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04.10.2015

16:15 Uhr

„Schrecklicher Fehler“

Russland fliegt weiter Luftangriffe in Syrien

Während russische Kampfjets am Wochenende wieder Ziele in Syrien angriffen, wird die Kritik des Westens lauter. Der britische Premierminister David Cameron bezeichnete die Militäraktion als „schrecklichen Fehler“.

Am Wochenende bombardierte Russland nach Angaben der Armee Stellungen der Extremistenmiliz Islamischer Staat. dpa

Russische Kampflieger

Am Wochenende bombardierte Russland nach Angaben der Armee Stellungen der Extremistenmiliz Islamischer Staat.

Moskau/ LondonUngeachtet der wachsenden Kritik aus dem Westen haben russische Kampfjets am Wochenende wieder Ziele in Syrien angegriffen. Nach Angaben der russischen Armee wurden Stellungen der Extremistenmiliz Islamischer Staat bombardiert. Die Miliz sei geschwächt worden. Der britische Premierminister David Cameron warf Russland dagegen vor, nur ein kleiner Teil der Angriffe habe den Extremisten gegolten. Vielmehr unterstütze Russland den syrischen Staatschef Baschar al-Assad. Dies sei ein „schrecklicher Fehler“. Die Kurden im Irak riefen Russland und die USA zur Zusammenarbeit im Kampf gegen den IS auf.

Es könnten bessere Ergebnisse erzielt werden, wenn die US-geführte Koalition und Russland gemeinsam vorgingen, erklärte der Präsident der Kurdenregion, Massud Barsani. „Unsere Region wird Russland willkommen heißen, wenn es unsere Peschmerga-Miliz im Kampf gegen den IS unterstützt.“ Nach Angaben der in Großbritannien ansässigen Syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte galten mutmaßlich russische Bombardements am Sonntag Zielen im Westen Syriens. Russland gab an, IS-Stellungen in den Provinzen Idlib im Nordwesten und Rakka im Osten angegriffen zu haben.

Der Beobachtungsstelle zufolge sind seit Beginn des russischen Einsatzes am Mittwoch mindestens 39 Zivilisten ums Leben gekommen. Zudem seien 14 Kämpfer, vor allem des IS, getötet worden. Rebellenvertreter teilten mit, Russland habe mindestens vier Gruppen getroffen, die von anderen Staaten beim Kampf gegen Assad militärisch unterstützt worden seien.

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Cameron warf der russischen Führung vor, mit ihrem Vorgehen in erster Linie den „Schlächter Assad“ zu unterstützen. „Das wird die Region instabiler machen, es wird zu einer weiteren Radikalisierung und mehr Terror führen“, sagte er der BBC. Auch US-Präsident Barack Obama warf Russland vor, den IS zu stärken. Assad beschuldigte dagegen die US-Allianz auf Twitter, den Terrorismus gefördert zu haben.

Die Aussichten für eine politische Lösung des Konflikts trüben sich unterdessen ein. Die syrische Opposition sprach sich gegen den jüngsten UN-Vorstoß aus, eine Verhandlungslösung für das Bürgerkriegsland zu finden. Der Plan, den der UN-Sonderbeauftrage Staffan de Mistura entworfen habe, funktioniere in seiner jetzigen Form nicht, erklärten vom Westen unterstützte Oppositionelle und islamistische Rebellen gemeinsam. Assads Regierung hatte sich dazu bereiterklärt, an den UN-geführten Gesprächen teilzunehmen. Der Plan sieht vor, vier Arbeitsgruppen zu bilden, die einen Weg zu Friedensverhandlungen erarbeiten sollen.

Von

rtr

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