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27.03.2013

13:51 Uhr

Schiffsunglück

Deutschen droht Prozess in Indien

Zwei deutsche Seeleute werden nach einem Schiffsunglück in Indien festgehalten. Ihnen droht ein Prozess wegen fahrlässiger Tötung. Die Hamburger Reederei plädiert für die Einstellung des Verfahrens.

Die Hamburger Reederei SAL, Eigentümer des Frachters, plädiert für die Einstellung des Verfahrens. dpa

Die Hamburger Reederei SAL, Eigentümer des Frachters, plädiert für die Einstellung des Verfahrens.

Hamburg/ChennaiNach einem Schiffsunglück in Indien müssen sich zwei Seeleute eines Hamburger Frachters möglicherweise wegen fahrlässiger Tötung vor Gericht verantworten. Der Kapitän und der Erste Offizier der „Grietje“ würden in Indien festgehalten, sagte Rüdiger Bauer, Mitglied der Geschäftsleitung der Reederei SAL, die Eigentümerin des Schiffes ist, der Nachrichtenagentur dpa.

„Es steht der Vorwurf der fahrlässigen Tötung im Raum.“ Die Anschuldigungen seien nach der derzeitigen Beweis- und Sachlage jedoch haltlos, sagte Bauer am Mittwoch. „Wir gehen mit unsere Leuten davon aus, dass das Verfahren eingestellt wird.“

Die mit 20 Mann Besatzung fahrende „Grietje“ soll vor elf Tagen vor der Küste der südindischen Stadt Chennai ein Fischerboot gerammt haben. Obwohl das Fischerboot sank, soll der Frachter weitergefahren sein. Bei dem Unfall ertrank indischen Medienberichten zufolge ein 45 Jahre alter Fischer; zwei weitere Menschen konnten gerettet werden. Insgesamt sieben Schiffe aus unterschiedlichen Ländern sollen sich in dem Seegebiet befunden haben.

Die deutsch-indischen Wirtschaftsbeziehungen

Exporte

Die deutschen Ausfuhren nach Indien haben sich von 2000 bis 2010 nahezu vervierfacht. Im vergangenen Jahr wurden dort Waren „Made in Germany“ im Wert von 9,25 Milliarden Euro abgesetzt, ein Plus von 14,3 Prozent. In der Rangliste der wichtigsten Exportkunden Deutschlands nimmt Indien damit Platz 21 ein. Größter Verkaufsschlager sind Maschinen, gefolgt von chemischen Produkten, Elektronik und Fahrzeugen.

Importe

Schneller als die Exporte wachsen die Einfuhren aus Indien. Sie legten 2010 um mehr als ein Fünftel auf rund 6,2 Milliarden Euro zu. Dabei stehen Textilien und Bekleidung an Nummer eins, gefolgt von chemischen Produkten, Elektronik, Maschinen und Nahrungsmitteln.

Unternehmen

Mehr als 3000 deutsche Unternehmen sind in Indien tätig, zum Teil schon seit Jahrzehnten. Darunter befinden sich so große Konzerne wie Siemens, Bosch, SAP und BMW. Umgekehrt gibt es rund 300 indische Firmen in Deutschland, die knapp 13.000 Mitarbeiter zählen. Dazu gehören der Windenergieanlagen-Bauer Repower und der Arzneimittel-Hersteller Betapharm.

Wirtschaftswachstum

Die Aussichten der deutschen Wirtschaft auf einen Ausbau ihrer Geschäfte mit Indien sind gut: Der Internationale Währungsfonds (IWF) sagt dem Schwellenland in diesem Jahr ein Wachstum von 8,2 Prozent und 2012 von 7,8 Prozent zu.

Die Angelegenheit sorgt in Indien für Aufregung, weil ein Fall zweier italienischer Marinesoldaten zu diplomatischen Zerwürfnissen zwischen Indien und Italien geführt hatte. Die Matrosen hatten vor einem Jahr zwei Fischer erschossen, die sie offenbar für Piraten hielten. Sie sollen sich nun wegen Mordes vor Gericht verantworten. Im Zuge des Streits um die Frage, ob die Soldaten nach einem Heimaturlaub zurück nach Indien mussten, war der italienische Außenminister Giulio Terzi di Sant'Agata am Dienstag zurückgetreten.

Von

dpa

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