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26.01.2016

06:58 Uhr

Saudi Arabiens König Salman

Herrscher der harten Hand

Ein härter Kurs gegen den Iran, Reformen im eigenen Land und der Sohn als Thronfolger: König Salman von Saudi Arabien stellt das sunnitische Land bereits im ersten Amtsjahr auf den Kopf – und scheut dabei kein Risiko.

Saudi-Arabiens König und Premierminister geht auf Konfrontationskurs mit dem Iran. AFP

König Salman

Saudi-Arabiens König und Premierminister geht auf Konfrontationskurs mit dem Iran.

RiadNur wenige Stunden nach seiner Thronbesteigung vor einem Jahr kündigte der saudi-arabische König Salman tiefgreifende Veränderungen in der Sicherheits- und Wirtschaftspolitik sowie der Thronfolgeregelung an. Unverzüglich zog er zwei Söhne seines Vorgängers Königs Abdullah von Gouverneursposten ab und schaffte zwölf Regierungskomitees und -räte ab. Seinen damals 29-jährigen Sohn machte er zum Verteidigungsminister und Führungsmitglied in zwei neuen Ausschüssen zur Sicherheits- und Wirtschaftspolitik.

König Abdullah hatte Saudi-Arabien zehn Jahre lang regiert. Er starb im vergangenen Jahr am 23. Januar im Alter von 90 Jahren. Sein Halbbruder Salman, der Mitte 80 sein soll, folgte ihm noch am selben Tag auf den Thron. Seither verfolgt das Land eine deutlich aggressivere Haltung gegenüber dem langjährigen Erzrivalen Iran: Saudi-Arabien führt eine Militärkoalition zur Bekämpfung von mit dem Iran verbündeten Aufständischen in Jemen an und setzte sich vergeblich gegen das internationale Atomabkommen mit dem Iran ein.

Innenpolitisch nahm Salman Wirtschaftsreformen in Angriff, um die Folgen des Verfalls der Ölpreise abzufedern. Zudem konzentrierte er noch mehr Macht in den Händen seines Sohns, Verteidigungsminister Mohammed bin Salman.

Die Regionalmacht Saudi-Arabien

Öl

Dank seiner riesigen Ölvorkommen ist Saudi-Arabien das reichste Land der arabischen Welt. Das islamisch-konservative Königreich besitzt etwa 16 Prozent aller weltweit nachgewiesenen Erdölvorkommen und ist größter Exporteur des Rohstoffs. Das Geld aus den Einnahmen nutzt Riad, um sich mit Hilfe von Scheckbuchdiplomatie Einfluss zu erkaufen. So stützt Saudi-Arabien etwa mit Milliarden das Regime des ägyptischen Präsidenten Abdel Fattah al-Sisi.

Volkswirtschaft

Unter den arabischen Ländern ist die Golfmonarchie nicht nur die größte Volkswirtschaft, sondern mit Abstand die einflussreichste Regionalmacht. So dominiert Riad die Arabische Liga und den Golfkooperationsrat (GCC). Mitte Dezember verkündete Vize-Kronprinz Mohammed Bin Salman außerdem die Gründung eines „islamischen Militärbündnisses“, zu dem 34 überwiegend muslimische Staaten zählen.

Strategischer Partner

Wegen der Ölvorkommen und des saudischen Einflusses auf die Region betrachtet der Westen das Land als wichtigen strategischen Partner. Die Lage in der von dem Herrscherhaus der Sauds regierten Monarchie ist zudem vergleichsweise stabil. Die arabischen Aufstände überstand Saudi-Arabien ohne größere Verwerfungen.

Politische Ausrichtung

Im Konflikt mit dem schiitischen Erzrivalen Iran ist die Außenpolitik des sunnitischen Königreichs seit dem Amtsantritt von König Salman vor einem Jahr jedoch deutlich aggressiver geworden. Eine von Saudi-Arabien geführte Allianz fliegt Luftangriffe gegen schiitische Huthi-Rebellen im Bürgerkriegsland Jemen. Zudem unterstützt Riad syrische Rebellen, um Machthaber Baschar al-Assad zu stürzen.

Von den Verbündeten Saudi-Arabiens wurde Salmans Politik öffentlich bislang kaum kritisiert, doch in einer im Dezember vom Bundesnachrichtendienst (BND) veröffentlichten Analyse wurden Sorgen laut. Der König und sein Sohn wollten sich als Anführer der arabischen Welt profilieren, hieß es.

Die bisherige vorsichtige diplomatische Haltung der älteren Führungsmitglieder der Königsfamilie werde durch eine impulsive Interventionspolitik ersetzt. Das Königreich sei bereit, beispiellose militärische, finanzielle und politische Risiken einzugehen. Zudem berge die wirtschafts- und außenpolitische Machtkonzentration in den Händen von Mohammed bin Salman die latente Gefahr, dass andere Königshausmitglieder, die Bevölkerung oder alliierte Staaten der Region mit Unmut reagierten.

In der Regierungspresse wird Salmans Führungsstil dagegen als „entscheidungsfreudig“ beschrieben. Gregory Gause, Leiter des Fachgebiets Internationale Angelegenheiten an der texanischen A&M-Universität, sagt, Salman habe sich als sehr risikofreudig erwiesen. Zwar habe auch Abdullah den Einfluss des überwiegend schiitischen geprägten Irans begrenzen wollen, doch sei es Salman gewesen, der Kampfflugzeuge und Bodentruppen entsandte, um die schiitischen Rebellen zu bekämpfen, die die international anerkannte Regierung Jemens ins Exil gezwungen hatten. In dem Konflikt kamen seit März 5800 Menschen ums Leben, mehr als 80 Prozent der jemenitischen Bevölkerung fehlt es laut Hilfsorganisationen an Nahrungsmitteln und Wasser.

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