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25.01.2005

17:40 Uhr

Schröder sagt Rechtsextremismus den Kampf an

Europa gedenkt der Auschwitz-Opfer

Mit einer Verbeugung vor den NS-Opfern hat der französische Präsident Jacques Chirac am Dienstag das neue Holocaust-Mahnmal in Paris eingeweiht. Zugleich sagte Bundeskanzler Gerhard Schröder zum 60. Jahrestag der Befreiung des Vernichtungslagers Auschwitz dem Rechtsextremismus den Kampf an.

Bundeskanzler Gerhard Schröder auf der Gedenkveranstaltung des Internationalen Auschwitz Komitees zur Befreiung des Konzentrationslagers. Foto: dpa

Bundeskanzler Gerhard Schröder auf der Gedenkveranstaltung des Internationalen Auschwitz Komitees zur Befreiung des Konzentrationslagers. Foto: dpa

HB BERLIN/STRASSBURG. Es sei die Pflicht aller Demokraten, „der widerlichen Hetze der Neonazis und den immer neuen Versuchen, die Nazi-Verbrechen zu verharmlosen, entschieden entgegenzutreten“, sagte Schröder am Dienstag in Berlin. Auch der Europarat gedachte der Auschwitz-Opfer. In Berlin ist mit Blick auf den 60. Jahrestag des Kriegsendes am 8. Mai eine heftige Debatte um ein schärferes Versammlungsrecht ausgebrochen. Damit sollen Aufmärsche von Neonazis an symbolträchtigen Orten unterbunden werden.

Bei der Gedenkveranstaltung im Deutschen Theater in Berlin, an der auch Überlebende des Holocaust teilnahmen, sagte Schröder, für die Feinde von Demokratie und Toleranz dürfe es keine Toleranz geben. „Nie wieder darf es den Antisemiten gelingen, jüdische Bürger, nicht nur unseres Landes, zu bedrängen, zu verletzen - und Schande über unsere Nation zu bringen“, sagte der Kanzler. „Aus der Shoah, aus dem nationalsozialistischen Terror ist eine Gewissheit für uns alle gewachsen, die mit den Worten „nie wieder“ umschrieben wird.“ Auschwitz-Überlebende erinnerten an das aus dem Holocaust folgende Vermächtnis und zeigten sich besorgt über den Einzug der NPD in deutsche Parlamente. „Was passiert ist, wir können es uns nicht leisten, es zu vergessen“, sagte der Vorsitzende des Jüdischen Weltkongresses, Israel Singer.

Die Erinnerung an die Nazi-Zeit und ihre Verbrechen sei eine moralische Verpflichtung, sagte Schröder. „Wir sind dies nicht nur den Opfern, den Überlebenden und den Angehörigen, nein, wir sind es auch uns selbst schuldig.“ Einen tieferen Riss durch tausende Jahre europäischer Kultur und Zivilisation habe es nie zuvor gegeben. „Für das Ausmaß des Grauens, der Qualen und des Leids, das in den Konzentrationslagern geschah, wird es keinen Ausgleich geben können.“ Den Nachfahren der Opfer und den Überlebenden eine „gewisse Genugtuung“ zu verschaffen, sei aber möglich. Die Verbrechen der Nazis seien unfassbar und überstiegen jede Vorstellungskraft. Die überwältigende Mehrheit der heute lebenden Deutschen trage keine Schuld am Holocaust. „Aber sie trägt eine besondere Verantwortung“, sagte er.

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