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08.09.2016

19:21 Uhr

Schlag für syrische Rebellen

Assad-Streitkräfte erobern weitere Teile Aleppos

Aleppo ist die umkämpfteste Stadt im syrischen Bürgerkrieg. Seit Monaten liefern sich das Regime und seine Gegner Gefechte. Jetzt sieht es so aus, als könnte die Armee die Rebellen endgültig einkesseln.

Die syrischen Rebellen geraten angesichts mehrerer Siege des Regimes in Aleppo immer stärker unter Druck. Reuters

Regime-Kräfte rücken vor

Die syrischen Rebellen geraten angesichts mehrerer Siege des Regimes in Aleppo immer stärker unter Druck.

Beirut, MoskauIm syrischen Bürgerkrieg befinden sich die Truppen von Präsident Baschar al-Assad auf dem Vormarsch: In der Millionen-Metropole Aleppo eroberten sie den strategisch wichtigen Bezirk Ramusa. Damit seien fast alle Gebietsgewinne der Aufständischen vom vergangenen Monat rückgängig gemacht worden, berichteten die oppositionelle Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte und staatliche Medien übereinstimmend. Aleppo ist derzeit der Brennpunkt in dem vor fünf Jahren ausgebrochenen Bürgerkrieg. Seit Wochen verhandeln die USA mit Russland über eine Feuerpause, damit die Zivilbevölkerung mit Hilfsgütern versorgt werden kann. Doch auch ein Telefonat zwischen den Außenministern Sergej Lawrow und John Kerry brachte am Donnerstag keinen Durchbruch. Russland steht hinter Assad, die USA unterstützen gemäßigte Rebellengruppen.

Aufständische wiesen Berichte zurück, sie hätten Ramusa bereits vollständig verloren. Den staatlichen Medien und der Beobachtungsstelle zufolge nahmen die Regierungssoldaten jedoch im Tagesverlauf auch noch Dörfer südlich von Aleppo ins Visier. An dieser zweiten Front liege ein Hügel, von dem aus Rebellen ihre Angriffe führten, hieß es.

Lawrow und Kerry sprachen dem russischen Außenministerium zufolge über Möglichkeiten, im Kampf gegen Terrorgruppen in Syrien zusammenzuarbeiten. Es sei aber auch darum gegangen, wie ihre Länder gemeinsam eine politische Lösung des Konflikts erreichen könnten. Darüber hatten bereits am Montag US-Präsident Barack Obama und sein russischer Kollege Wladimir Putin am Rande des G20-Gipfels in China beraten, jedoch ohne Durchbruch.

Wer kämpft gegen wen in Syrien?

Regime

Anhänger von Präsident Baschar al-Assad kontrollieren weiter die meisten großen Städte wie Damaskus, Homs, Teile Aleppos sowie den Küstenstreifen am Mittelmeer. Syriens Armee hat allerdings viele Soldaten verloren und wird vor allem durch russische Kampfjets, iranische Kämpfer und die Schiitenmiliz Hisbollah unterstützt. Auch Verbände aus Afghanistan und dem Irak sollen aufseiten des Regimes kämpfen.

Islamischer Staat (IS)

Die Terrormiliz hat in den vergangenen Monaten große Teile ihres Gebietes verloren, herrscht aber immer noch in vielen Städten entlang des Euphrats und in Zentralsyrien.

Rebellen

Unzählige Rebellengruppen kämpfen in Syrien - von moderaten Gruppen, die vom Westen unterstützt werden, bis zu radikalen Islamisten, wie der früheren Nusra-Front. Immer wieder gehen die verschiedenen Truppen zeitweise Zweckbündnisse ein.

Kurden

Kurdische Streitkräfte beherrschen mittlerweile den größten Teil der Grenze zur Türkei. Sie sind ein wichtiger Partner des Westens im Kampf gegen den IS. Sie kämpfen teilweise mit Rebellen zusammen, kooperieren aber auch mit dem Regime in Damaskus.

Die USA und der Westen

Washington führt den Kampf gegen den IS an der Spitze einer internationalen Koalition. Kampfjets fliegen täglich Angriffe. Beteiligt sind unter anderem Frankreich und Großbritannien. Deutschland stellt unter anderem sechs Tornados für Aufklärungsflüge.

Russland

Seit einem Jahr fliegt Russlands Luftwaffe Angriffe in Syrien und steht an der Seite von Machthaber Assad. Russland bekämpft offiziell den IS, greift aber den Angaben zufolge immer wieder auch moderate Rebellengruppen an, die Seite an Seite mit Dschihadisten kämpfen.

Iran

Teheran ist der treueste Unterstützer des Assad-Regimes. Nach Angaben Teherans sind Mitglieder der iranischen Revolutionsgarden als militärische Berater der syrischen Armee im Einsatz.

Saudi-Arabien und die Türkei

Riad und Ankara sind wichtige Unterstützer von Rebellen. Sie fordern den Sturz Assads. Saudi-Arabien geht es darum, den iranischen Einfluss zurückzudrängen. Der Iran ist der saudische Erzrivale im Nahen Osten. Die Türkei will eine größere Selbstbestimmung der Kurden in Nordsyrien verhindern.

An der Grenze zur Türkei wurden unterdessen nach Angaben der Beobachtungsstelle sechs Kämpfer der syrischen Kurdenmiliz YPG durch türkischen Artilleriebeschuss getötet. Die kurdischen Behörden in der Grenzregion Afrin bezeichneten den Angriff als Provokation, um „das Feuer des Kriegs zu entfachen“.

Die türkische Armee war im August rund 100 Kilometer östlich von Afrin in das syrische Grenzgebiet eingerückt und hat die Extremistenmiliz Islamischer Staat (IS) inzwischen von dort verdrängt. Sie will aber auch und das weitere Vorrücken der YPG verhindern, die sie als Ableger der verbotenen Kurdischen Arbeiterpartei PKK betrachtet. Das Vorgehen stößt auf Kritik vom Nato-Partner USA, die ihrerseits im Kampf gegen den IS mit der YPG-Miliz verbündet sind.

Von

rtr

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