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12.08.2014

18:47 Uhr

Schlappe zum Auftakt

Clooney-Verlobte lehnt UN-Ermittlung in Gaza ab

Sie hat wichtige UN-Verhandlungen geführt und beriet zeitweise den UN-Botschafter Kofi Annan in Syrien. Doch Ermittlungen im Gaza-Konflikt will die Anwältin und Verlobte George Clooneys, Amal Alamuddin, nicht übernehmen.

Sie setzt sich für Menschenrechte ein, etwa hier auf dem Treffen „End Sexual Violence in Conflict“ in London. Doch eine Rolle als UN-Ermittlerin lehnt Amal Alamuddin diesmal ab. ap

Sie setzt sich für Menschenrechte ein, etwa hier auf dem Treffen „End Sexual Violence in Conflict“ in London. Doch eine Rolle als UN-Ermittlerin lehnt Amal Alamuddin diesmal ab.

London/ GenfDie prominente Londoner Anwältin Amal Alamuddin hat ihre Berufung als UN-Ermittlerin im Gazastreifen und den palästinensischen Autonomiegebieten abgelehnt. Sie könne die Aufgabe wegen anderer Verpflichtungen nicht annehmen, ließ sie in der Nacht zum Dienstag über den Sprecher ihres Verlobten, des US-Schauspielers George Clooney, mitteilen.

Die Kommission soll Verantwortliche für strafbare Verstöße gegen das humanitäre Völkerrecht und die Menschenrechte im Zuge der militärischen Operationen im Gazastreifen während der zurückliegenden Wochen ermitteln. Alamuddin erklärte zwar, sie sei „entsetzt über die Lage im besetzten Gazastreifen, insbesondere über die zivilen Opfer“. Doch könne sie wegen mehrerer anderer Fälle, an denen sie arbeite, nicht in dem UN-Gremium mitarbeiten.

Derweil wurde der als Leiter der dreiköpfigen Kommission vorgesehene kanadische Professor für internationales Recht, William Schabas, von Israel als voreingenommen kritisiert. Man müsse wohl mit einem „vorgefertigten Bericht“ rechnen, erklärte der Sprecher des israelischen Außenministeriums. Ob Israel dennoch bereit ist, mit den UN zu kooperieren, blieb zunächst offen.

Schabas, der an der Middlesex University in Großbritannien lehrt, erklärte, er sei „nicht anti-israelisch“. Je stärker Israel mit der Kommission zusammenarbeite, desto größer sei die Chance, zu einer fairen Beurteilung seiner militärischen Aktivitäten im Gazastreifen zu gelangen.

Chronik des Gaza-Konflikts (11.8.)

Erste Woche

8./9. Juli 2014: Nach massivem Raketenbeschuss aus dem Gazastreifen fliegen israelische Kampfflugzeuge Dutzende Angriffe.

10./11. Juli: Militante Palästinensergruppen nehmen erstmals den internationalen Flughafen Ben Gurion bei Tel Aviv ins Visier.

15. Juli: Israel akzeptiert eine von Ägypten vorgeschlagene Feuerpause. Die Hamas lehnt ab.

Zweite Woche

17. Juli: Nach einer mehrstündigen Waffenruhe beginnt Israel eine Bodenoffensive, um die Infrastruktur der Hamas zu zerschlagen und deren Tunnel im Grenzgebiet zu zerstören.

21. Juli: Um zu vermitteln, treffen US-Außenminister John Kerry und Uno-Generalsekretär Ban Ki Moon in Kairo ein.

23. Juli: Viele Fluggesellschaften stellen Flüge zum Ben-Gurion-Flughafen wegen des Raketenbeschusses aus dem Gazastreifen vorübergehend ein.

Dritte Woche

26./27. Juli: Eine zwölfstündige Waffenruhe tritt in Kraft. Eine Verlängerung lehnt die Hamas ab, die Angriffe gehen weiter.

30. Juli: Nach dem Beschuss einer UN-Schule im Gazastreifen mit 20 Toten hagelt es Kritik an Israel.

31. Juli: Uno-Menschenrechtskommissarin Navi Pillay wirft Israel und der Hamas die Verletzung des humanitären Völkerrechts vor.

1. August: Eine Waffenruhe hält nur wenige Stunden. Israel beschuldigt die Hamas, einen Soldaten verschleppt zu haben. Für die Suche nach ihm weitet Israel seine Offensive aus.

3. August: Die Armee erklärt den gesuchten Soldaten für tot. Er sei bei Kämpfen ums Leben gekommen. Beim Beschuss einer Uno-Schule sterben nach palästinensischen Angaben mindestens zehn Menschen. Israel beginnt mit dem Abzug seiner Bodentruppen aus dem Gazastreifen.

Vierte Woche

4. August: Ein Anschlag in Jerusalem überschattet eine von Israel erklärte Feuerpause: Ein palästinensischer Baggerfahrer rammt einen Bus. Ein Passant stirbt, der Attentäter wird erschossen.

5. August: Mit Beginn einer dreitägigen Waffenruhe zieht Israel alle Bodentruppen aus dem Gazastreifen ab. Israelis und Palästinenser beginnen in Kairo Verhandlungen über eine dauerhafte Waffenruhe.

8. August: Nach Ablauf der Waffenruhe feuern militante Palästinenser wieder Raketen Richtung Israel, das mit Luftangriffen reagiert.

10. August: Eine weitere dreitägige Feuerpause tritt in Kraft.

Der Präsident des UN-Menschenrechtsrates, Baudelaire Ndong Ella (Gabon), erklärte am Dienstag, man bedauere die Absage Alamuddins. Dennoch sei die Untersuchungskommission nun „funktionsfähig“. Neben Schabas gehört dem Gremium noch der frühere UN-Berichterstatter zu Rassismus und Rassendiskriminierung an, der senegalesische Jurist Doudou Diène. Die Kommission soll den UN spätestens im März 2015 einen Bericht vorlegen.

Von

dpa

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