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10.09.2015

08:38 Uhr

Schlepper-Netzwerke und Flüchtlinge

„Empfohlen für Familien, Kinder die Hälfte“

VonMartin Gehlen

Türkei – Italien kostet 3800 Dollar, Libyen – Italien „nur“ 2500: Schlepper verdienen Millionen an den Flüchtlingen. Die kriminellen Netzwerke sind immer besser organisiert. Sie werben mittlerweile sogar auf Facebook.

Aufnahmen vom Boot

Flüchtlinge filmen überfüllte Schlepperfahrt übers Meer

Aufnahmen vom Boot: Flüchtlinge filmen überfüllte Schlepperfahrt übers Meer

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Kairo„Guten Tag, die Saison hat begonnen – hier sind unsere Trips“, steht auf einer der Facebook-Seiten. Dann folgen die Preise: Türkei – Italien 3800 Dollar, Libyen – Italien, weil kürzer, 2500 Dollar. „Alle Boote sind aus Holz, Länge 22 Meter, Breite 4,5 Meter.“

Auf dem geposteten Foto sind drei dieser betagten Seelenverkäufer abgebildet, irgendwo vertäut in einem Hafen des südlichen Mittelmeers. Ganz unten steht die Telefonnummer für Whatsapp und Viber. „Fragen Sie alles, was Sie wissen wollen“, wirbt der Text, der längst kein zynischer Einzelfall mehr ist.

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Tausende Schleuser vor allem in Ägypten, Libyen und der Türkei suchen diesen Sommer ihre Kunden per Internet. Er bekomme inzwischen zehn bis zwanzig Anfragen am Tag, brüstete sich einer gegenüber der BBC. Vor drei Jahren habe noch niemand online gearbeitet. „Inzwischen macht das 30 bis 40 Prozent meines Geschäftes aus.“ Kein Wunder, dass für Flüchtlinge das Smartphone längst zum wichtigsten Begleiter geworden ist.

Entlang der nordafrikanischen Küste agiert eine länderübergreifende See-Mafia, die den Verzweifelten aus Syrien, Irak, Afghanistan und Eritrea Überfahrten nach Lampedusa oder Griechenland verkauft. 300.000 Menschen haben 2015 bereits diese lebensgefährliche Route über das Wasser gewählt, mindestens 4200 sind ertrunken.

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Bis zum Jahresende könnten es 800.000 werden, die nach Europa übersetzen. Mindestens eine Milliarde Dollar flossen allein in den ersten sechs Monaten in die Taschen der skrupellosen Mittler, die ihre Dienste bisweilen wie reguläre Kreuzfahrten anpreisen, „empfohlen für Familien, Kinder die Hälfte“, unterlegt mit Fotos von hell erleuchteten Luxuslinern. „Wir verkaufen den Traum von Europa“, spottete einer der Schmuggler.

Gefälschte Pässe und Visa sind ebenfalls per Facebook zu haben. 90 Tage Großbritannien kosten 7000 Dollar, Bearbeitungszeit eine Woche – „bitte nur ernstgemeinte Angebote“. Manche fügen ihren Werbeseiten sogar die „Bewertungen“ ihrer angeblich zufriedenen Fluchtkunden hinzu. Der italienische Journalist Giampaolo Musumeci, der ein Buch über nordafrikanische Schmuggelnetze geschrieben hat, spricht vom „größten illegalen Reisekonzern der Welt“.

Egal ob Passfälscher in der Türkei, Bootsschlepper in Libyen oder Lastwagenfahrer in Mali – dank Internet operieren die Menschenhändler inzwischen quer über mehrere Kontinente. Polizei und Küstenwache sind dem Treiben nicht gewachsen – oder schauen gegen ein entsprechendes Handgeld weg.

Kommentare (97)

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Account gelöscht!

10.09.2015, 08:55 Uhr

Normale weise müsste die Schlepperindustrie eine Ende nehmen. Es ist doch unter der Grün-Sozialistischen Merkel und Junker Führung in Europa JEDER WILLKOMMEN, der sich als "Flüchtling" ausgibt. Man sollten den Menschen im Nahen-Osten, Nordafrika und Asien sagen, dass diese keine Schlepper mehr benötigen....die können sich für weniger Geld ein Zug, Schiff oder Flugticket kaufen und ganz illegal in EU-Deutschland einreisen. Die Grün-Sozialisten haben nämlich mit ihrer Willkommensparty die Illegale Einreise aufgehoben....man muss sich nur als Flüchtling erkennbar machen. Also ab in den nächsten Zug oder Flieger und auf ins gelobte EU-Deutschland der Grün-Sozialistischen Gutmenschen (=Wolf im Schafpelz).

Frau mona mariposa

10.09.2015, 09:05 Uhr

Diese Entwicklung ist doch eine zwingende logische Konsequenz der Merkel- und EU -Politik. Selbst bei eingeschränkter Denkfunktion war das erkennbar. Die ganzen Umstände sind also ganz bewußt herbeigeführt. Wer versucht, die Entwicklung zu verhindern, wird auch hier als Hetzer, fremdenfeindlich diffamiert und in die rechte Ecke gestellt, Erstaunlich, dass sich eine Wirtschaftszeitung sich in die Pro-Asyl-Propaganda so einbinden lässt.

Herr Markus Bullowski

10.09.2015, 09:09 Uhr

Tja, da die illegale Einreise an sich ja nicht geahndet wird, nur die Beihilfe dazu, muss man sich nicht wundern, wenn hier ein Geschäftsmodell entsteht.

Die Lösung? Illeagle Einreise für die Migranten unattraktiver gestalten (z.B. durch schnelle Rückführungen), dann sinkt auch die Nachfrage bei den Schleppern.

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