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04.07.2017

07:54 Uhr

Scharfe Kritik aus Japan

Nordkorea provoziert mit neuem Raketentest

Nach rund vier Wochen Pause hat Nordkorea erneut ein Geschoss abgefeuert. Die Rakete erreichte offenbar Gewässer der japanischen Wirtschaftszone. US-Präsident Trump und Japans Regierungschef Abe reagierten auf den Test.

Nordkoreas Raketentest

Trump: „China sollte diesen Unsinn ein für alle Mal beenden“

Nordkoreas Raketentest: Trump: „China sollte diesen Unsinn ein für alle Mal beenden“

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SeoulErneut hat Nordkorea eine ballistische Rakete mit mittlerer Reichweite Richtung Japan abgefeuert. Der südkoreanische Stabschef meldete den Test am Dienstag zuerst, anschließend erklärte die japanische Regierung, das Geschoss sei vermutlich in den Gewässern der Wirtschaftszone des Landes im Japanischen Meer (Ostmeer) gelandet. US-Präsident Donald Trump verurteilte Pjöngjangs Vorgehen und kritisierte Machthaber Kim Jong Un.

Die japanische Regierung schätzte, dass der Flugkörper gegen 9.40 Uhr am Dienstagmorgen (Ortszeit) abgefeuert worden und rund 40 Minuten in der Luft gewesen sei – was länger wäre, als bei zuvor ähnlich berichteten Tests. Südkoreanischen Analysten zufolge könnte es sich um eine von zwei Mittelstrecken-Raketen gehandelt haben, die Pjöngjang bereits schon einmal zuvor in diesem Jahr getestet hatte. Der Start sei aus der nördlichen Provinz Nord-Pyongan erfolgt und die Rakete habe rund 930 Kilometer zurückgelegt.

Das nordkoreanische Regime hat Medienberichten zufolge für 8:30 Uhr deutscher Zeit eine „bedeutende Mitteilung“ angekündigt. Möglicherweise gibt Pjöngjang dann weitere Einzelheiten zum erfolgten Raketenabschuss bekannt.

Trump, Nordkorea und Raketen – eine Chronik

28. Januar

Experten berichten, dass Nordkorea den umstrittenen Atomreaktor in Yongbyon wieder in Betrieb genommen habe.

Quelle: dpa

12. Februar

Pjöngjang testet eine ballistische Mittel-Langstreckenrakete. Bei Tausenden Kilometern Reichweite könnte sie einen Atomsprengkopf transportieren. Zur gleichen Zeit besucht der japanische Ministerpräsident Shinzo Abe Trump in Washington.

1. März

Die USA und Südkorea beginnen ihre jährlichen gemeinsamen Militärübungen, die bis zum 30. April dauern sollen.

6. März

Nordkorea feuert vier ballistische Raketen ab – drei davon seien erst in der 200-Seemeilen-Zone vor Japan ins Meer gestürzt, heißt es aus Tokio. Nach Angaben nordkoreanischer Staatsmedien richtet sich die Übung gegen US-Stützpunkte in Japan.

7. März

Die US-Streitkräfte teilen mit, dass mit der umstrittenen Stationierung eines neuen Raketenabwehrsystems in Südkorea begonnen worden sei. Die ersten Elemente des Systems seien eingetroffen.

16.-19. März

Auf seiner Reise nach Japan, Südkorea und China erklärt US-Außenminister Rex Tillerson die bisherige „Politik der strategischen Geduld“ gegenüber Pjöngjang als gescheitert. Zwar sagt er, das Land müsse sich vor den USA „nicht fürchten“, schließt aber ein militärisches Vorgehen prinzipiell nicht aus. Die USA wollten in dem Konflikt enger mit China zusammenarbeiten.

22. März

Das südkoreanische Verteidigungsministerium teilt mit, dass dem nördlichen Nachbarn offensichtlich ein neuerlicher Raketentest misslungen sei. Nach Angaben von US-Medien scheint die Rakete „innerhalb von Sekunden nach dem Start explodiert zu sein“.

2. April

Trump kündigt in einem Interview der „Financial Times“ an, Nordkoreas Atomwaffenprogramm notfalls im Alleingang zu stoppen.

6. April

Beim Besuch des chinesischen Staatschefs Xi Jinping in den USA erklären beide Seiten, dass das nordkoreanische Atomprogramm ein „ernstes Stadium“ erreicht habe.

10. April

China und Südkorea kündigen bei weiteren Raketen- und Atomtests Nordkoreas neue Sanktionen an. Gleichzeitig droht Pjöngjang den USA wegen der Entsendung von Kriegsschiffen mit „härtesten Gegenmaßnahmen“. Die Volksrepublik sei für jede Art von Krieg bereit.

11. Aprl

Trump fordert China auf, seinen Einfluss auf Nordkorea geltend zu machen. „Andernfalls lösen wir das Problem ohne sie.“ Tags darauf lobt er China dafür, Schiffe mit Kohlelieferungen aus Nordkorea zurückgeschickt zu haben. Dies sei ein „großer Schritt“.

16. April

Von Entspannung keine Spur: Kurz vor der Ankunft von US-Vizepräsident Pence in Südkorea schießt Pjöngjang eine Rakete in den Himmel. Da sich Kim Jong-un von Drohungen unbeeindruckt zeigt, ist ein amerikanischer Schlag gegen Nordkoreas Atomanlagen nicht mehr undenkbar.

