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19.01.2012

15:49 Uhr

Schmutzkampagnen

Kapitalismus als Horrorfilm

VonNils Rüdel

Vor der Wahl in South Carolina sah sich Mitt Romney schon auf der Siegerstraße. Doch wird der Republikaner von konservativen Lobbygruppen heftig angegriffen. Und mit dem Rückzug von Rick Perry holt Newt Gingrich auf.

Die Konkurrenten des republikanischen Präsidentschaftskandidaten Mitt Romney haben erfolgreich in dessen Vergangenheit gekramt. Reuters

Die Konkurrenten des republikanischen Präsidentschaftskandidaten Mitt Romney haben erfolgreich in dessen Vergangenheit gekramt.

WashingtonWie schön war es einst in Marion, Indiana, bevor der böse Mann von der Wall Street kam. Die Menschen waren glücklich, die Flagge wehte, und die Sonne färbte die Kornfelder golden. Doch dann brach das Unheil über das Städtchen herein, seither ist dort alles grau und verkommen. „Es tut so weh, mein Haus verlassen zu müssen“, sagt eine ältere Frau. „Wegen eines Mannes, dem 15 Häuser gehören“.

Der böse Mann ist Mitt Romney, einst Chef der Private-Equity-Firma Bain Capital und heute aussichtsreichster Kandidat der Republikaner im Präsidentschaftsrennen. Er ist die Hauptperson eines Films, der ihn als gierigste aller Heuschrecken darstellt: Wie in Marion habe „der privilegierte Sohn eines Geschäftsmannes“ kleine Firmen aufgekauft, ausgebeutet und sich selbst bereichert. „Für einige der Tausenden Amerikaner, die er im Staub zurückgelassen hat“, sagt die Off-Stimme, „dauert der Alptraum noch immer an“.

Kapitalismus als Horrorfilm – Gordon Gekko aus dem Hollywood-Werk „Wall Street“ wäre neidisch. Urheber des 30-minütigen Streifens, der seit ein paar Tagen im Internet kursiert, sind aber weder die Demokraten noch Occupy Wall Street. Es sind ausgerechnet kapitalismusgläubige Republikaner: Unterstützer des Kandidaten Newt Gingrich, die den Rivalen Romney aus dem Weg haben wollen.

Und die Kampagne zeigt Wirkung: der Vorsprung Romneys in den Umfragen schmilzt dahin. Der Rückzug von Rick Perry, der am Donnerstag seine Kampagne aufgab, schwächt ihn weiter. Denn Perry rief seine Wähler auf, Gingrich zu unterstützen: Erst vor wenigen Tagen hatte der frühere US-Botschafter in China, Jon Huntsman, seinen Ausstieg aus dem Rennen ums Weiße Haus erklärt. In dem konservativen Südstaat wird am Samstag gewählt.

Während die vielleicht entscheidende Vorwahl in South Carolina näher rückt, wird der Kampf der fünf verbliebenen Kandidaten immer ekliger. Sie bombardieren die Einwohner des Südstaates mit einer beispiellosen Masse an TV-Spots – bis zum Wochenende rund 5000 – und hoffen auf ein paar Stimmen mehr, wenn sie nur genug Schmutz werfen. Parteigänger machen sich bereits Sorgen: „Hört auf“, forderte Immobilien-Tycoon Donald Trump, selbst nicht gerade ein Mann der leisen Töne, im Sender Fox. „Ihr spielt nur Obama in die Hände“.

Trotzdem geht es munter weiter, jeder gegen jeden. Ein Spot fragt scheinheilig, wie Gingrich das Land anführen solle, „wenn er doch seine Frau betrogen hat“. Ein anderer Film macht Rick Santorum lächerlich, weil er angeblich viel Geld verschwendet hat, um Schafe und Schweine zu retten. Ron Paul wird als Sicherheitsrisiko und Jon Huntsman als Knecht Chinas verunglimpft, weil er als ehemaliger US-Botschafter in Peking fließend Mandarin spricht.

Kommentare (2)

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bjarki

19.01.2012, 20:34 Uhr

Mitt Romney ist der ungeliebte aber einzige Kandidat der Obama schlagen kann. Newt Gingrich ist ein alter Mann, den niemand will, ausgenommen die rechte Ecke der Republikaner. Er hätte absolut keine Chance gegen Obama. Das sind die Fakten. Falls Romney nicht demontiert wird im Wahlkampf, wird er der Gegenkandidat. Bleibt zu hoffen dass Gingrich dann endlich eine der zahlreichen Retirement Communities bewohnt und Shuffleboard spielt.

Account gelöscht!

20.01.2012, 00:18 Uhr

Land of the free, home of the brave. Zumindest ein Land der Welt muß kapitalistisch UND demokratisch sein (VRC ist nur eines davon). Die rechtskonservativen Spinner braucht kein Mensch, also auch kein Amerikaner.

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