Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

20.10.2016

15:28 Uhr

Saudi-Arabien wirbt in Hamburg

Der saudische Wirtschaftsfrühling

VonChristoph Kapalschinski

Saudi-Arabien präsentiert dem deutschen Mittelstand: In Hamburg wirbt das Land für sich als Top-Standort für die Modernisierung. Ex-Bundespräsident Christian Wulff will zwischen den Kulturen vermitteln.

Der Kingdom Centre Tower in Riad steht für das moderne Saudi-Arabien. Reuters

Saudi-Arabiens Hauptstadt Riad

Der Kingdom Centre Tower in Riad steht für das moderne Saudi-Arabien.

HamburgLina AlMaeenas Geschichte könnte so oder so ähnlich fast überall auf der Welt ablaufen: Die Uni-Absolventin findet nach der Geburt ihrer ersten Tochter keinen Kitaplatz. Also entscheidet sie sich, von zu Hause aus ein Unternehmen zu gründen: einen Sportclub für Frauen. Zehn Jahre später hat sie über 500 Freizeitsportlerinnen in der Kartei, verkauft eine eigene kleine Sportmode-Kollektion und macht über eine halbe Million Dollar Umsatz. Was die Geschichte überraschend macht: Die Unternehmerin trägt ein locker über die Haare geworfenes Kopftuch, denn sie kommt aus Saudi-Arabien – ein Land, in dem sich Frauen noch vor wenigen Jahren kaum sportlich betätigen durften.

Das Erdöl-Land wirbt am heutigen Donnerstag in Hamburg auf einem Wirtschaftsforum für seinen neuen Kurs – gemeinsam mit dem Euro-Mediterran-Arabischen Länderverein (EMA). Schließlich hat sich das Land eine „Vision 2030“ verordnet. Damit will es seine Wirtschaft unabhängiger vom Erdöl machen, den Mittelstand und Frauen stärken – und Investoren auch aus Deutschland locken.

Die Geschichte von AlMaeena passt gut ins Bild. „Eine Vision ohne einen Aktionsplan ist ein Tagtraum. Aber ein Aktionsplan ohne eine Vision ist ein Alptraum“, sagte sie bei dem Wirtschaftsforum im noblen Vier-Jahreszeiten-Hotel. Ihre Botschaft: Nicht nur die eigene unternehmerische Vision geht auf, sondern auch diejenige des Landes. Als Mittelständlerin könne sie gut etwa mit dem Gesundheitsministerium zusammenarbeiten, Bürokratie hemme die Wirtschaft kaum noch. Ihr hilft, dass sogar die Förderung des Breitensportprogramms Teil der Vision 2030 ist.

Vision Saudi-Arabien 2030: Kurswechsel in Riad

Vision Saudi-Arabien 2030

Premium Kurswechsel in Riad

Saudi-Arabien wirft lieb gewonnene Traditionen über Bord: Das Land verschuldet sich und arbeitet an Alternativen zur Ölwirtschaft: Weg vom Öl, hin zu Tourismus und Kultur. Deutschland könnte davon profitieren.

Hinter dem Hamburger Wirtschaftsforum steht auch Christian Wulff. Der ehemalige Bundespräsident ist seit 2014 Präsident des Hamburger Vereins EMA. „Ich glaube, dass man durch zwischenmenschliche Kontakte Konflikte aufbrechen kann“, sagte er dem Handelsblatt. So könne ein Austausch Wandel in der arabischen Welt befördern – und Verständnis in Deutschland erzeugen.

Wulff sieht sich dabei auch als Türöffner für den Mittelstand – etwa bei Delegationsreisen. „Die großen Konzerne wissen sich dagegen in der Region selbst zu helfen“, sagte er. Wulff, der in Hamburg eine Anwaltskanzlei hat, reist inzwischen etwa dreimal im Jahr in die Region. „Mein Steckenpferd ist Tunesien“, sagte er. Er hoffe, dass sich die junge Demokratie zu einem Vorbild für andere Staaten in der Region entwickeln könne. Zugleich mache auch Saudi-Arabien Hoffnung – schließlich reformiere die Regierung die Bildung und bereite so Mittelstand und Frauen neue Chancen.

Kommentare (7)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Account gelöscht!

20.10.2016, 15:40 Uhr

Eigentlich ist es für Saudi Arabien eine Bankrott Erklärung an die Leistungsfähigkeit seiner eigenen Gesellschaft. Seit Jahrzehnten schwimmen die Saudis und andere Arbischen Stämme in Oel = Geld und haben seitdem es nicht im geringsten fertig gebracht eine eigene Wissenschaftsakademie, Forschungs- und Entwicklungselite hervorzubringen.
Die Araber und Saudis müssen immer noch auf das Wissen, die Leistungsfähikgkeit und den Ideenreichtum der Deutschen, Europäer und Amerikaner zurückgreifen.

Saudi Arabien hält lieber an der Tradition des Koran/Religion fest als seine Gesellschaft zu einer aufgeklärten Wissens- und Fortschrittsgesellschaft zu führen.

Sowas Rückständiges und Rückgratloses wie die Saudis-Araber muss man erst einmal finden.
Die seit Jahrzehnten in Geld und Reichtum schwimmen aber an der eigenen Aufklärung, Fortschritt und Erfingungen/Ideen so Arm sind.

Account gelöscht!

20.10.2016, 17:44 Uhr

Wer braucht denn " Online-Dating-Portale " wenn es Muckibuden zum Eisen biegen für uns Männer und für die Ladys den Knack-Po zum trainieren gibt ?

Wenn ich Lust habe auf Spielbank, dann mache ich das ja auch nicht Online am PC. Sondern ziehe mir einen eleganten Smoking an, fahre nach Wiesbaden und verbinde das Ganze mit einem Besuch im Gourmetrestaurant Ente und einer Übernachtung im Nassauer Hof.

Frau Andrea Kohl

21.10.2016, 14:31 Uhr

Es ist gut zu sehen Saudi-Frauen stehen und sprechen über Sport-und unternehmerische Fähigkeiten.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×