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04.08.2012

09:10 Uhr

Schlechter Juli

Die düstere Wahrheit hinter den US-Arbeitslosenzahlen

Die größte Volkswirtschaft der Welt ist arbeitslos. Ihre hohe Erwerbslosenquote sinkt zu langsam. Und der Wert verschleiert die wahren Probleme. Die Regierung ist ratlos. Ein Beschäftigungswunder ist nicht in Sicht.

Ein Beschäftigungswunder ist in den USA nicht in Sicht. Reuters

Ein Beschäftigungswunder ist in den USA nicht in Sicht.

WashingtonSeit Monaten ist es dasselbe Spiel. An jedem ersten Freitag des Monats legt die US-Regierung ihre Arbeitslosenstatistik vor. Und innerhalb von Minuten verfallen Wirtschaftsexperten und Reporter in lautes Wehklagen: Die Zahl neuer Stellen zu gering, die Konjunktur zu flau - und Präsident Barack Obama deswegen praktisch abgewählt, meinen sie. Die Arbeitslosenquote ist zum allumfassenden Gradmesser für die Lage eines Landes geworden, dessen Wirtschaft zu 70 Prozent vom Konsum der Bürger abhängt. Dabei gibt der Wert nicht einmal Aufschluss darüber, wie düster die Situation tatsächlich ist.

Wenige Tage, nachdem Obama Anfang 2009 ins Weiße Haus einzog, schoss die Arbeitslosenquote erstmals seit Anfang der 80er Jahre über acht Prozent. Sie kletterte danach bis auf zehn Prozent und fiel dann wieder. Aber auf einen Wert mit einer Sieben oder gar einer Sechs vor dem Komma wartet der Präsident vergeblich. Er weiß, mit einer solch hohen Quote wie den aktuellen 8,3 Prozent wurde nach dem Zweiten Weltkrieg bislang noch kein Amtsinhaber wiedergewählt.

Zahlen für Juli: Steigende Arbeitslosigkeit schadet Obamas Wahlchancen

Zahlen für Juli

Hohe Arbeitslosigkeit schadet Obama

Trotz mehr Jobs ist die Arbeitslosenquote in den USA im Juli erneut leicht gestiegen.

Doch vermutlich weiß er auch, dass alles noch viel schlimmer sein könnte. Denn der Wert läge heute eigentlich bei vernichtenden elf Prozent, hätten sich nicht in den vergangenen Jahren nach Schätzungen von Ökonomen rund drei Millionen Amerikaner freiwillig vom Arbeitsmarkt verabschiedet. Die sogenannte Beteiligungsquote am Arbeitsmarkt sank unter Obama von 65,7 auf 63,7 Prozent. Zuletzt hatte sich 1980 ein so kleiner Anteil der Einwohner in den USA um Arbeit bemüht.

Manche sehen keine Chance mehr auf einen Job und haben die Suche aufgegeben. Andere sind wegen der düsteren Wirtschaftslage vorzeitig in Rente gegangen. Für die Berechnung der Quote werden sie nicht mehr berücksichtigt, und das verfälscht das Bild. Viele Experten fordern daher, mit einer Statistik zu arbeiten, die wenigstens diejenigen Entmutigten erfasst, die sich vorstellen könnten, zu arbeiten, auch wenn sie nicht aktiv suchen. Diese sogenannte U-6-Quote wird auch gemessen: Sie liegt bei riesigen 15,0 Prozent. Ein Wert, den die Regierung lieber verschweigt.

Kommentare (33)

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Account gelöscht!

04.08.2012, 09:53 Uhr

"Nur noch 54 Prozent der Amerikaner zwischen 16 und 24 Jahre arbeiten; das ist der geringste Wert seit Beginn der Aufzeichnungen nach dem Zweiten Weltkrieg."
Und dann:
"Das Problem reicht zwar längst nicht an spanische Verhältnisse heran, wo Katastrophen-Quoten von rund 50 Prozent erreicht werden."

Wie verstehe ich das jetzt?
Vielleicht könnte man mal auf die verschiedenen Erhebungsmethoden hinweisen. In den USA werden solche Daten anders, wenn überhaupt, erhoben. Man kann nur das erheben was auch gezählt und bekannt ist.

Die Arbeitslosenversicherung in den Vereinigten Staaten besteht so seit 1935.
Die Leistungen werden in der Regel 26 Wochen lang ausgezahlt, nur in Ausnahmefällen kann die Bezugsdauer um 13 Monate verlängert werden.
Und dann ist jeder Arbeitslose aus der Statistik raus.

ObamaBasher

04.08.2012, 09:55 Uhr

tja, 1+1 ist manchmal 2

USA hängt zu 70% vom Konsum ab.
Die Amerikaner haben in den letzen Jahrzehnten auf Pump konsumiert, das Beschäftigungswunder war also auf Schulden gegründet.

Irgendwann muss aber ein Schuldner (um genau zu sein 300 Mio. Schuldner) diese abtragen, d.h. weniger konsumieren.

Nennt man in der VWL Konjunkturzyklen, lernt jeder 1. Semester.

Nur wenn es dann in der Realität eintrifft, will es keiner wahrhaben.

Tja, manchmal ist 1+1 halt doch 2, meine lieben blauäugigen amerikanischen Freunde

Eurowahn

04.08.2012, 10:33 Uhr

Wenn man hat alle Zahlen fälscht, ooer die Berechungsgrundlagen ändert, braucht man sich nicht zu wundern, wenn man eines Tages feststellt, dass das Land im Chaos versinkt. Und das wird ja immer schlimmer. Fast alle Regierungen schönen bzw. fälschen Zahlen, sei es Arbeitslosenzahlen, die Inflationszahlen etc. Man ändert die Berechnungsmethode bei der Inflation (nun eine hedonische Berehcnung), nimmt Waren aus dem Warenkorb, die zu teuer geworden sind und ersetzt sie durch billigere Waren. So gaukelt man dem Volk eine Inflation von 2,6 % vor. Der Arbeitnehmer bekommt allenfalls mal einen Inflationsausgleich als Lohnerhöhung, oftmals Jahre lang gar keine Lohnerhöhung. Und dann wundern sich die Regierenden, wenn die Wirtschaft zusammenbricht. Die wahre Inflation liegt zwiwchen 4-6 Prozent und nach ein paar Jahren hat der Bürger gar kein Geld mehr zum Ausgeben, weil er nun 20 % weniger im Geldbeutel hat. Irgendwann rächen sich die Fälschungen eben in nackten Zahlen !!

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