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07.03.2017

09:09 Uhr

Save the Children Studie

Toxischer Stress für Kinder in Syrien

Der jahrelange Bürgerkrieg in Syrien fordert seinen Tribut: Viele hier lebende Kinder leiden auf Grund ihres toxischen Umfeldes an schweren psychischen Erkrankungen. Ist eine Genesung möglich?

Dinge mit denen Kinder in Syrien tagtäglich konfrontiert werden. Nicht ohne schwerwiegende Folge, wie eine jüngste Studie der Save the Children Hilfsorganisation zeigt. obs

Gewalt, Zerstörung, Tod

Dinge mit denen Kinder in Syrien tagtäglich konfrontiert werden. Nicht ohne schwerwiegende Folge, wie eine jüngste Studie der Save the Children Hilfsorganisation zeigt.

BeirutIn Syrien leiden einer Studie zufolge zahlreiche Kinder nach sechs Jahren Bürgerkrieg unter schwersten seelischen Schäden. Diese dürften noch über Jahrzehnte nachwirken und zu vermehrten Depressionen und Herzerkrankungen im Erwachsenenalter führen, ergab die am Dienstag vorgelegte Untersuchung der Hilfsorganisation Save the Children. Demnach sind eine Reihe von Symptomen zu beobachten: Diese reichen von Schlafmangel über Selbstverletzungen bis hin zu Suizidversuchen. Manche Kinder hätten ihre Sprachfähigkeit verloren.

Die Autoren befragten mehr als 450 Kinder, Eltern, Lehrer und Psychologen, vor allem in von Rebellen besetzten Gebieten. Die meisten Kinder zeigten Anzeichen von starkem seelischem Leid. Zwei Drittel von ihnen hätten geliebte Menschen verloren, seien Bombardements ausgesetzt gewesen oder verletzt worden. "Ihre Freunde und Familien starben vor ihren Augen oder wurden unter den Trümmern ihrer Häuser begraben", heißt es in dem Bericht. Vielen fehle es an psychologischer Unterstützung, da die Eltern selbst mit der Situation kaum zurechtkämen.

Die wichtigsten Parteien im syrischen Bürgerkrieg

REGIME

Die syrische Armee kontrolliert noch immer die meisten großen Städte wie Damaskus, Homs, Teile Aleppos sowie den Küstenstreifen. Unterstützt werden die Anhänger von Präsident Baschar al-Assad von der libanesischen Schiiten-Miliz Hisbollah sowie von iranischen Kämpfern. Zudem fliegt die russische Luftwaffe Angriffe in Syrien.

ISLAMISCHER STAAT (IS)

Die Terrormiliz verlor in den vergangenen Monaten einige ihrer Gebiete an das Regime und die Kurden und befindet sich in der Defensive. Die Dschihadisten kontrollieren aber immer noch große Teile des Landes im Norden und Osten, vornehmlich Wüstengebiete.

KURDISCH GEFÜHRTE KRÄFTE

Mit Hilfe der US-Luftwaffe konnte ein Bündnis unter Führung der kurdischen Volksschutzeinheiten YPG den IS aus großen Gebieten im Norden Syriens zurückdrängen. Die Kurden kooperieren mit dem Regime, aber auch mit dessen Gegnern. Zuletzt kam es jedoch in der nordöstlichen Stadt Hasaka zu ungewöhnlich heftigen Zusammenstößen mit syrischen Regierungstruppen. Die Türkei ist ein erklärter Gegner der Kurden. Sie befürchtet angesichts eines mehr als 400 Kilometer langen Gebietes unter kurdischer Kontrolle an seiner Südgrenze Unabhängigkeitsbestrebungen der türkischen Kurden.

DSCHAISCH AL-FATAH

Dabei handelt es sich um ein Bündnis verschiedener moderater und radikaler Gruppen, darunter die dschihadistische Miliz Fatah al-Scham. Teil von Dschaisch al-Fatah sind auch die islamistische Miliz Ahrar al-Scham und Brigaden, die sich als Teil der moderaten Freien Syrischen Armee (FSA) sehen. Das Bündnis beherrscht im Nordwesten Syriens die Provinz Idlib. Einige der islamistischen Rebellen sollen Saudi-Arabien und Katar nahestehen.

AHRAR AL-SCHAM

Die islamistische Miliz ist neben Fatah al-Scham die wichtigste Kraft des Rebellenbündnisses Dschaisch al-Fatah. Sie gibt sich pragmatischer und weniger radikal als der Al-Kaida-Ableger. Die Türkei gilt als wichtige Unterstützerin der Miliz.

FREIE SYRISCHE ARMEE (FSA)

Die FSA ist keine Armee im eigentlichen Sinne, es gibt auch keine einheitliche Führung. Mehrere moderate Gruppen rechnen sich ihr jedoch zu. Stark sind diese im Nordwesten, wo sie auch zu dem Rebellenbündnis Dschaisch al-Fatah gehören, sowie im Süden.

Im syrischen Bürgerkrieg starben bislang Hunderttausende Menschen. Mehr als elf Millionen verloren ihr Zuhause. Es kam zur schwersten Flüchtlingskrise weltweit. Der Studie zufolge zeigen die meisten Kinder eine erhöhte Aggressivität oder Symptome einer sogenannten posttraumatischen Belastungsstörung. Manche seien gezwungen gewesen, sich bewaffneten Gruppen anzuschließen, um ihr Überleben zu sichern. Mädchen seien mitunter bereits im Alter von zwölf Jahren verheiratet worden.

Von

rtr

Kommentare (1)

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Herr Holger Narrog

07.03.2017, 11:24 Uhr

Das hat die Generation meiner Eltern auch nicht anders erlebt...

Auch in Deutschland gab es einen jahrelangen Bombenkrieg gegen die Zivilbevölkerung. Viele Kinder mussten die Gefechte der zurückweichenden Wehrmacht erleben. Sie wurden "befreit" (politisch korrekter Ausdruck) und die Kinder mussten vielfach die "Befreiung" erleben wobei deren Eltern dann zu "Erlebenden" (politisch korrekter Ausdruck) wurden.

Dennoch hatte ich den Eindruck das diese Generation vernünftiger und produktiver war als die Folgegeneration ist.

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