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29.11.2016

21:00 Uhr

„Schlachthaus Aleppo“

Assads tödliches Kalkül

VonJan Dirk Herbermann

Seit Wochen liefern sich Regierungstruppen und Rebellen in Aleppo barbarische Kämpfe. Der Fall der Metropole wäre für das Regime ein mehrfacher Triumph – und könnte den Krieg endgültig zugunsten von Assad wenden.

Fällt Aleppo, fallen die Rebellen: Der Kampf um die syrische Metropole könnte den Syrien-Krieg entscheiden. AFP; Files; Francois Guillot

Syrische Rebellen

Fällt Aleppo, fallen die Rebellen: Der Kampf um die syrische Metropole könnte den Syrien-Krieg entscheiden.

GenfVerzweiflung, Hunger, Tod: Die Tragödie im Osten der syrischen Stadt Aleppo verschärft sich stündlich. Doch Hilfe ist für die Menschen in der umkämpften Trümmerlandschaft nicht in Sicht. Der Nothilfekoordinator der Vereinten Nationen, Stephen O’Brien, richtete am Dienstag einen eindringlichen Appell an die Kriegsparteien, die Gefechte einzustellen. Nur wenn die Waffen schweigen, könnten die UN-Organisationen die dringend benötigten Lebensmittel und Medikamente an die 250.000 darbenden Menschen liefern.

Doch O’Brien dürfte auch klar gewesen sein, dass sein Appel wirkungslos verpuffen wird. Er erklärte, resignierend: Alle Konfliktparteien des syrischen Bürgerkriegs „töten, verstümmeln und hungern Menschen aus“, um sich jeden möglichen militärischen Vorteil zu sichern. Und genau das geschieht in Ost-Aleppo. Uno-Diplomaten sagen voraus: Die Truppen des syrischen Machthabers Baschar al-Assad werden ihre gnadenlose Offensive mit Russlands Unterstützung gegen die Rebellen in Ost-Aleppo weiter durchziehen. Der Kriegsherr Baschar al-Assad will das Territorium um jeden Preis unter seine Kontrolle bringen.

Für den seit 2011 tobenden Syrien-Konflikt mit Hunderttausenden Toten und Millionen Flüchtlingen hätte der Fall Ost-Aleppos gravierende Folgen. Die Rückeroberung des gesamten Gebietes von Aleppo, der zweitwichtigsten Stadt Syriens, wäre für Assad ein entscheidender Triumph – militärisch, strategisch und politisch.

Wer kämpft gegen wen in Syrien?

Regime

Anhänger von Präsident Baschar al-Assad kontrollieren weiter die meisten großen Städte wie Damaskus, Homs, Teile Aleppos sowie den Küstenstreifen am Mittelmeer. Syriens Armee hat allerdings viele Soldaten verloren und wird vor allem durch russische Kampfjets, iranische Kämpfer und die Schiitenmiliz Hisbollah unterstützt. Auch Verbände aus Afghanistan und dem Irak sollen aufseiten des Regimes kämpfen.

Islamischer Staat (IS)

Die Terrormiliz hat in den vergangenen Monaten große Teile ihres Gebietes verloren, herrscht aber immer noch in vielen Städten entlang des Euphrats und in Zentralsyrien.

Rebellen

Unzählige Rebellengruppen kämpfen in Syrien - von moderaten Gruppen, die vom Westen unterstützt werden, bis zu radikalen Islamisten, wie der früheren Nusra-Front. Immer wieder gehen die verschiedenen Truppen zeitweise Zweckbündnisse ein.

Kurden

Kurdische Streitkräfte beherrschen mittlerweile den größten Teil der Grenze zur Türkei. Sie sind ein wichtiger Partner des Westens im Kampf gegen den IS. Sie kämpfen teilweise mit Rebellen zusammen, kooperieren aber auch mit dem Regime in Damaskus.

Die USA und der Westen

Washington führt den Kampf gegen den IS an der Spitze einer internationalen Koalition. Kampfjets fliegen täglich Angriffe. Beteiligt sind unter anderem Frankreich und Großbritannien. Deutschland stellt unter anderem sechs Tornados für Aufklärungsflüge.

Russland

Seit einem Jahr fliegt Russlands Luftwaffe Angriffe in Syrien und steht an der Seite von Machthaber Assad. Russland bekämpft offiziell den IS, greift aber den Angaben zufolge immer wieder auch moderate Rebellengruppen an, die Seite an Seite mit Dschihadisten kämpfen.

Iran

Teheran ist der treueste Unterstützer des Assad-Regimes. Nach Angaben Teherans sind Mitglieder der iranischen Revolutionsgarden als militärische Berater der syrischen Armee im Einsatz.

Saudi-Arabien und die Türkei

Riad und Ankara sind wichtige Unterstützer von Rebellen. Sie fordern den Sturz Assads. Saudi-Arabien geht es darum, den iranischen Einfluss zurückzudrängen. Der Iran ist der saudische Erzrivale im Nahen Osten. Die Türkei will eine größere Selbstbestimmung der Kurden in Nordsyrien verhindern.

Militärisch, weil ein Sieg die Rebellen massiv schwächen würde, Tausenden Kämpfern drohte Gefangenschaft oder Tod. Ihr Kriegsmaterial würde vernichtet oder in die Hände Assads geraten.

Strategisch, weil Ost-Aleppo die letzte große Hochburg der Aufständischen ist. Seit 2012 versucht Assad, die Rebellen dort in die Knie zu zwingen. Die Rückeroberung Aleppos würde die Rebellen in anderen Regionen im Nordwesten Syriens in tödliche Bedrängnis bringen.

Politisch, weil der Sieg die Allianz Assads mit Russland und dem Iran stärkt. Assad kann seinen Verbündeten zeigen, dass es sich lohnt mit ihm zu kämpfen.

Kommentare (1)

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Account gelöscht!

30.11.2016, 08:22 Uhr

"Herr Fritz Porters - 18.11.2016, 11:43 Uhr

@ Herr Hoffmann

ich habe nicht diesen enormen politischen Sachverstand wie Sie, aber die von Ihnen beschriebene "Grünen-Sozialistischen Vernichtungspolitik".... ist das sowas wie ein "Gemüseauflauf"? :-D
Herrlich, die Kommentare sind echt Comedy... einige Artikel im HB sind echt besorgniserregend, aber die Kommentare können einem das Lachen zurückzaubern. Danke ...muss weiter arbeiten...aber nachher schaue ich noch mal in die Kommentare...will doch auch später noch was zu schmunzeln haben..."

@Porters

VIELEN DANK Herr Porters,
es ist wirklich ein immenser Zeitaufwand, von morgens bis abends zu jedem Artikel so witzige Kommentare zu schreiben.
Bei manchen Artikeln sogar mehrere.
Schön das Sie das zu schätzen wissen.

Aber die Ehre gebührt nicht mir alleine. An den Comedy-Kommentaren sind noch weitere Leute beteiligt die auch gewürdigt sein wollen:
Paff, von Horn, Trautmann, Vinci Queri, Delli, Bollmohr, Caruso, Mücke....

ohne sie wäre ich hier sehr einsam !
Danke

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