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04.01.2016

16:47 Uhr

Schiiten vs. Sunniten

Weltmächte alarmiert über Iran-Saudi-Eskalation

Nach Saudi-Arabien und Bahrain bricht auch der Sudan die diplomatischen Beziehungen zum Iran ab. Die Großmächte fordern Riad und Teheran zum Dialog auf. Sie fürchten eine weitere Destabilisierung in Nahost.

Frauen protestieren in Teheran gegen die  Hinrichtung des prominenten schiitischen Geistlichen und Regimekritikers Nimr al-Nimr in Saudi-Arabien. AFP

Demonstration im Iran

Frauen protestieren in Teheran gegen die Hinrichtung des prominenten schiitischen Geistlichen und Regimekritikers Nimr al-Nimr in Saudi-Arabien.

Riad, Teheran, MoskauDie Eskalation der Spannungen zwischen dem Iran und Saudi-Arabien ruft die Weltmächte auf den Plan. Nach den USA forderten am Montag auch China, Russland und Frankreich, die Krise umgehend mit diplomatischen Mitteln beizulegen. Aus Furcht vor einer weiteren Destabilisierung der gesamten Nahost-Region rief auch die Bundesregierung die Regierungen in Riad und Teheran zum Dialog auf.

Die russische Führung erklärte sich einem Agenturbericht zufolge zu einer Vermittlerrolle bereit. Vor Ort verschärften sich die Spannungen weiter. Im Irak wurden zwei sunnitische Moscheen verwüstet, mit Bahrain und dem Sudan brachen weitere Staaten die diplomatischen Beziehungen zum Iran ab. Die Aktienmärkte in der Golf-Region verloren durchgängig kräftig um bis zu 2,5 Prozent. Der Ölpreis stiegt wegen der Spannungen zwischen den beiden Großproduzenten um fast zwei Prozent.

Nach Botschafts-Stürmung: Saudi-Arabien kappt Beziehungen zum Iran

Nach Botschafts-Stürmung

Saudi-Arabien kappt Beziehungen zum Iran

Der Konflikt zwischen Saudi-Arabien und dem Iran droht nach der Hinrichtung eines Geistlichen zu eskalieren: Das Königreich bricht nun alle diplomatischen Beziehungen zu Teheran ab. Der Iran warnt vor der „Rache Gottes“.

Die seit langem schwelenden Spannungen zwischen dem sunnitischen saudischen Königshaus und der revolutionär-klerikal ausgerichteten schiitischen Führung im Iran haben sich durch die Hinrichtung des prominenten schiitischen Geistlichen und Regimekritikers Nimr al-Nimr in Saudi-Arabien verschärft. Der oberste geistliche und politische Führer Irans, Ajatollah Ali Chamenei, drohte dem saudischen Königshaus mit der „Rache Gottes“. Auch die Revolutionsgarden kündigten „scharfe Vergeltung“ an.

Die Regionalmacht Saudi-Arabien

Öl

Dank seiner riesigen Ölvorkommen ist Saudi-Arabien das reichste Land der arabischen Welt. Das islamisch-konservative Königreich besitzt etwa 16 Prozent aller weltweit nachgewiesenen Erdölvorkommen und ist größter Exporteur des Rohstoffs. Das Geld aus den Einnahmen nutzt Riad, um sich mit Hilfe von Scheckbuchdiplomatie Einfluss zu erkaufen. So stützt Saudi-Arabien etwa mit Milliarden das Regime des ägyptischen Präsidenten Abdel Fattah al-Sisi.

Volkswirtschaft

Unter den arabischen Ländern ist die Golfmonarchie nicht nur die größte Volkswirtschaft, sondern mit Abstand die einflussreichste Regionalmacht. So dominiert Riad die Arabische Liga und den Golfkooperationsrat (GCC). Mitte Dezember verkündete Vize-Kronprinz Mohammed Bin Salman außerdem die Gründung eines „islamischen Militärbündnisses“, zu dem 34 überwiegend muslimische Staaten zählen.

Strategischer Partner

Wegen der Ölvorkommen und des saudischen Einflusses auf die Region betrachtet der Westen das Land als wichtigen strategischen Partner. Die Lage in der von dem Herrscherhaus der Sauds regierten Monarchie ist zudem vergleichsweise stabil. Die arabischen Aufstände überstand Saudi-Arabien ohne größere Verwerfungen.

Politische Ausrichtung

Im Konflikt mit dem schiitischen Erzrivalen Iran ist die Außenpolitik des sunnitischen Königreichs seit dem Amtsantritt von König Salman vor einem Jahr jedoch deutlich aggressiver geworden. Eine von Saudi-Arabien geführte Allianz fliegt Luftangriffe gegen schiitische Huthi-Rebellen im Bürgerkriegsland Jemen. Zudem unterstützt Riad syrische Rebellen, um Machthaber Baschar al-Assad zu stürzen.

Proteste gegen die Hinrichtung waren daraufhin am Wochenende in Teheran außer Kontrolle geraten. Demonstranten stürmten und verwüsteten die saudische Botschaft in der iranischen Hauptstadt. Das saudische Königshaus reagierte mit dem Abbruch der diplomatischen Beziehungen und der Ausweisung iranischer Diplomaten. Dem schlossen sich am Montag die ebenfalls sunnitische Golfmonarchie Bahrain und der Sudan an. Die Vereinigten Arabischen Emirate stuften die diplomatischen Beziehungen zum Iran herab.

Saudi-Arabien kappt nach den Worten von Außenminister Adel al-Dschubeir zudem alle Handelsbeziehungen mit dem Iran. Außerdem werde der Flugverkehr zwischen beiden Staaten eingestellt, sagte Dschubeir am Montag in einem Reuters-Interview. Saudische Bürger dürften auch nicht mehr in den Iran reisen. Iranische Pilger seien allerdings nach wie vor willkommen, die heiligen Stätten in Mekka und Medina zu besuchen. Der Iran müsse sich wie ein normales Land verhalten und internationale Normen respektieren, bevor die Beziehungen zu dem Land wieder normalisiert werden könnten.

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