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05.03.2004

17:14 Uhr

Schiiten wollen mehr Einfluss

Irak bleibt weiter ohne Verfassung

Die für Freitag geplante feierliche Unterzeichnung der irakischen Übergangsverfassung ist überraschend auf unbestimmte Zeit verschoben worden. Ein Sprecher der US-Verwaltung im Irak sagte vor Journalisten in Bagdad, dass einzelne Mitglieder des Gremiums in den letzten 24 Stunden Änderungswünsche geäußert hätten, über die bislang keine Einigung erzielt worden wäre.

HB BAGDAD. Das Dokument, das am Montag von allen 25 Mitgliedern des Regierungsrates gebilligt worden war, bekennt sich zu den demokratischen Grundwerten, darunter die Meinungs- und Religionsfreiheit, und bezeichnet den Islam als eine - und nicht die einzige - Grundlage der künftigen Rechtsordnung.

Wie aus Regierungsratskreisen verlautete, hatten fünf schiitische Vertreter nachträglich Einwände gegen den Text der Übergangsverfassung erhoben. Unter ihnen waren der gegenwärtige Vorsitzende des Gremiums, Ajatollah Mohammed Bahr el Ulum, und der Vorsitzende des einflussreichen Obersten Rates für die Schiitische Revolution im Irak (SCIRI), Abdulasis el Hakim. Unter Berufung auf die blutige Anschlagserie gegen schiitische Pilger in Bagdad und Kerbela sollen sie Änderungen verlangt haben, die den schiitischen Gruppen nach der Übergabe der Macht an eine irakische Regierung am 30. Juni mehr Einfluss und Gewicht verleihen.

Die Verfassungsunterzeichnung war schon einmal nach der Anschlagserie auf schiitische Gläubige am Dienstag verschoben worden. Bei den Anschlägen wurden mindestens 181 Menschen getötet. Die Schiiten stellen im Irak die Bevölkerungsmehrheit, wurden aber während der Herrschaft des gestürztem Präsidenten Saddam Hussein - einem Sunniten - unterdrückt.

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