen regimenahe Zeitungen derzeit Gerüchte, eine Massenexekution von 50 Terroristen, Oppositionellen und schiitischen Verurteilten stehe unmittelbar bevor.

Kommentare (3)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Herr Jürgen Dannenberg

08.12.2015, 20:34 Uhr

"Saudi-Arabien predigt und exportiert einen radikalen Islam ähnlich dem der Terrormiliz IS".
Ach, jetzt auf einmal diese Einsicht, diese Weisheit. Das" Pack" wusste es längst - seit Jahren. Bloß die Merkel Regierung bis dato nicht.

Herr Peter Westermann

09.12.2015, 07:15 Uhr

Die wusste das sicher auch! Ganz blöd ist der Verein nun auch nicht.

Nur durfte oder wollte er es nicht wissen.

Herr Hans Mayer

09.12.2015, 08:28 Uhr

Der Kriegsnobelpreisträger und der Vertreter der Kopfabschneiderreligion,
Wir haben die ganz falschen "Freunde", es fehlen eigentlich nur noch der Türkensultan, dann wären die Hauptverantwortlichen für das Weltelend alle auf einem Bild dargestellt.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×