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19.02.2017

14:21 Uhr

Schlacht um Mossul

Irak beginnt neue Offensive

Nach eigenen Angaben hat der Irak mit der entscheidenden Schlacht zur Vertreibung der radikalislamischen IS-Miliz aus dem Westteil der Großstadt Mossul begonnen. In dem Gebiet befinden sich viele Zivilisten.

Irak startet Bodenoffensive auf IS

Video: Irak startet Bodenoffensive auf IS

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BagdadDie Schlacht um die IS-Hochburg Mossul im Irak geht mit dem Sturm auf die westlichen Stadtteile in eine entscheidende Phase. „Unsere tapferen Streitkräfte werden den Rest dieser Stadt und seine Bürger von Unterdrückung und Terrorismus von Daesh befreien“, sagte der irakische Ministerpräsident Haider al-Abadi am Sonntagmorgen in einer Fernsehansprache. Daesh ist die arabische Abkürzung für die Terrormiliz Islamischer Staat (IS).

Priorität bei der Mission habe, das Leben von Zivilisten zu schützen, fügte Al-Abadi hinzu. Die Vereinten Nationen schätzen, dass in den Stadtteilen westlich des Flusses Tigris etwa 750.000 Unbeteiligte, darunter viele Kinder, leben. Berichten zufolge wurden Zivilisten in Mossul in der Vergangenheit als menschliche Schutzschilde benutzt.

Bei einer vollständigen Eroberung Mossuls wäre der IS im Irak als Territorialmacht weitgehend besiegt - seit Ende 2015 waren bereits die Städte Ramadi und Falludscha aus den Händen der Dschihadisten zurückerobert worden. Die Gefechte in der ehemaligen Millionenstadt werden voraussichtlich aber noch Wochen bis Monate andauern.

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Die IS-Miliz gilt als reichste Terrororganisation der Welt. Doch die Gebietsverluste im Irak und in Syrien machen den Dschihadisten auch finanziell zu schaffen. Ihr „Geschäftsmodell“ könnte zusammenbrechen.

Die irakische Armee, mit ihnen verbündete Milizen und kurdische Kämpfer hatten die Offensive auf die inoffizielle Hauptstadt des IS im Irak Mitte Oktober aus mehreren Richtungen begonnen und die Großstadt schnell eingekreist. Ende Januar hatten die Truppen den Ostteil Mossuls komplett befreit. Unterstützt werden die Kämpfer durch Luftangriffe der US-geführten internationalen Koalition sowie hinter der Front durch Hunderte Militärberater.

Vor dem Start der Offensive warfen irakische Jets dem Verteidigungsministerium zufolge Flugblätter über dem Westteil der Stadt ab, in denen die IS-Kämpfer dazu aufgefordert werden, sich zu ergeben. Der Chef der Polizeikräfte, Raed Dschawat, berichtete am Sonntag bereits von ersten Erfolgen: Südlich Mossuls seien auf der Westseite des Tigris Areale eingenommen worden. Diese befinden sich aber einige Kilometer außerhalb des eigentlichen Stadtgebietes.

In West-Mossul liegen die Altstadt, der alte Markt sowie die meisten Regierungsgebäude. Der IS hatte Moss

Die internationale Anti-IS-Koalition

Welche Länder beteiligen sich?

Nachdem der IS sich im Sommer 2014 in Syrien ausbreitete, beschlossen zehn Länder auf einer Nato-Konferenz ein Bündnis gegen die Terrormiliz. Heute gehören mehr als 60 Staaten zu der Allianz, darunter neben den USA auch Deutschland, Frankreich, Großbritannien und die Türkei. Saudi-Arabien und andere arabische Staaten wie Jordanien, Ägypten, die Vereinigten Arabischen Emirate und Katar haben sich dem Bündnis ebenfalls angeschlossen.

Quelle: dpa

Wie geht die Allianz vor?

Derzeit bekämpft die Allianz den IS vor allem in Syrien und im Irak, wenngleich sich der IS auch in Libyen festgesetzt hat. Nach eigenen Angaben hat die Koalition mehr als 12.000 Luftangriffe auf IS-Stellungen geflogen. Die USA bilden im Irak Soldaten der Armee und kurdische Kämpfer aus, Deutschland liefert Waffen und Ausrüstung für kurdische Peschmerga und leistet mit sechs Tornado-Flugzeugen Aufklärungsarbeit.

Welche Erfolge gibt es?

Die Dschihadisten sind in Syrien und im Irak massiv unter Druck geraten. Seit Beginn vergangenen Jahres hat der IS mehr als ein Drittel seines „Kalifat“ genannten Herrschaftsgebietes eingebüßt. Vor allem die Kurden haben den Extremisten mit Hilfe internationaler Luftunterstützung im Norden beider Länder große Gebiete abgenommen. Der irakischen Armee gelang es, den IS aus wichtigen Städten wie Ramadi und Falludscha zu vertreiben. Außerdem haben die Luftschläge die Ölinfrastruktur unter IS-Kontrolle stark zerstört, weshalb die Extremisten laut Analysten unter Finanzproblemen leiden. Dennoch beherrscht der IS noch große Gebiete in Syrien und im Irak.

Welche Rolle spielt die Türkei?

Um die Rolle der Türkei gibt es Streit. Die Türkei stellt seit Sommer vergangenen Jahres ihren Luftwaffenstützpunkt Incirlik der Allianz für den Luftkampf gegen den IS bereit. Ankara hilft auch bei der Ausbildung und hat nach eigenen Angaben kurdische Peschmerga bei der Großoffensive auf Mossul mit Artillerie unterstützt. Die Regierung in Bagdad lehnt eine türkische Militärpräsenz im Irak allerdings ab. Die türkische Führung wiederum weigert sich, ihre Soldaten abzuziehen.

Wann ist Mossul befreit?

Das ist schwer zu sagen, zumal die eigentlichen Kämpfe um die Stadt noch nicht begonnen haben. Bei dem Koalitionstreffen in Paris geht es jedoch schon darum, die politischen Weichen für die Zeit nach dem IS in Mossul zu stellen. Das Gesellschaftsgefüge ist fragil in Iraks zweitgrößter Stadt. Während die meisten Iraker Schiiten sind, ist die Mehrheit der Bevölkerung in Mossul sunnitisch wie der IS. Zudem lebten viele Christen dort. Der sunnitische türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan forderte bereits, dass nach dem Ende der Kämpfe keine Schiiten mehr in der Stadt leben sollten.

Die Befreiung West-Mossuls wird als aufwendiger eingeschätzt als die Gefechte im Ostteil der Stadt. Neben den vielen Zivilisten, die sich dort aufhalten und die Operation dadurch erschweren, ist das Gebiet teilweise eng bebaut. Dies macht eine Eroberung schwierig, weil der IS sich besser verschanzen und Sprengfallen aufstellen kann.

Die Terrormiliz setzt im Kampf gegen die Angreifer bislang vor allem Selbstmordattentäter und Scharfschützen ein und leistet damit heftigen Widerstand. Nach schweren Verlusten stockte die Offensive im Dezember erstmals. Nach einer Umgruppierung der Truppen kam der Vormarsch allerdings wieder in Gang und der Osten der Stadt konnte wenige Wochen später für befreit erklärt werden.

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