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14.06.2013

03:42 Uhr

„Schmarotzertum“

Putin will Steuerparadiese abschaffen

Im Vorfeld des G8-Gipfels knöpft Putin sich Themen wie Steuerparadiese und eine Reform des Internationalen Währungsfonds vor. Er will Offshore-Oasen abschaffen und wirft europäischen Ländern Misswirtschaft vor.

Kremlchef Wladimir Putin hat die Abschaffung von Steuerparadiesen gefordert. ap

Kremlchef Wladimir Putin hat die Abschaffung von Steuerparadiesen gefordert.

MoskauMit Nachdruck hat Kremlchef Wladimir Putin vor dem G8-Gipfel in Nordirland die Abschaffung von Steuerparadiesen gefordert. „Es ist kein Geheimnis, dass eben in Offshores sich beträchtliche Summen spekulativen und kriminellen Kapitals ansammeln“, sagte Putin in einem am Donnerstagabend veröffentlichten Interview der Staatsagentur Ria Nowosti.

Zudem verringere der Kapitalabfluss in Offshore-Oasen die Steuereinnahmen, wodurch der Verlust der Steuerhoheit drohe. „Die Abschaffung der Offshores ist eine wichtige Voraussetzung für die Beseitigung struktureller Ungleichgewichte der Weltwirtschaft“, sagte der russische Präsident.

Er hatte auch mit Blick auf heimische Geschäftsleute, die ihre Einnahmen in Ländern mit niedrigen Steuern investierten, wiederholt eine „De-Offshorisierung“ gefordert.

„Die Bekämpfung der Steuerflucht ist ein sehr kompliziertes und kraftraubendes Problem“, sagte Putin. Er schlug bilaterale Abkommen vor, mit denen Steuerparadiese verpflichtet würden, Daten auszutauschen.

Putin warf einigen europäischen Ländern vor, mit Misswirtschaft selbstverschuldet in die Krise geraten zu sein. „Nicht die Sozialpolitik, sondern ein Leben über die Verhältnisse, der Verlust der Kontrolle über die Wirtschaft sowie Strukturmängel führen zu den Folgen, mit denen sich Europa heute konfrontiert sieht.“ In mehreren Staaten gedeihe das „Schmarotzertum“ - dort sei es günstiger, nicht zu arbeiten. „Das gefährdet nicht nur die Wirtschaft, sondern auch die Moralprinzipien der Gesellschaft.“

Russland hingegen arbeite an einem sozialen Gleichgewicht, behauptete Putin. Experten meinen, der Kremlchef könne seine teuren Sozialversprechen für Rentner und Beamte nur mit Hilfe der hohen Einnahmen aus dem Öl- und Gasverkauf stemmen.

Zudem sprach sich der russische Präsident hat sich für eine Reform des Internationalen Währungsfonds (IWF) aus. Das müsse beim G-8-Gipfel in der kommenden Woche eines der Topthemen sein, sagte er RIA Novosti. Putin kritisierte, dass es dem IWF häufig nicht gelinge, mit den sich rapide verändernden Situationen auf den weltweiten Finanzmärkten Schritt zu halten.

Er sprach sich dafür aus, das Abstimmungssystem des IWF zu ändern. Länder wie Russland, Indien und China, die sich in den vergangenen Jahren enorm entwickelt hätten, sollten dabei eine größere Rolle spielen, sagte der russische Präsident. Beim G-8-Gipfel in Nordirland solle man eine Lösung finden, die dann beim G-20-Gipfel im September in Russland auf eine breitere Basis gestellt werden könne.

Kommentare (9)

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Hagbard_Celine

14.06.2013, 08:07 Uhr

Putin warf einigen europäischen Ländern vor, mit Misswirtschaft selbstverschuldet in die Krise geraten zu sein. „Nicht die Sozialpolitik, sondern ein Leben über die Verhältnisse, der Verlust der Kontrolle über die Wirtschaft sowie Strukturmängel führen zu den Folgen, mit denen sich Europa heute konfrontiert sieht.“ In mehreren Staaten gedeihe das „Schmarotzertum“ - dort sei es günstiger, nicht zu arbeiten. „Das gefährdet nicht nur die Wirtschaft, sondern auch die Moralprinzipien der Gesellschaft.“

Sehr schön auf den Punkt gebraucht, wir sollten Hartz-4 durch Putin-1 ersetzen.

BlendetDieFaktenNichtAus

14.06.2013, 09:52 Uhr

@SANTOS
Das ist ja der Witz des Monats - die Russen sind an der Misere und Misswirtschaft in Europa schuld?! Wie unterentwickelt muss man sein um an solche "Stammtischwahrheiten" zu glauben...

Putin hat einfach nur Recht: die hochnäsige und eingebildete Politiker in der EU machen sehr vieles falsch, falls die überhaupt was machen…

Freidenker

14.06.2013, 10:18 Uhr

In manchen dingen hat Putin recht. Es gibt mit Sicherheit eine Mißwirtschaft in Europa. Man denke nur an die ganzen verschwendeten Steuermilliarden zugunsten des Kapitals! Stuttgart 21, BER, Schloßaufbau in Berlin, Errichtung der Nazikirche in Postdam (Bund spendet 400.000 Euro laut MAZ) usw usw...die Selbstbedienung des ÖD (Gehaltserhöhung/Diäten).

Das der Mittelstand keine Arbeitsplätze mehr schaffen kann, ist der Bundesregierung, der CDU und vorallem Schröder geschuldet! Da durch Harzt 4 erst Dumpinglöhne überall entstanden. Und somit den Konsum/Arbeitsmarkt drücken. Der Binnenmarkt ist schon lange tod. Die Konzerne sind nur noch an dem Bedienen ihrer Aktionäre interessiert. Am Profit! Schon lange hat das Großkapital versäumt sich entsprechend Nachwuchs heran zu ziehen. Und die ausländischen Fachkräfte kommen für billig Löhne auch nicht wie gewollt.

Was das soziale angeht...Mit vollen Gefängnissen schafft man auch Sozialpolitik. Oder müssen die Menschen dort verhungern?? Übrigens geht es den deutschen Gefängnissen meiner Meinung nach zu gut. Die Insassen haben alles erdenkliche, sogar Internet. Während Hartz 4 Kinder sogar wieder hungern müssen und durch die Armut verwahrlosen. Und nach dem absitzen der Strafe wird man wieder eingegliedert. Da bekommt man Wohnung und Arbeit. Hartz 4ler müssten eigentlich kriminell werden, damit sie auch wieder in Arbeit kommen. Wobei es ja schon lange keine Arbeit mehr für Alle durch die Techn. Revolution und der Gier/Sucht nach Geld gibt! Es will kaum einer noch Arbeit vernünftig bezahlen!

Und Herr Putin...in ihrem Lande gibt es sehr viel Elend und Leid!! Fangen sie erstmal bei sich selber an und achten Sie Menschenrechte (gilt auch für die Bundesregierung/Bundestag!). Mit Vorbild voran gehen und dann kritisieren. So wird es auch was...und man nimmt sie ernst!

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