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26.08.2014

08:40 Uhr

Schottland vor der Abstimmung

TV-Duell mit klarem Sieger

In Schottland hat das zweite TV-Duell zur Unabhängigkeit Schottlands einen erbitterten Schlagabtausch geliefert. Es ging vor allem um die wirtschaftlichen Folgen. Eine Umfrage offenbart nun den Publikumsliebling.

Regierungschef Alex Salmond und Unabhängigkeitsgegner Alistair Darling schütteln sich beim zweiten TV-Duell die Hände. Die Volksabstimmung über die Unabhängigkeit Schottlands findet am 18. September statt. Reuters

Regierungschef Alex Salmond und Unabhängigkeitsgegner Alistair Darling schütteln sich beim zweiten TV-Duell die Hände. Die Volksabstimmung über die Unabhängigkeit Schottlands findet am 18. September statt.

LondonIm zweiten und letzten Fernsehduell zur Unabhängigkeit Schottlands hat Regierungschef Alex Salmond einer Umfrage zufolge einen klaren Sieg eingefahren. Rund drei Wochen vor dem entscheidenden Referendum konnte der Befürworter einer Loslösung von Großbritannien der Umfrage zufolge am Montagabend 71 Prozent der Zuschauer von sich überzeugen. Der frühere britische Finanzminister Alistair Darling als Verfechter des Verbleibs bei London konnte dagegen bei dem live in der BBC übertragenen Duell nur bei 29 Prozent der Wähler punkten. Insgesamt liegen die Gegner der Unabhängigkeit in allen Umfragen derzeit aber vorn.

Für die Umfrage der Zeitung „Guardian“ und des Meinungsforschungsinstitutes ICM wurden nach der Fernsehübertragung gut 500 Wahlberechtigte befragt. Während des 90 Minuten dauernden Duells lieferten sich die beiden Politiker einen erbitterten Schlagabtausch, der sich wie schon das erste Duell vor allem um Wirtschaftsfragen drehte. Während bei der ersten Debatte Anfang August aber noch Darling von den Kommentatoren zum Sieger gekürt worden war, hatte nun der Umfrage zufolge der schottische Regierungschef Salmond die besseren Argumente.

Schottland will unabhängig werden - warum?

Wirtschaft

Vor den Küsten Schottlands lagert der weitaus überwiegende Teil des britischen Nordseeöls. Aus Förderung und Verarbeitung entstehen Milliarden an Steuereinnahmen, die jetzt nach London fließen. Nur ein Teil davon fließt wieder nach Schottland zurück. Schon in den 1970er Jahren hatte es eine Kampagne gegeben unter dem Motto: „It's Scotlands Oil“.

Soziales

Die Schotten gewähren ihren Bürgern weitaus mehr soziale Leistungen als die Engländer. So sind Zuzahlungen im Gesundheitssystem geringer und Studiengebühren gibt es nicht für Einheimische. Innerhalb Großbritanniens stehen sie dafür als „Subventions-Junkies“ in der Kritik.

Verteidigung

Die Schotten fühlen sich von den Engländern in Sachen Verteidigung unfair behandelt. Die ungeliebten britischen Atom-U-Boote mit teils nuklearer Bewaffnung sind in Schottland stationiert. Für viele Schotten ein unnötiges Sicherheitsrisiko. Auch die britische Beteiligung an Kriegen wie im Irak und in Afghanistan lehnen sie ab.

Nationalstolz

Viele der fünf Millionen Schotten fühlen sich nicht als Briten. Sie haben eigene Nationalmannschaften, etwa im Fußball oder im Rugby. Sie haben eine eigene Flagge und spielen „Scotland the Brave“ oder „Flower of Scotland“ wie ihre Nationalhymne.

Internationale Politik

Der schottischen Regierungspartei SNP schmeckt die Haltung Großbritanniens innerhalb der EU nicht. „Wir wären ein konstruktiver Partner in Europa“, hatte Ministerpräsident Alex Salmond schon gesagt, als die Regierung in Westminster auf Konfrontationskurs zu Europa gegangen war.

Die Volksabstimmung über die Unabhängigkeit Schottlands findet am 18. September statt. In Umfragen liegen die Gegner derzeit rund zwölf Prozentpunkte vor den Befürwortern einer Loslösung von London. Die britische Regierung warnt davor, dass Schottland im Fall einer Loslösung das Pfund nicht behalten könne. Dies hätte wohl tiefgreifende Auswirkungen auf die schottische Wirtschaft. Die Befürworter der Unabhängigkeit sind für die Beibehaltung der britischen Währung.

Von

afp

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