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05.12.2015

16:50 Uhr

Schießerei in San Bernadino

IS nennt Attentat Werk von „Getreuen“

Das FBI geht bei der Schießerei von San Bernadino offiziell von einem Terrorakt aus. Ein Radiosender der Terrormiliz Islamischer Staat nennt den Angriff das Werk von „Getreuen“. Doch viele Fragen bleiben offen.

Nach einer Schießerei mit 14 Toten im kalifornischen San Bernadino, ist das Motiv der Täter weiterhin ungeklärt. AFP

Ermittler warnen vor voreiligen Schlüssen

Nach einer Schießerei mit 14 Toten im kalifornischen San Bernadino, ist das Motiv der Täter weiterhin ungeklärt.

San BernardinoDie US-Bundespolizei geht bei den Schüssen von San Bernardino mit 14 Toten inzwischen von Terrorismus als Motiv aus. „Wir behandeln diese entsetzliche Tat als einen Akt des Terrorismus“, sagte der stellvertretende FBI-Direktor von Los Angeles, David Bowdich, am Freitag am Tatort. Eine Verbindung zur Terrormiliz Islamischer Staat sei jedoch zunächst nicht gefunden worden. „Wir können das aber noch nicht abschließend beantworten“, sagt Bowdich.

Am Mittwoch hatten die Eheleute Syed Farook und Tashfeen Malik in einer Sozialeinrichtung in San Bernardino, Kalifornien, das Feuer eröffnet. 14 Menschen starben, 21 weitere wurden schwer verletzt. Das schwer bewaffnete Paar wurde Stunden später nach einer Verfolgungsjagd von der Polizei erschossen. Farook hatte in der Einrichtung gearbeitet.

Medien berichteten, Tashfeen Malik habe der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) im Internet die Gefolgschaft versprochen haben. CNN zitierte am Freitag Angaben mehrerer Ermittler, die sich wiederum auf einen Facebook-Beitrag der Frau beriefen. Tashfeen Malik habe diesen während oder kurz vor der Attacke abgesetzt und darin IS-Anführer Abu Omar al-Bagdadi ihre Gefolgschaft versprochen. Malik stammt aus Pakistan, das Paar traf sich erstmals in Saudi-Arabien. In ihrem Haus fand die Polizei später ein Waffenarsenal.

Ein von der IS-Miliz betriebenen Hörfunksender verkündete bereits, das Attentat sei von Anhängern der Extremisten verübt worden. „Zwei Getreue des Islamischen Staates haben vor einigen Tagen ein Zentrum in San Bernardino in Kalifornien angegriffen“, berichtete der Sender Al-Bajan am Samstag auf seiner Internet-Seite. Bereits am Freitag hatte die der IS-Miliz nahestehende Nachrichtenagentur Aamak gemeldet, IS-Anhänger wären für den Angriff verantwortlich.

Die US-Bundespolizei FBI hatte zunächst betont, weiter auch ein persönliches Motiv für denkbar zu halten. Farooks Schwager Farhan Khan sagte am Freitag, sein Verwandter sei ein „schlechter Mensch“ gewesen, aber kein Radikaler. Farook und Malik hatten nach Darstellung der Behörden ihre sechs Monate alte Tochter vor der Schießerei bei Verwandten abgegeben. Khan sagte dem Sender NBC, er könne nicht fassen, dass Farook sein Kind im Stich gelassen habe. Er habe die Adoption des Babys beantragt, fügte der Schwager hinzu.

Was wir über das Attentat von San Bernardino wissen

Die Tat

Das Ehepaar Syed Farook und Tashfeen Malik eröffnete am Mittwoch, 2. Dezember, in einer Sozialeinrichtung in San Bernadino, Kalifornien, das Feuer. Farook hatte in der Einrichtung gearbeitet. 14 Menschen starben, 21 weitere wurden schwer verletzt. Nach einer Verfolgungsjagd wurde das Paar von der Polizei in ihrem gemieteten SUV erschossen. Nach Darstellung der Behörden gaben Malik und Farook am Tatort bis zu 75 Schüsse ab, sie ließen außerdem drei Rohrbomben in einem ferngesteuerten Sprengsatz zurück, der allerdings nicht funktionierte. Bei den Leichen fanden sich weitere 1600 Schuss Munition. Zwei bei der Tat verwendete Handfeuerwaffen soll Farook legal besessen haben.

