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04.04.2013

13:04 Uhr

Scharfe Kritik an Euro-Retter

Zyperns Ex-Finanzminister rechnet ab

Die Euro-Partner haben Zypern unfair behandelt, kritisiert der gerade aus dem Amt geschiedene zyprische Finanzminister. Michael Sarris lässt kein gutes Haar an den Geldgebern. Hausgemachte Fehler räumte er aber auch ein.

Zyperns ehemaliger Finanzminister Michael Sarris wählt harte Worte gegen die Euro-Retter. dpa

Zyperns ehemaliger Finanzminister Michael Sarris wählt harte Worte gegen die Euro-Retter.

NikosiaDer gerade aus dem Amt geschiedene zyprische Finanzminister Michael Sarris hat die Geldgeber trotz der zehn Milliarden Euro umfassenden Hilfen für sein Land scharf kritisiert. Die Euro-Partner hätten die Mittelmeer-Insel unfair behandelt, erklärte Sarris im Gespräch mit der Nachrichtenagentur Reuters. Eine Korrektur ohne die gewaltigen negativen Auswirkungen auf die zyprische Wirtschaft wäre möglich gewesen. Es wird erwartet, dass die Wirtschaft allein dieses Jahr um satte acht Prozent und nächstes Jahr um weitere drei Prozent schrumpft. Frühestens 2015 wird wieder mit einem kleinen Wachstum gerechnet. Gleichzeitig räumte er hausgemachte Probleme ein. „Es gab exzessives Wachstum bei den Bank-Krediten und den Ausgaben der Regierung.“

Sarris war am Dienstag nach nur fünf Wochen im Amt zurückgetreten. Er hatte zusammen mit Präsident Nikos Anastasiades das Rettungspaket mit der EU und dem Internationalen Währungsfonds (IWF) ausgehandelt, das im Gegenzug für die zehn Milliarden Euro eine radikale Schrumpfkur des Finanzsektors vorsieht. Die zweitgrößte Bank des Landes, die Laiki, wird geschlossen. Reiche Kunden der Bank of Cyprus, des größten Instituts des Landes, werden zudem als Beitrag zur Sanierung teilweise enteignet. Sarris hatte sich über Tage vergeblich um neue Hilfen aus Moskau bemüht. Viele Russen haben ihr Vermögen in Zypern angelegt.

Welche Euro-Staaten das Zypern-Virus in sich tragen

Slowenien

Laut dem Internationalen Währungsfonds (IWF) haben slowenische Banken etwa sieben Milliarden Euro an faulen Krediten in ihren Büchern stehen - eine Summe, die 20 Prozent des BIP des Landes ausmacht. Seit Monaten wird daher regelmäßig darüber spekuliert, ob der Adria-Staat als nächstes Land unter den Euro-Rettungsschirm flüchten müsse; im vergangenen Sommer waren die Anzeichen dafür besonders akut.

Wie gefährdet ist der Staat?

Slowenien hat eine Reihe von Maßnahmen ergriffen, die dem Land mehr Luft an den Finanzmärkten verschafften. So wurde eine Bad Bank beschlossen, in die toxische Papiere der Banken ausgelagert werden sollen. Die Ratingagentur Fitch sah in ihrem jüngsten Länderblick auf Slowenien von vor wenigen Tagen daher nicht mehr unmittelbar das Risiko, dass die frühere jugoslawische Teilrepublik internationale Finanzhilfe beantragen muss. Unter einer Voraussetzung: dass die neue Mitte-Links-Regierung in Ljubljana den Reformkurs fortsetzt und den Bankensektor noch stärker an die Kandare nimmt. Vor allem müsse die Rekapitalisierung der Banken vorangetrieben werden. In Slowenien wird im zweiten Jahr in Folge in 2013 mit einer Rezession gerechnet.

Luxemburg

Der Kleinstaat gilt eigentlich als wirtschaftlich grundsolide, die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) bescheinigte ihm in einem Bericht vom Dezember das höchste Pro-Kopf-Einkommen der OECD-Staatengruppe. Zudem sei Luxemburg vergleichsweise gut durch die Finanz- und Wirtschaftskrise gekommen. Doch die OECD mahnte auch, dass das Land trotz bereits umgesetzter Regulierungen im Bankenbereich zu stark von seinem riesigen Finanzsektor abhängig sei, der ein Drittel des BIP erwirtschaftet - zum Vergleich: Auf Zypern waren es 45 Prozent.Die luxemburgischen Banken gelten freilich als weit seriöser als die zyprischen. Sie litten laut OECD kaum unter der Finanzkrise, weil ihnen als "sicherer Hafen" manche Anlagegelder zuflossen.

