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07.12.2016

14:50 Uhr

Scharfe Worte in Richtung Russland

Westliche Staaten fordern Bestrafung von Kriegsverbrechern in Syrien

„Es darf keine Straffreiheit für die Täter geben“, forderten sechs westlichen Staats- und Regierungschefs in einer scharf formulierten Erklärung. Ihre Worte richten sich nicht nur an Assad – sondern direkt an Russland.

Krieg in Syrien

Syrische Armee erobert gesamte Altstadt von Aleppo

Krieg in Syrien: Syrische Armee erobert gesamte Altstadt von Aleppo

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Aleppo/BerlinDie sechs wichtigsten westlichen Industrieländer haben angesichts der katastrophalen Situation in der umkämpften syrischen Stadt Aleppo einen sofortigen Waffenstillstand gefordert, um den betroffenen Menschen helfen zu können. „Eine humanitäre Katastrophe spielt sich vor unseren Augen ab“, beklagten die Staats- und Regierungschefs von Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Italien, Kanada und den Vereinigten Staaten in einer gemeinsamen Erklärung vom Mittwoch. Das dringlichste Ziel bleibe ein sofortiger Waffenstillstand. Für Kriegsverbrecher in Syrien dürfe es keine Straffreiheit geben. Die Schuldigen müssten zur Verantwortung gezogen werden. „Wir sind bereit, zusätzliche restriktive Maßnahmen gegen Einzelpersonen oder Institutionen, die für das syrische Regime oder in dessen Namen handeln, in Betracht zu ziehen.“

Zugleich übten die sechs Staats- und Regierungschefs heftige Kritik an der syrischen Führung und vor allem ihrem russischen Verbündeten. „Wir verurteilen das Vorgehen des syrischen Regimes und seiner ausländischen Unterstützer, insbesondere Russlands, zur Verhinderung humanitärer Hilfslieferungen und verurteilen auf das schärfste die Angriffe des syrischen Regimes auf zivile und medizinische Einrichtungen sowie den Einsatz von Fassbomben und chemischen Waffen.“

Wer kämpft gegen wen in Syrien?

Regime

Anhänger von Präsident Baschar al-Assad kontrollieren weiter die meisten großen Städte wie Damaskus, Homs, Teile Aleppos sowie den Küstenstreifen am Mittelmeer. Syriens Armee hat allerdings viele Soldaten verloren und wird vor allem durch russische Kampfjets, iranische Kämpfer und die Schiitenmiliz Hisbollah unterstützt. Auch Verbände aus Afghanistan und dem Irak sollen aufseiten des Regimes kämpfen.

Islamischer Staat (IS)

Die Terrormiliz hat in den vergangenen Monaten große Teile ihres Gebietes verloren, herrscht aber immer noch in vielen Städten entlang des Euphrats und in Zentralsyrien.

Rebellen

Unzählige Rebellengruppen kämpfen in Syrien - von moderaten Gruppen, die vom Westen unterstützt werden, bis zu radikalen Islamisten, wie der früheren Nusra-Front. Immer wieder gehen die verschiedenen Truppen zeitweise Zweckbündnisse ein.

Kurden

Kurdische Streitkräfte beherrschen mittlerweile den größten Teil der Grenze zur Türkei. Sie sind ein wichtiger Partner des Westens im Kampf gegen den IS. Sie kämpfen teilweise mit Rebellen zusammen, kooperieren aber auch mit dem Regime in Damaskus.

Die USA und der Westen

Washington führt den Kampf gegen den IS an der Spitze einer internationalen Koalition. Kampfjets fliegen täglich Angriffe. Beteiligt sind unter anderem Frankreich und Großbritannien. Deutschland stellt unter anderem sechs Tornados für Aufklärungsflüge.

Russland

Seit einem Jahr fliegt Russlands Luftwaffe Angriffe in Syrien und steht an der Seite von Machthaber Assad. Russland bekämpft offiziell den IS, greift aber den Angaben zufolge immer wieder auch moderate Rebellengruppen an, die Seite an Seite mit Dschihadisten kämpfen.

Iran

Teheran ist der treueste Unterstützer des Assad-Regimes. Nach Angaben Teherans sind Mitglieder der iranischen Revolutionsgarden als militärische Berater der syrischen Armee im Einsatz.

Saudi-Arabien und die Türkei

Riad und Ankara sind wichtige Unterstützer von Rebellen. Sie fordern den Sturz Assads. Saudi-Arabien geht es darum, den iranischen Einfluss zurückzudrängen. Der Iran ist der saudische Erzrivale im Nahen Osten. Die Türkei will eine größere Selbstbestimmung der Kurden in Nordsyrien verhindern.