20. April

Die Anspannung zwischen Nordkorea und den Vereinigten Staaten spitzt erneut sich zu. Während US-Außenminister Rex Tillerson gegen das Atom- und Raketenprogramm vorgehen will, spricht Nordkorea eine letzte Warnung aus und demonstriert in einer Videosimulation anlässlich der Geburtstagsfeier des Staatsgründers Kim Il-sung die Vernichtung der USA durch nordkoreanische Atombomben.
Kurz nach den Kriegsdrohungen ist in Pjöngjang ein US-Bürger in Gewahrsam genommen worden.

Der japanische Chefkabinettssekretär Yoshihide Suga deutete an, dass die Leistung der Rakete die vorheriger überstiegen habe. Die Flughöhe könne höher gewesen sein als zuvor. Auch das US-Pazifik-Kommando meldete, dass es sich um eine Mittelstreckenrakete gehandelt habe, die von Land aus abgeschossen wurde. Das Kommando habe den Abschuss ebenfalls registriert und für 37 Minuten verfolgt.

Der japanische Ministerpräsident Shinzo Abe kritisierte den Raketenstart scharf. Dieser erinnere daran, dass Pjöngjangs Entwicklung von Flugkörpern eine wachsende Bedrohung seien. Abe sagte, noch am Vortag habe er mit Trump über ihre Zusammenarbeit gegen Nordkorea gesprochen.

Der US-Präsident reagierte über Twitter erbost auf den jüngsten Raketentest. „Hat dieser Typ mit seinem Leben nichts Besseres anzufangen?“, schrieb er am Montagabend (Ortszeit) mit Blick auf Machthaber Kim. Trump sah zudem Handlungsbedarf bei China, das den „Unsinn“ vielleicht ein für alle mal beenden werde. Er könne sich zudem nicht vorstellen, dass sich Südkorea und Japan das noch weiter bieten ließen. Zahlreiche Nutzer des Nachrichtendienstes äußerten sich besorgt darüber, dass Nordkorea mit seinen Mittelstreckenraketen neuerer Bauart erstmals auch das US-amerikanische Festland erreichen könnte, unter anderem die Stadt Anchorage in Alaska.

Trumps Tweets im Original

Zunächst war noch unklar, ob es sich um einen Routine-Abschuss handelte oder ob es ein Versuch Nordkoreas war, den Start seiner Langstreckenraketen zu perfektionieren. Trotz verschärfter internationaler Sanktionen baut das Land sein Nuklear- und Raketenprogramm aus. Ziel Nordkoreas ist, eine Langstreckenrakete mit Atomsprengkopf zu entwickeln, die US-Festland erreichen kann.

Der chinesische Botschafter bei den Vereinten Nationen, Liu Jieyi, warnte am Montag, eine weitere Eskalation der Spannungen berge das Risiko, dass Pjöngjang außer Kontrolle geraten könne. „Und die Konsequenzen wären desaströs“, so Liu.

Am vergangenen Freitag hatten sich Moon und US-Präsident Donald Trump darauf verständigt, eine härtere Gangart gegenüber Nordkorea zu fahren. Das Zeitalter der strategischen Geduld mit der nordkoreanischen Führung habe nichts gebracht, sagte Trump. „Ehrlich gesagt, diese Geduld ist vorbei.“ Moon bekräftigte nach dem Treffen mit Trump in Washington, dass beide Staaten entschlossen auf Provokationen aus Nordkorea reagieren würden.

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Wurde der nach seiner Rückkehr in die USA verstorbene Otto Warmbier in Nordkorea gefoltert? Es wäre eine ungeheuerliche Provokation. Doch US-Präsident Trump bleibt nur, auf das Bündnis mit China zu setzen. Ein Kommentar.

Moon hatte nach seiner Amtsübernahme im Mai versucht, die Beziehungen zu Nordkorea zu verbessern, doch das Nachbarland im Norden hat Raketentests seither weiter vorangetrieben. Anfang Juni etwa testete Nordkorea einen neue Rakete, um Kriegsschiffe von potenziellen Feinden anzugreifen. Die staatliche Nachrichtenagentur KCNA hatte anschließend mitgeteilt, die Raketen hätten schwimmende Ziele im Meer „exakt entdeckt und geschlagen“, nach dem sie „kreisförmige Flüge“ vorgenommen hätten. Die Regierung in Pjöngjang habe für die kommenden Stunden eine bedeutende Erklärung angekündigt, berichtete die Agentur weiter.

Kommentare (1)

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Herr Günther Schemutat

04.07.2017, 08:54 Uhr

Für mich ist die UNO nur noch ein Papiertiger und könnte doch der Schlüssel zum Frieden sein wenn die Welt sich einig wäre dieses Instrument richtig stark zu machen. Staaten wie Nord Korea oder Türkei wo Einzeltäter die Nachbarn in Schrecken versetzen, würden anders reagieren wenn eine UNO Streitmacht die den Namen verdient , mit Einmarsch droht. Niemand stellt sich gegen die ganze Welt , selbst der Irrste wird dann im inneren gestoppt werden. Also wer die UNO
stärkt und starke Verbündete sammelt für eine starke moderne UNO Armee ,
die auch eingesetzt wird, der fördert den Frieden.

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