Wie gefährdet ist der Staat?

Ein schwere Verschärfung der Eurokrise könnte auch das luxemburgische Geschäftsmodell ins Wanken bringen, die Einlagen bei Banken und Investmentfonds übersteigen das BIP um ein Vielfaches. Das kleine Luxemburg könnte die Banken dann aus eigener Kraft nicht retten - ganz zu schweigen von den internationalen Schockwellen. Allein bei der Rettung der maroden Dexia-Bank gab Luxemburg 2011 eine Garantie von 2,55 Milliarden Euro oder 8,5 Prozent seines Bruttosozialproduktes ab.

Malta

Der winzige Inselstaat im Mittelmeer rühmt sich, die Eurokrise zuletzt weit besser als andere Euroländer überstanden zu haben. Die Arbeitslosigkeit liegt bei lediglich sechs Prozent, das Wachstum erreichte im vergangenen Jahr 1,5 Prozent und das Defizit konnte auf 2,3 Prozent und damit sogar unter die Drei-Prozent-Grenze der EU gedrückt werden.

Wie gefährdet ist der Staat?

Malta wird immer wieder als möglicher Wackelkandidat im Euroraum genannt. Der Grund: Die Entwicklung war vorher über Jahre weit negativer, der Schuldenstand ist immer noch zu hoch und der Finanzsektor ebenfalls viel zu aufgebläht.

Spätestens seit dem Schuldenschnitt für Griechenland waren die zyprischen Banken marode. Die dort stark engagierten Geldhäuser haben zusammen rund 4,5 Milliarden Euro verloren, während andere Großbanken zuvor ihre Hellas-Bestände reduzierten. Sarris sagte, der sogenannte Haircut, der zu schmerzhaften Abschreibungen führte, sei nicht klug gewesen.

Kommentare (4)

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Vicario

04.04.2013, 13:27 Uhr

Zitat : Die Firma betonte zuletzt, dass die Transaktionen nicht anstößig gewesen seien. Sie seien vorgesehen, um Immobiliengeschäfte abzuwickeln.

- Natürlich ist es lukrativer, Immo-Eigentum zu erwerben, als das Geld durch einen CUT zu verlieren....:-) :-)

Für wie dämlich halten die Korruptionäre noch die Welt ?

Phil

04.04.2013, 14:09 Uhr

Die Deutschen bleiben ruhig und lassen sich ausbluten.
Das ist Solidarität.
Unsere Politiker haben scheinbar die Realität aus den Augen verloren.
Schluß damit. Das dt. Volk soll über Europa entscheiden ( nicht nur zahlen). Die Alternative heißt. Eine neue Partei: Alternaive für Deutschland ( mit Volksabstimmungen wie in der Schweiz)

Lilly

04.04.2013, 14:16 Uhr

Zitat aus Artikel: "Es geht dabei unter anderem um zwei verdächtige Überweisungen einer Firma, deren Eigentümer mit dem Präsidenten verwandt sind, von jeweils gut zehn Millionen Euro Anfang März."

Die "Welt" berichtet: ..."Antis and Katia Loutsios, deren Sohn mit der Tochter des Präsidenten verheiratet ist, sollen ihre private Konten am 3. und 4. März geschlossen und sechs Millionen Euro abgezogen haben.

Ihre Firma hat angeblich zehn Tage später weitere 21 Millionen Euro ins Ausland überwiesen. Interessant ist die dritte Privatperson, die ihr Konto bei der Laiki Bank rechtzeitig geschlossen hat.

Laut den Bericht von "Charagvi" ist es der Vorstandschef der russischen Gazprombank, Andrei Akimow. Er soll sein Konto am 6. März gekündigt haben und hat damit wohl zwei Millionen Euro in Sicherheit gebracht. ...

Nach Medieninformationen wurden aus der Laiki Bank insgesamt rund 500 Millionen Euro kurz vor der Entscheidung über die Zwangsabgabe abgezogen." Zitat Ende.

Auch der ukrainische Oligarch Rinat Achmetow soll nach Angaben von "Charagvi" sein Geld in der letzten Minute gerettet haben.

Seine Unternehmen haben in der ersten Märzhälfte 30 Millionen US-Dollar (23,4 Millionen Euro) von den Konten bei der Laiki Bank ins Ausland überwiesen. Die Firmen von Achmetow sind Kunden der Kanzlei des zyprischen Präsidenten "Nicos Chr. Anastasiades&Partners", schrieb die "Financial Times"." Zitat Ende.

Quelle: http://www.welt.de/wirtschaft/article114986653/Gazprombank-Chef-soll-Geld-abgezogen-haben.html

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