Die Täter

Tashfeen Malik stammte aus Pakistan, Syed Farook wurde in den USA geboren. Kennen lernte sich das Paar über eine Online-Dating Plattform und traf sich im Sommer 2014 in Saudi-Arabien, wo Malik vor der gemeinsamen Übersiedlung in die USA zuletzt gelebt hatte. Ende Juli 2014 reiste Malik in die USA ein, das Paar heiratete einen Monat später. Seit Juli 2015 besaß Malik offenbar eine Greencard, nach Angaben der Anwälte von Farooks Familie soll sie allerdings als „fürsorgliche Hausfrau“ sehr zurückgezogen gelebt und Burka getragen haben. Farook soll regelmäßig am Schießstand trainiert haben, allein in der Wiche vor dem Attentat zwei Mal. Das Paar scheint seine Tat lange geplant zu haben, der SUV mit dem Farook und Malik vor der Polizei flohen und in dem sie schließlich erschossen wurden war gemietet, beide hatten ihre Handys entsorgt und versucht, ihre digitalen Spuren zu verwischen. Im Haus und der Garage fand die Polizei zwölf Rohrbomben und mehr als 4500 Schuss Munition. „Die beiden waren möglicherweise auf dem Weg zu weiteren Angriffen“, erklärte Polizeichef Jarrod Burguan. „Wir haben sie vorher gestellt.“ Das Paar hatte eine sechs Monate alte Tochter.

Das sagen die Medien

Der Fernsehsender CNN zitierte am Freitag mehrere Ermittler, laut denen Tashfeen Malik im Internet Kontakt zu der Terrororganisation Islamischer Staat (IS) gesucht hatte. In einem Facebook-Eintrag soll Malik IS-Anführer Abu Omar al-Bagdadi ihre Gefolgschaft versprochen haben. Die „Los Angeles Times“ zitierte einen Facebook-Sprecher, laut dem das Profil mit dem entsprechenden Beitrag inzwischen gelöscht worden sei. Los Angeles' stellvertretender FBI-Direktor David Bowdich bestätigte den Facebook-Post indirekt. Er machte aber keine Angaben zu dessen Bedeutung für die Ermittlungen: „Wir haben das gesehen, was auch Sie gesehen haben.“

Das sagt die Polizei

Die US-Bundespolizei FBI untersucht die Tat inzwischen offiziell als Terrorakt. „Ab heute, auf Basis dessen was wir bis jetzt wissen, werden wir die Schießerei in San Bernardino, der 14 Menschen zum Opfer gefallen sind und 21 verwundet wurden, als einen Terrorakt behandeln“, erklärte der stellvertretende FBI-Direktor von Los Angeles, David Bowdich am Freitagnachmittag. Zunächst hatten die Ermittler vor „voreiligen Rückschlüssen“ gewarnt und auch einen persönlichen Hintergrund für die Tat nicht ausgeschlossen. Mittlerweile gehen die Ermittler davon aus, dass sich Farook und Malik im Internet radikalisierten. Angebliche Verbindungen zur Terrormiliz IS wollte das FBI, trotz Maliks Facebook-Post, hingegen nicht bestätigen. „Wir haben solche Hinweise derzeit nicht“, erklärte FBI-Direktor James Comey. Die genauen Umstände der Radikalisierung sind allerdings auch einige Tage nach der Tat nicht bekannt.

Farook war als Sohn pakistanischer Einwanderer in Chicago geboren und in Südkalifornien aufgewachsen. Er war nach Angaben von Bekannten gläubiger Muslim. Nach seinem Uniabschluss arbeitete er beim Gesundheitsamt in San Bernardino. 2014 heiratete er nach offiziellen Unterlagen die aus Pakistan stammende Malik. Die Tat vom Mittwoch richtete sich gegen Kollegen Farooks, die in dem Sozialzentrum unter einem Weihnachtsbaum feierten. Der mutmaßliche Schütze soll die Feier vorzeitig verlassen und bewaffnet mit seiner Frau zurückgekommen sein.

Das Ehepaar feuerte nach Darstellung der Behörden am Tatort bis zu 75 Schüsse ab. Am Sozialzentrum selbst hätten sie drei Rohrbomben in einem ferngesteuerten Sprengsatz zurückgelassen, der offenbar nicht funktioniert habe. Zudem hätten sie über 1600 weitere Kugeln bei sich gehabt, als sie in ihrem Geländewagen erschossen wurden. In ihrem Haus waren zwölf Rohrbomben und über 4500 Schuss Munition, wie Polizeichef Jarrod Burguan sagte. Zwei bei der Bluttat verwendete Handfeuerwaffen soll Farook legal gekauft haben.

Auch ein mit den Ermittlungen vertrauter Beamter sagte, Farook habe Internet-Kontakte zu Islamisten gehabt, die das FBI kannte. Doch seien diese „keine wichtigen Akteure auf unserem Radar“ gewesen. Die Online-Kontakte lägen schon länger zurück, und sie bedeuteten nicht, dass jemand Terrorist sei. Farook und seine Frau selbst seien nicht überwacht worden. Die Webseite SITE, die extremistische Kommunikation beobachtet, fand keine Querverbindungen zwischen Farook und dschihadistischen Gruppen.

In Washington hatte US-Justizministerin Loretta Lynch vor vorschnellen Schlüssen zum Tatmotiv gewarnt. „Wir wissen nicht, ob es sich um Rage am Arbeitsplatz oder etwas Größeres oder einen Kombination aus beidem handelt.“ Ähnlich hatte sich vorher Präsident Barack Obama geäußert.

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