Die syrische Führung müsse den Vierpunkteplan der Vereinten Nationen für Aleppo akzeptieren, heißt es in der Erklärung. „Wir fordern Russland und Iran auf, ihren Einfluss auszuüben, dass dies erfolgt.“ Über 200.000 Zivilisten, darunter viele Kinder, seien im Osten Aleppos von der Versorgung mit Nahrungsmitteln und Medizin abgeschnitten. „Die Bilder sterbender Kinder sind herzzerreißend.“

Zuvor am Mittwoch hatten die Rebellen eine sofortige fünftägige Waffenruhe für Aleppo gefordert. Zudem müssten Zivilisten in Sicherheit gebracht werden, hieß es in einer Erklärung der Rebellen am Mittwoch. Die Aufständischen riefen ferner zu Verhandlungen über die „Zukunft der Stadt“ auf.

Syrische Regierungstruppen hatten am Morgen nach Angaben von Aktivisten die gesamte Altstadt Aleppos eingenommen. Die letzten Rebellen seien aus der Altstadt abgezogen, nachdem die Armee die Nachbarbezirke Bab al-Hadid und Akjul eingenommen habe, teilte die oppositionsnahe Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte am Mittwoch mit. Beide Viertel liegen nördlich der alten Zitadelle im Herzen von Alt-Aleppo.

Die in Großbritannien ansässige Organisation ist in Syrien breit vernetzt, ihre Angaben können von unabhängiger Seite aber kaum überprüft werden. Seit Tagen erobern die Regierungstruppen ein Viertel Aleppos nach dem anderen. Der Osten Aleppos hat sich seit 2012 in Rebellenhand befunden. Bereits am Dienstag hatten die Armee und ihre Verbündeten das strategisch wichtige Viertel Al-Schaar eingenommen.

Uno-Resolution: Russland und China blockieren Syrien-Feuerpause

Uno-Resolution

Russland und China blockieren Syrien-Feuerpause

Zu einer von den Vereinten Nationen geforderten Waffenruhe im syrischen Aleppo kommt es vorerst nicht. Sieben Tage sollte die Feuerpause dauern, doch Russland und China verhindern mit ihrem Veto die Resolution.

Seit dem Beginn der Offensive der Regierungstruppen und ihrer Verbündeten im November haben die Rebellen nach Angaben der Menschenrechtler mehr als 70 Prozent ihres bisherigen Gebiets in Ost-Aleppo verloren. Die frühere Handelsmetropole zählt im fast sechs Jahre dauernden Bürgerkrieg zu den umkämpftesten Gebieten. Heftige Gefechte und Luftangriffe haben eine Massenflucht in Ost-Aleppo ausgelöst.

Die Menschenrechtsbeobachter erklärten, seit Mitte November hätten rund 80.000 Menschen ihre Häuser in den Rebellengebieten verlassen. Aus Regierungskreisen hieß es, es gebe Verhandlungen der syrischen und russischen Armee mit Rebellen über einen Abzug der oppositionellen Milizen aus Aleppo. Von Seiten der Rebellen gab es dazu keine Bestätigung. Damaskus will einer neuen Waffenruhe erst zustimmen, wenn die bewaffneten Regimegegner Aleppo verlassen haben.

Kommentare (11)

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Herr Vinci Queri

07.12.2016, 10:51 Uhr

>>Die Rebellenmilizen schlugen eine neue fünftägige Feuerpause vor, damit Verletzte und Zivilisten aus der Stadt gebracht werden könnten >>

Die Terroristen hatten vor kurzem die Möglichkeit, durch geschaffenen Korridore die Verletzten, die Zivilisten und die Terroristen selbst aus der Stadt zu bringen. Diese Möglichkeit hat man nicht genutzt und die Zivilisten, die bereit waren, die Kampfgebiete zu verlassen, hat man rücksichtslos ERSCHOSSEN !

Die Feuerpause wird zur Zeit benötigt, um die Militärberater und Söldner der westlichen Koalition ( USA, EUROPA, TÜRKEI, SAUDIS, KATAR ) zu retten.

Nach dem Vorfall mit dem Russischen Krankenhaus werden diese Berater jetzt wohl vernichtet, trotz Geschrei bei der UNO durch die Franzosen und Briten.

Checker- Joe

07.12.2016, 11:59 Uhr

Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte bleiben Sie sachlich.
http://www.handelsblatt.com/netiquette

Herr Hans Mayer

07.12.2016, 12:01 Uhr

Super, es geht voran in Syrien, diese Terroristen, hier bei den Staatsmedien gerne "Rebellen oder gemäßigte Islamisten" bezeichnet haben diese ganze Misere durch die tatkräftige Unterstützung vor allem der USA und Englands sowie der demokratischen Erdölstaaten aus Arabien und dem Sultan der Türkei erst ermöglicht, ja unsere besten Freunde haben da fleissig Öl ins Feuer geschüttet.
Putin ist der einzige der es ernst nimmt mit diesen Terroristen und sie bekämpft wo er nur kann.
Welche Regierung auf der Welt duldet schon eine "Bewaffnete Opposition"?

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